Haaretz Sports
+++ Sportzeitung für Israel +++

Herzliya Yellows zittern sich mit 2:1 ins Pokal-Halbfinale

Das Pokal-Viertelfinale zwischen den Herzliya Yellows und Tirat Carmel FC war kein Leckerbissen für Fußballästheten - aber ein Fest für alle, die Dramatik, Schweiß und ein bisschen Chaos lieben. 43.500 Zuschauer im sonnendurchfluteten Stadion von Herzliya erlebten ein 2:1 (0:0), das man so schnell nicht vergisst - vorausgesetzt, man hat starke Nerven und keine zarten Stimmbänder.

Die erste Halbzeit? Sagen wir so: Wer zu spät kam, hat nichts verpasst - und wer rechtzeitig da war, wünschte sich irgendwann die Fernbedienung. Beide Teams suchten ihr Glück in Torschüssen, fanden aber nur den gegnerischen Torwart. Schon in der 4. Minute prüfte Wladimir Larionow den Carmel-Keeper mit einem satten Schuss - gleichsam als wollte er fragen: "Bist du wach?" Die Antwort kam prompt in Form einer Parade. Auf der Gegenseite meldete sich Tikhon Makarow mit mehreren Versuchen (6., 23., 43., 56.), doch auch er fand keinen Weg an Joao Antunez vorbei, der zwischen den Pfosten der Yellows eine makellose erste Hälfte spielte.

"Ich dachte, wir spielen Handball - so oft kam der Ball zurück!", grinste Yellows-Coach Kula Shaker später. Sein Gegenüber Babsi Klemm, sonst eher die Ruhe selbst, fuchtelte bereits nach 20 Minuten wild an der Seitenlinie: "Wir haben Flügel, aber fliegen nicht!", soll sie gerufen haben, halb wütend, halb verzweifelt.

Nach dem Pausentee änderte sich der Rhythmus schlagartig. In der 49. Minute brach Valentin Hreidarsson den Bann. Nach feinem Zuspiel von Pauel Cure zog er aus 20 Metern trocken ab - 1:0 für Herzliya. Das Stadion explodierte, und Hreidarsson riss die Arme hoch, als wolle er sagen: "Endlich!"

Doch Tirat Carmel FC zeigte Moral. Trainerin Klemm brachte zur zweiten Halbzeit frische Kräfte, unter anderem Joel Cantwell, und wurde belohnt. In der 72. Minute war es eben jener Cantwell, der nach Vorlage von Kacper Wojciechowski den Ball eiskalt ins Netz setzte. 1:1 - und plötzlich lag Spannung in der Luft, so dicht, dass man sie hätte greifen können.

Die Freude der Gäste währte allerdings nur 60 Sekunden. Praktisch im Gegenzug, in der 73. Minute, schlug Alexander Williamson zu. Nach einem weiten Ball von Routinier Ernst Ernst - ja, der Mann heißt wirklich so - zog der Flügelspieler volley ab. Der Ball zappelte im Netz, während Carmel-Keeper Georg Danielsen noch überlegte, ob er überhaupt springen sollte. 2:1, das Stadion bebte.

"Ich hab einfach draufgehauen", sagte Williamson später schulterzuckend. "Ernst meinte, ich soll’s mal versuchen. Und wenn Ernst Ernst etwas Ernstes sagt, dann machst du’s halt."

Tirat Carmel FC rannte danach an, hatte sogar leicht mehr Ballbesitz (52 Prozent) und kam auf 13 Torschüsse - einer mehr als die Gastgeber. Aber es fehlte die Präzision, die letzte Überzeugung. Einmal rettete Baljak kurz vor der Linie, ein anderes Mal rauschte ein Kopfball von Oliveira hauchdünn vorbei.

In den Schlussminuten wurde es ruppig. Filipe Semedo holte sich in der 50. Minute Gelb ab - ein taktisches Foul, das man auch als "Notbremse mit Stil" bezeichnen könnte. Shaker wechselte in der 91. Minute noch Daniel Ben ein, um Zeit von der Uhr zu nehmen. "Ich hab ihm gesagt, er soll sich einfach an der Eckfahne festhalten", lachte der Coach später.

Als der Schlusspfiff ertönte, lagen sich Spieler und Fans in den Armen. Die Yellows stehen im Halbfinale des Pokals, Tirat Carmel FC bleibt nur die Erkenntnis, dass man mit schönem Offensivfußball allein keine Spiele gewinnt.

"Wir haben alles gegeben, aber Fußball ist manchmal ein grausamer Sport", meinte Carmels Torschütze Cantwell. "Eine Minute Euphorie, und dann kommt der nächste Hammer."

Statistisch gesehen war das Spiel ausgeglichen - 12 zu 13 Torschüsse, 48 zu 52 Prozent Ballbesitz. Doch auf der Anzeigetafel zählte nur eines: 2:1.

Kula Shaker fasste es gewohnt trocken zusammen: "Wir waren vielleicht nicht besser - aber effizienter. Und im Pokal ist das die einzige Statistik, die zählt."

Ein bisschen Glück, ein bisschen Wille, ein bisschen Wahnsinn - die Herzliya Yellows sind weiter. Und wer sie so jubeln sah, ahnte: In Herzliya träumt man längst vom Pokal.

Oder, wie es ein Fan beim Verlassen des Stadions formulierte, während er sich die Stimme rieb: "Wenn das das Viertelfinale war, brauch ich fürs Halbfinale Gehörschutz und Baldrian."

04.11.643987 16:53
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Aus der Ferne betrachtet ist es alles nur eine Frage der Distanz.
Klaus Toppmöller
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager