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Wenn ein Fußballspiel eine Schulstunde wäre, dann saß der SC Gratkorn am Samstagabend brav in der letzten Reihe, während der FC Höchst vorne an der Tafel demonstrierte, wie moderner Offensivfußball funktioniert. 4:0 hieß es am Ende im Liga-Pokal der 2. Liga Österreich - und das Ergebnis war sogar noch schmeichelhaft für die Gäste. 10.502 Zuschauer im Höchster Stadion sahen eine Heimelf, die von der ersten Minute an zeigte, wer hier den Ton angibt. Schon in der 12. Minute zappelte der Ball zum ersten Mal im Netz: Tiago Morte, der Flügelstürmer mit der Präzision eines Uhrwerks, traf nach feinem Zuspiel von Dawid Szamotulski. "Ich musste nur noch den Fuß hinhalten, ehrlich", grinste Morte später. "Aber sagen Sie das bitte nicht unserem Trainer - der glaubt, das war pure Kunst." Und während Gratkorn noch überlegte, ob man vielleicht doch etwas näher an den Gegner heranrücken sollte, schlug Höchst wieder zu. In der 23. Minute war es Adam Malfoy - nein, kein Zauberer aus Hogwarts, aber fast so effektiv - der nach Vorlage von Verteidiger Carl Santos zum 2:0 einschob. Zehn Minuten später legte Malfoy noch einen drauf. Dieses Mal ganz ohne Assist, einfach aus purer Spielfreude. Trainer Ronnie Ekström stand da wie ein Mann, der gerade den perfekten Abend erlebt. Sein Team dominierte mit knapp 60 Prozent Ballbesitz, spielte 23 Torschüsse heraus und ließ hinten - man glaubt es kaum - genau einen einzigen Abschluss der Gratkorner zu. Torwart Jörg Pan hätte sich theoretisch auch einen Liegestuhl mitbringen können. Das 4:0 in der 36. Minute war schließlich Adriano Ramallos Werk, der nach erneut starker Vorarbeit von Szamotulski trocken einschob. Danach war das Spiel im Grunde entschieden, auch wenn der FC Höchst in der zweiten Halbzeit weiter munter Chancen sammelte. Manchmal wirkte es, als wollten sie den Ball ins Tor tragen - oder zumindest bis kurz davor kombinieren, um dann höflich nachzufragen, ob der Torwart vielleicht kurz Platz machen könne. Gratkorn dagegen? Nun ja, die Gäste wirkten wie Touristen, die sich auf dem Spielfeld verlaufen hatten. Trainer Andi Garagengold hatte zwar "offensiv" auf dem Zettel stehen, aber das sah auf dem Rasen eher nach defensiver Selbsthilfegruppe aus. "Wir wollten kontern", erklärte er nach dem Spiel, "aber dafür braucht man den Ball. Und den hatten wir eher selten." Er hatte recht: Nur 40 Prozent Ballbesitz, kaum Entlastung, und zwei Gelbe Karten (Reiter in der 71., Campana in der 72.) waren das Einzige, was man in den Spielberichtsbogen eintragen konnte. Ein kurzer Hoffnungsschimmer blitzte auf, als der 17-jährige Andrej Stastny in der 34. Minute tatsächlich einmal auf das Tor schoss - Gratkorns einziger Versuch im gesamten Spiel. Aber selbst da schien Höchsts Keeper Pan eher gelangweilt als gefordert. In der zweiten Halbzeit nahm Höchst etwas Tempo raus, ließ Ball und Gegner laufen und spielte das Ergebnis souverän über die Zeit. "Wir haben dann einfach Spaßfußball probiert", schmunzelte Innenverteidiger Jose Maria Morales. "Ein bisschen wie im Training - nur mit mehr Applaus." Am Ende stand ein 4:0, das so klar war wie die Alpenluft über dem Bodensee. Höchst marschiert mit breiter Brust durch den Liga-Pokal, während Gratkorn sich wohl Gedanken machen muss, wie man künftig wenigstens an Ball und Gegner gleichzeitig kommen kann. "Das war eine Lehrstunde", gab Garagengold zu. "Aber manchmal lernt man ja auch aus Niederlagen." - "Dann war das heute wohl ein ganzer Lehrplan", murmelte einer seiner Spieler im Vorbeigehen, was der Trainer mit einem gequälten Lächeln quittierte. Für Höchst hingegen war es ein Festabend. Tiago Morte wurde zum Publikumsliebling, Malfoy zum Doppeltorschützen, und selbst Ekström, sonst eher nordisch unterkühlt, klatschte nach dem Schlusspfiff wie ein glücklicher Fan. Und während die Gratkorner Spieler mit hängenden Köpfen vom Platz trotteten, ertönte aus der Heimkurve ein vielstimmiges "Höchst, Höchst, Höchst!". Kein Spott, keine Häme - einfach Fußballfreude pur. Das Fazit? FC Höchst spielte, als ginge es um den Champions-League-Titel, SC Gratkorn dagegen, als wäre das WLAN ausgefallen. 4:0 - gerecht, dominant, und ein Statement, das man in der 2. Liga Österreich sicher gehört hat. Oder, wie Tiago Morte es trocken zusammenfasste: "Wenn’s läuft, dann läuft’s. Und heute - da lief’s halt." 03.05.643987 04:43 |
Sprücheklopfer
Wenn mein Vater da gewesen wäre, hätte sich mein Leben vollkommen anders entwickelt. Viel zielgerichteter. Dann wäre meine Mutter zu Hause gewesen. Ich hätte vernünftig für die Schule gearbeitet, einen normalen Beruf erlernt und wäre nicht in den Fußball abgedriftet.
Felix Magath