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Höchst dreht das Spiel - ein Abend zwischen Zittern, Zorn und Zauberei

Wenn 27.575 Zuschauer an einem kalten Februarabend im Höchster Stadion auf ihre Plätze stürmen, dann wissen sie: Hier passiert heute etwas. Und tatsächlich - es wurde ein Spiel, das man in die Kategorie "Herzinfarkt mit Happy End" einsortieren darf. Am Ende jubelte der FC Höchst nach einem 3:2-Sieg über den FC Rankweil, obwohl die Gäste zunächst alles im Griff hatten.

Schon nach neun Minuten herrschte betretenes Schweigen auf den Rängen. Ausgerechnet Innenverteidiger Moritz Büttner, sonst eher für rustikale Klärungsaktionen zuständig, stocherte den Ball nach einer Ecke über die Linie. "Ich wusste gar nicht, dass ich noch so nah ans Tor darf", grinste er später in die Kameras. Zehn Minuten später legte Rankweil nach - Sven Schreiber nutzte eine traumhafte Vorlage von Nils Otto und schob eiskalt zum 0:2 ein. Trainer Freddie Fridolin rannte jubelnd an der Seitenlinie entlang, als hätte er gerade den Champions-League-Pokal gewonnen.

Doch dann kam Tiago Morte. Der portugiesische Linksaußen des FC Höchst, bekannt für Dribblings zwischen Genie und Wahnsinn, hatte offenbar genug vom höflichen Zusehen. In der 25. Minute nahm er einen Pass von Rechtsverteidiger Jakob Feldmann auf, setzte zwei Gegenspieler schwindlig und drosch den Ball zum 1:2 in die Maschen. "Ich wollte eigentlich flanken", scherzte Morte später, "aber manchmal will der Ball einfach rein."

Mit dem Anschlusstreffer war plötzlich Feuer im Spiel. Höchst rannte, kämpfte und biss sich in die Partie, während Rankweil sich offenbar in Gedanken schon beim Pausentee befand. Feldmann holte sich kurz vor der Halbzeit noch Gelb ab - sinnbildlich für den steigenden Adrenalinspiegel bei den Gastgebern.

Nach dem Seitenwechsel wurde die Partie zum offenen Schlagabtausch. Höchst hatte zwar etwas weniger Ballbesitz (48 zu 52 Prozent), dafür aber mehr Zielstrebigkeit. Und dann kam die 55. Minute: Lajos Kocsis, der junge Ungar auf der rechten Seite, traf nach mustergültiger Vorarbeit von Adam Malfoy zum 2:2. Das Stadion explodierte. "Wir wussten, dass noch was geht", sagte Trainer Ronnie Ekström später mit einem Lächeln, das zwischen Erleichterung und Stolz pendelte.

Nur fünf Minuten später drehte Morte endgültig auf - und das Spiel gleich mit. Nach feinem Zuspiel von Michael Kopp schlenzte er den Ball ins lange Eck. 3:2. Was folgte, war ein ohrenbetäubendes Brüllen von den Tribünen und ein ekstatischer Morte, der sich in die Arme seiner Mitspieler warf.

Rankweil versuchte zu reagieren, brachte in der 70. Minute frisches Personal: Marvin Heinz und Fabian Meister kamen, doch der Schwung blieb aus. "Nach dem 3:2 war irgendwie die Luft draußen", seufzte Rankweil-Kapitän Sven Schreiber. Zwar feuerten die Gäste noch einige Schüsse ab - insgesamt neun Torschüsse standen am Ende zu Buche - doch Höchst verteidigte mit Herz und Humor.

In der Schlussphase wechselte Ekström ebenfalls clever: Deco und der 18-jährige Sergio Caneira kamen für frische Beine. "Ich wollte nur verhindern, dass meine Abwehr kollektiv umkippt", witzelte der Trainer danach. Caneira, gerade einmal volljährig, verteidigte mit einer Ruhe, als hätte er schon 100 Spiele auf dem Buckel.

Die letzten Minuten gehörten dann den Nerven. Rankweil drückte, Höchst konterte - und irgendwo zwischen Adrenalin und Angst vergingen die Sekunden. Als Schiedsrichter Pichler schließlich abpfiff, war der Jubel grenzenlos. Morte wurde von den Fans gefeiert, Kocsis grinste verschmitzt, und Ekström ließ sich zu einem seltenen Gefühlsausbruch hinreißen: "Ich hätte nie gedacht, dass Defensivtaktik so schön enden kann."

Statistisch gesehen war’s ein Duell auf Augenhöhe: 13 Torschüsse für Höchst, neun für Rankweil, ein leichtes Plus im Ballbesitz für die Gäste. Doch wer Zahlen liebt, hat dieses Spiel nicht gesehen. Es war ein Abend der Emotionen, der Wende, der kleinen Geschichten.

Und vielleicht auch der Geburt eines neuen Publikumslieblings: Tiago Morte, der Mann des Spiels, verließ das Stadion mit einem breiten Grinsen. Auf die Frage, was er nach so einem Sieg vorhat, antwortete er trocken: "Einen warmen Kakao. Und dann schlafen. Ich hab genug Tore für heute."

Manchmal braucht es eben keine Taktiktafel, sondern einfach nur Mut - und einen Morte in Bestform.

30.08.643990 14:00
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Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden wie es wirklich war.
Olaf Thon
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