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Es war ein kalter, windiger Abend im Stadion von FF Haka, aber auf dem Rasen glühte der Kampfgeist - zumindest phasenweise. 26.849 Zuschauer sahen ein Europaliga-Qualifikationsspiel, das von allem etwas bot: Tore, Karten, Verlängerung und eine ordentliche Portion Dramatik. Am Ende jubelte der tschechische Gast SK Hlavice über ein 2:1 nach Verlängerung - und die Finnen fragten sich, wie man ein Spiel mit mehr Ballbesitz, mehr Kontrolle und einer Stunde Überzahl trotzdem verlieren kann. Schon früh zeigten die Hausherren, dass sie das Spiel gerne unter Kontrolle haben. 54 Prozent Ballbesitz, sauberes Kurzpassspiel, und Pekka Heikkinen prüfte gleich in der vierten Minute den Gästetorwart Dostalek. "Ich dachte, das Ding geht rein, aber der Typ klebte da wie ein Magnet", knurrte Heikkinen später. Doch während Haka kombinierte, lauerte Hlavice - und schlug eiskalt zu. In der 38. Minute war es Lennard Henning, der nach feiner Vorarbeit von Adrian Gorritxategi das 1:0 für die Gäste markierte. Ein Treffer aus dem Nichts, aber dafür umso sauberer. Trainer Egon Tor grinste danach in sich hinein: "Wir wussten, dass Haka gerne hübsch spielt. Wir wollten lieber effektiv sein." Und effektiv waren sie: Sie schossen insgesamt 22-mal aufs Tor, während Haka nur zehn Versuche verzeichnen konnte. Nach der Pause kam Haka wütend aus der Kabine. Trainer Holter Kos, sonst ein ruhiger Stratege, schrie seine Spieler an: "Ihr habt doch nicht 90 Minuten Urlaub gebucht!" Offenbar wirkte es - in der 53. Minute traf Heikkinen nach Zuspiel von Yannick Dens zum Ausgleich. Ein Tor, das das Stadion elektrisierte. "Da dachte ich, jetzt kippt das Spiel komplett", seufzte Dens später. Doch dann kam die Szene, die das Spiel drehte - und die Gemüter erhitzte. In der 65. Minute sah Innenverteidiger Mikael Peltonen Gelb, nur um eine Minute später mit Gelb-Rot vom Platz geschickt zu werden. "Ich hab den Ball gespielt", beteuerte er hinterher mit Unschuldsmiene, "aber offenbar war der Schiedsrichter eher Kunstliebhaber als Sportler - er mochte wohl die Theatralik meines Gegners." Von da an spielte Haka in Unterzahl, doch das hinderte sie nicht, weiter zu kombinieren. Der Ball zirkulierte, aber der letzte Pass blieb Mangelware. Hlavice hingegen roch Blut. Immer wieder flogen die langen Bälle in den Strafraum, Henning und der eingewechselte 21-jährige Marek Kadlec wirbelten. Trainer Tor wechselte offensiv, brachte den jungen Libor Strestik und eben Kadlec - ein Joker, der sich auszahlen sollte. Die Verlängerung war dann ein Geduldsspiel - zumindest für die Finnen. Gelbe Karten für de la Fuente (104.) und Pelaez (106.) zeigten, dass die Nerven blank lagen. Und in der 105. Minute kam der Stich ins Herz: Henning legte quer, der junge Kadlec traf trocken zum 2:1. Hlavice jubelte, Haka sank zu Boden. "Das war wie in einem schlechten Traum", meinte Trainer Kos. "Wir haben das Spiel gemacht, aber sie haben die Tore." Sein Gegenüber Egon Tor grinste: "So ist Fußball. Manchmal gewinnt der, der weniger redet." In der Schlussphase warf Haka alles nach vorn. Selbst Linksverteidiger Arnor Samuelsson versuchte sich in der 95. Minute an einem Schuss, der allerdings mehr das Dach des Stadions als das Tor traf. "Ich wollte den Ball einfach mal sehen, wie er fliegt", witzelte er später. Am Ende blieb es beim 1:2 nach Verlängerung - eine bittere Niederlage für Haka, die trotz 54 Prozent Ballbesitz und spielerischer Überlegenheit an der eigenen Ungeduld scheiterten. Hlavice dagegen zeigte Cleverness, körperliche Präsenz und eine beachtliche Schussfreude. "Wenn man 22-mal aufs Tor schießt, darf einer ruhig reinfallen", grinste Torschütze Henning nach dem Spiel, während Kadlec neben ihm strahlte: "Mein erster Europapokal-Treffer - den widme ich meiner Oma!" Das Publikum verabschiedete beide Teams mit Applaus, auch wenn mancher Haka-Fan beim Hinausgehen murmelte: "Wir hätten das zehnmal gewinnen müssen." Vielleicht stimmt das, vielleicht auch nicht. Fußball hat seine eigene Logik - und am Dienstagabend in Finnland sprach sie Tschechisch. Ein Sieg, der Hlavice ins europäische Rampenlicht rückt, und eine Niederlage, die Haka noch lange beschäftigen dürfte. Oder wie Trainer Kos es ausdrückte: "Wir lernen draus. Hoffentlich vor dem Rückspiel." 22.11.643993 21:50 |
Sprücheklopfer
Wie so oft liegt auch hier die Mitte in der Wahrheit.
Rudi Völler