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Was lange wie ein torloses Wintermärchen in den Bergen aussah, endete in einem späten, aber umso lauteren Jubelorkan: Zell am See bezwingt Krems am 27. Spieltag der 2. Liga Österreich mit 1:0 - dank eines Last-Minute-Treffers von Andre Hess, der sich damit wohl einen Logenplatz in der Vereinschronik gesichert hat. Vor 17.866 Zuschauern im schmucken Alpenstadion entwickelte sich an diesem frostklaren Januarabend ein Spiel, das weniger durch technische Finesse als durch blanke Entschlossenheit glänzte. Beide Teams feuerten jeweils elf Torschüsse ab - statistische Symmetrie in Reinkultur -, doch die meisten Bälle fanden eher die Hände der Torhüter als den Weg ins Netz. Zell am See begann engagiert, mit einem Schussfestival in den ersten 20 Minuten. Pol Caneira prüfte bereits in der vierten Minute Krems-Keeper Marcel Peltier, und der junge Andre Hess ließ in der 11., 12. und 33. Minute gleich drei Mal seine linke Klebe sprechen. Trainer der Heimelf - sein Name blieb an diesem Abend so unauffällig wie seine Mütze - gestikulierte dabei wild an der Seitenlinie: "Wenn der Junge so weitermacht, braucht er bald einen Waffenschein für den linken Fuß!", soll er lachend gesagt haben. Krems aber hielt dagegen. Besonders der 17-jährige Daniel Devaney wirbelte in der ersten Halbzeit wie ein Schneesturm durch den Strafraum der Gastgeber. Zwischen der 38. und 45. Minute vergab er gleich drei aussichtsreiche Chancen. Sein Trainer Theo Fluss kommentierte später trocken: "Daniel hat heute mehr Zeit in der Luft verbracht als ein Linienflug - nur leider ohne Zielankunft." Zur Halbzeit stand es folgerichtig 0:0. Zell hatte etwas mehr vom Spiel (52,7 % Ballbesitz), Krems aber die robustere Zweikampfbilanz. Gelb sah einzig Valentin Sundström, der in der 42. Minute mehr den Rasen als den Ball traf. Sein entschuldigendes Schulterzucken Richtung Schiedsrichter sprach Bände. Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild kaum. Hess schoss wieder, Caneira ebenso, und Liam Duncan probierte es in der 52. Minute aus der Distanz, als wolle er den Ball bis in den Zeller See befördern. Doch Peltier im Krems-Tor fischte auch diesen Versuch aus dem Abendhimmel. Dann, in der 65. Minute, der Schockmoment: Kai Erdmann blieb nach einem unglücklichen Zweikampf liegen, musste behandelt und schließlich ausgewechselt werden. Julian Schmidt kam für ihn - und brachte frischen Wind, auch wenn dieser Wind zunächst eher durch die Tribünen pfiff als durch den Strafraum. "Kai meinte in der Kabine, er hätte einfach zu viel Schnee geschluckt", witzelte ein Mitspieler später. Gelb kassierte kurz darauf noch der junge Joel Wirth, der sich in der 70. Minute beim Versuch, einen Konter zu stoppen, etwas zu beherzt in die Beine seines Gegenspielers warf. Der Schiedsrichter zückte die Karte mit der Routine eines Mannes, der das schon tausendmal getan hat. Krems drückte in der Schlussphase, suchte verzweifelt den Lucky Punch - Johannes Grossmann und Herbert Kraft feuerten, aber Zells Torhüter Christopher Schlüter hielt, was zu halten war. "Ich hab den Ball gar nicht gesehen, nur gespürt. Und dann war er einfach da, in meinen Händen", grinste der 20-Jährige nach der Partie. Und dann kam die 90. Minute. David Grimm flankte von rechts, zielgenau wie mit dem Lineal gezogen. Andre Hess, wieder er, stieg hoch, legte den Kopf in den Nacken - und wuchtete den Ball über die Linie. 1:0. Jubel, Schnee, Rauchfackeln. Ein Tor, das die Kälte aus den Knochen trieb und Krems in kollektives Kopfschütteln versetzte. "Ich hab nur gedacht: diesmal geht er rein", sagte Hess, noch halb ungläubig, während er sich den Schweiß aus dem Gesicht wischte. Trainer Fluss von Krems dagegen fand klare Worte: "Wenn du so viele Chancen hast und dann in der Nachspielzeit verlierst, dann willst du einfach nur in den Bus steigen und heimfahren." Statistisch war’s ein Spiel auf Augenhöhe, emotional ein Drama mit Happy End für die Gastgeber. Zell am See zeigte mehr Geduld, Krems mehr Offensivdrang - aber Fußball schreibt bekanntlich keine Gerechtigkeit, sondern Geschichten. Und so klingt das Fazit eines Fans, der nach dem Schlusspfiff in die kalte Nacht rief: "Egal, wie’s war - Hauptsache, der Schnee bleibt liegen und die drei Punkte hier!" Recht hat er. 08.12.643987 14:49 |
Sprücheklopfer
Ganz gut. Ich habe mich die ganze Nacht um seine Frau gekümmert!
Mario Basler auf die Frage, wie es Dietmar Hamann nach seinem Schlaganfall geht