Anpfiff
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Hoffenheim fegt Göttingen mit 9:0 vom Platz - ein Abend der Überforderung

Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob das hier eigentlich noch Regionalliga ist oder schon Training gegen die eigene U19. Vor 4525 Zuschauern im kleinen Stadion des TSV Hoffenheim zerlegte die Mannschaft von Trainer Dennis Simon den VfB Göttingen mit 9:0 (4:0) - und das ohne Verlängerung, Elfmeterschießen oder sonstige dramaturgische Hilfsmittel.

Von der ersten Minute an war klar, wohin die Reise geht. Hoffenheim trat offensiv an, blieb es auch und hörte damit nie auf. Göttingen dagegen hatte Mühe, den Ball länger als drei Sekunden in den eigenen Reihen zu halten - 42 Prozent Ballbesitz sind eine schmeichelhafte Statistik, wenn man sich erinnert, dass die Gäste in 90 Minuten keinen einzigen Torschuss zustande brachten.

"Wir wollten eigentlich kompakt stehen", murmelte Göttingens erfahrener Mittelfeldspieler Robert Graysmark hinterher und blickte dabei auf seine Schuhe. "Aber dann stand halt meistens der Ball im Netz."

Bereits in der 21. Minute eröffnete Markus Block den Torreigen, nach feiner Vorarbeit von Innenverteidiger Nikola Lomic. Eine Minute später durfte der 18-jährige Liam Mathieu jubeln - Vorlage von Rechtsverteidiger Jamie Poe, der an diesem Abend mehr Offensivaktionen hatte als so mancher Stürmer der Gäste.

Nach einer halben Stunde war die Partie praktisch entschieden: Block (32.) und Mathieu (33.) legten nach, und Göttingens Torhüter Timo Ebert brüllte seine Abwehr so laut zusammen, dass selbst die Zuschauer auf der Gegengerade kurz zusammenzuckten. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", sagte er später mit einem gequälten Lächeln. "Ab dem fünften Tor war’s auch egal."

Nach dem Seitenwechsel wurde es nicht besser. Block schnürte in der 46. Minute seinen Dreierpack, Mathieu tat es ihm in der 52. gleich. Und als Innenverteidiger Lomic in der 55. Minute per Kopf zum 7:0 traf, applaudierten selbst einige Göttinger Fans - schwarzer Humor als letzter Rettungsanker.

Trainer Dennis Simon stand derweil stoisch an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, als wolle er sagen: "Ich hab euch ja gesagt, spielt einfach weiter." Nach dem Spiel erklärte er trocken: "Die Jungs haben das umgesetzt, was wir im Training üben - Tore schießen."

Im letzten Drittel des Spiels durfte sich auch die Offensive in die Breite entfalten: Javier Beto (73.) traf, nachdem er zuvor gefühlt ein Dutzend Mal am glänzend reagierenden, aber völlig überforderten Ebert gescheitert war. Drei Minuten später versenkte Liam Herrmann (76.) den Ball zum neunten und letzten Mal im Göttinger Tor - Vorlage natürlich von Jan Kozel, dem unermüdlichen Taktgeber im Mittelfeld.

"Ehrlich gesagt, wollte ich auch mal treffen", grinste Herrmann nach der Partie. "Aber als ich gesehen hab, dass jeder andere schon eins hatte, dachte ich, jetzt oder nie."

Die Statistik spricht Bände: 34 Torschüsse für Hoffenheim, null für Göttingen. 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 57 Prozent Ballbesitz - Zahlen, die so eindeutig sind, dass man sie kaum kommentieren muss. Und doch tat es Simon: "Wir hatten heute Spielfreude. Das war’s eigentlich."

Einziger Wermutstropfen: Innenverteidiger Liam Carey sah nach einem rustikalen Einsteigen in der 66. Minute Gelb - aus purer Langeweile, möchte man fast vermuten. Auf der Gegenseite holte sich Göttingens Luis Fuchs kurz vor Schluss ebenfalls eine Verwarnung ab, wohl um wenigstens einmal im Spielbericht aufzutauchen.

Nach Abpfiff applaudierte das Publikum lange, auch den Gästen, die tapfer durchhielten. Ein älterer Fan auf der Tribüne fasste es so zusammen: "Die Göttinger haben wenigstens nicht aufgehört zu laufen - auch wenn’s meistens hinterher war."

Für Hoffenheim war dieser Abend ein rauschendes Fußballfest, ein Statement im Aufstiegskampf der Regionalliga A. Für Göttingen dagegen eine Lektion in Sachen Demut. Trainer Simon brachte es mit einem Schmunzeln auf den Punkt: "Neun Tore sind schön. Aber das Beste war, dass wir keins kassiert haben."

Und irgendwo in Göttingen wird man wohl noch lange von diesem Spiel sprechen - vermutlich nicht mit Begeisterung, aber mit der stillen Hoffnung, dass so etwas wirklich nur einmal im Leben passiert.

14.09.643993 14:55
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Der Dieter Hoeneß hat die Glatze noch ganz nass gehabt. Da geht es um 30 bis 35 Millionen. Das ist Monopoly original.
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