Sportwoche
+++ Sportzeitung für Österreich +++

Höchst im Rausch: 4:0-Gala gegen Waidhofen lässt das Stadion beben

Wer am Montagabend im Höchster Stadion gefroren hat, dem wurde spätestens nach drei Minuten warm ums Herz. Da nämlich jagte Robert Bossong den Ball mit links - und wohl auch ein bisschen Wut - ins rechte Kreuzeck. 23.717 Zuschauer sprangen auf, als hätte jemand den Strom eingeschaltet. So begann ein Fußballabend, der für den FC Höchst zu einem rauschhaften Fest wurde und für den SV Waidhofen zu einem jener Abende, an denen man lieber den Bus verpasst hätte.

Trainer Ronnie Ekström hatte sein Team offensiv eingestellt, und das merkte man: 23 Torschüsse, 57 Prozent Ballbesitz, und ein Pressing, das Waidhofen schon beim Einwurf den Schweiß auf die Stirn trieb. "Wir wollten heute zeigen, dass wir nicht nur schön aussehen können, sondern auch treffen", grinste Ekström nach dem 4:0-Erfolg.

Bossong, gerade einmal 21 Jahre alt, war der unbestrittene Mann der ersten Halbzeit. Nach seinem Blitzstarttor legte er in Minute 20 nach - diesmal nach feiner Vorarbeit des 17-jährigen Linksverteidigers Sergio Caneira. "Ich hab ihn einfach laufen lassen", sagte Caneira später, "und dann dachte ich: Der Robert wird schon wissen, was er tut. Hat er ja."

Waidhofen dagegen wusste in dieser Phase gar nichts. Die Gäste wirkten, als hätten sie die Anstoßzeit verwechselt. Ihr Trainer - namentlich ungenannt, wohl aus Selbstschutz - gestikulierte wild, während seine Mannschaft den Ball kaum über die Mittellinie brachte. Zwei kümmerliche Torschüsse in 90 Minuten sprechen Bände.

Noch vor der Pause machte Innenverteidiger Stefan Westergaard den Deckel quasi drauf. Nach einer Ecke von Dawid Szamotulski nahm er Maß und traf in der 43. Minute zum 3:0. Ein Verteidiger, der trifft - das Publikum jubelte, Westergaard grinste: "Ich wollte eigentlich klären, aber dann hab ich’s mir anders überlegt."

In der zweiten Halbzeit spielte Höchst das 3:0 mit einer Mischung aus Arroganz und Spielfreude herunter. Wer 20 Jahre jünger ist als sein Gegenspieler, darf sich das auch erlauben. Waidhofen versuchte es mit Härte: Thomas Moll sah in der 7. Minute Gelb, in der 85. Gelb-Rot. Dazwischen kassierten seine Kollegen Jaeger, Vetter und Musso ebenfalls Verwarnungen - offenbar hatte man beschlossen, wenigstens im Kartenspiel mitzuhalten.

Der junge Sergio Caneira holte sich seinerseits in der 77. Minute Gelb ab, nach einem rustikalen Einsteigen, das sein Trainer später als "pädagogisch wertvoll" bezeichnete. "Sergio muss lernen, dass man auch mit 17 schon erwachsen foulen kann", schmunzelte Ekström.

Den Schlusspunkt setzte schließlich Michael Kopp in der 96. Minute, nach feinem Doppelpass mit Routinier Timm Schreiner. "Ich dachte, der Schiri pfeift eh gleich ab", sagte Kopp lachend, "aber wenn’s läuft, läuft’s." Der Ball lief tatsächlich - und zwar fast ausschließlich für Höchst.

Waidhofens Torhüter Markus Stumpf war der einzige, der sich an diesem Abend nichts vorzuwerfen hatte. Er flog, sprang, warf sich, hielt was zu halten war - aber er war auch der meistbeschäftigte Mann auf dem Platz. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", gab er ehrlich zu.

Als der Schlusspfiff ertönte, reckten die Höchster die Arme in die kalte Winterluft, während die Gäste stumm in Richtung Kabine trotteten. Die Statistik ließ kein Pardon: 4:0 Tore, 23:2 Torschüsse, 57 Prozent Ballbesitz, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Der FC Höchst wirkte wie eine Mannschaft, die noch etwas vorhat in dieser Saison - und Waidhofen wie eine, die langsam nach einem Kompass sucht.

Im Stadion blieb man noch ein wenig, sang, fror, lachte. Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Fan, der es wissen musste: "So schön hat Höchst seit Jahren nicht gespielt. Wenn’s so weitergeht, müssen wir bald Eintritt für die Trainingseinheiten verlangen."

Ein Hauch von Euphorie wehte durch die Nacht. Und während Trainer Ekström mit einem Pappbecher Kakao in der Hand zufrieden in den Himmel blickte, murmelte er leise: "Das war erst der Anfang."

Man kann es ihm glauben - nach so einem Abend glaubt man hier in Höchst fast alles.

13.04.643990 16:33
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Gegen uns hätten wir auch gewonnen.
Klaus Allofs
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager