Haaretz Sports
+++ Sportzeitung für Israel +++

Herzliya Yellows siegen spät - Ramat HaSharon verzweifelt am eigenen Ballbesitz

Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob Ballbesitz wirklich glücklich macht. Ramat HaSharon hatte davon reichlich - über 53 Prozent, um genau zu sein -, am Ende aber standen die Gäste aus Herzliya mit einem 2:0-Sieg und breitem Grinsen auf dem Rasen. 36.621 Zuschauer sahen am 9. Spieltag der 1. Liga Israel ein Spiel, das lange nach einer zähen Nullnummer roch - bis die "Yellows" in den letzten Minuten zuschlugen.

Die Partie begann mit viel Hektik, wenig Präzision und einer frühen Gelben Karte für Ramat HaSharons Lionel Galindo (10.), der offenbar dachte, das Spiel ließe sich durch Körpereinsatz allein gewinnen. Trainer Joshua Douglas sprang an der Seitenlinie auf und ab wie ein Mann, der gerade erfahren hat, dass sein Lieblingskaffee ausverkauft ist. "Wir wollten kontrollieren, aber Kontrolle ist nicht gleich Gefahr", seufzte er später.

Herzliya dagegen kam über die Flügel - ganz im Sinne der taktischen Marschroute von Coach Kula Shaker, der seine Mannschaft konsequent auf "Wings" eingestellt hatte. Schon nach fünf Minuten prüfte Joseba Beto den jungen Torwart Roman Janocko, der mit einer spektakulären Parade glänzte. Es blieb nicht die letzte. Bis zur Pause feuerten die Yellows neun weitere Schüsse aufs Tor ab, doch Janocko stand wie ein Fels in der Brandung.

"Ich dachte, wir spielen gegen einen Torwart, keinen Oktopus", stöhnte Herzliyas Stürmer Daniel Ben nach dem Spiel. Der 26-Jährige sollte später noch eine entscheidende Rolle spielen.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild kaum: Ramat HaSharon hielt den Ball, Herzliya die Spannung. Die Gäste tauschten zur Pause gleich zweimal - Torhüter Joao Antunez kam für den jungen Rafael Tal, und Mosche Zorea ersetzte Dror Kashtan auf der rechten Abwehrseite. Eine Maßnahme, die Wirkung zeigte: Die Defensive stabilisierte sich, die Offensivaktionen wurden klarer.

In der 68. Minute sah Kamil Nawalka Gelb, was ihn offenbar eher beflügelte als bremste. Denn elf Minuten später war es Matan Ohayon, der nach feiner Vorarbeit von Daniel Ben den Bann brach. In der 79. Minute traf der 23-jährige Linksaußen flach ins lange Eck - 1:0 Herzliya. Der Jubel war ohrenbetäubend, selbst Trainer Shaker verlor kurz die Contenance und ließ sich zu einem kleinen Tänzchen hinreißen.

Kaum hatten die Yellows den Führungstreffer bejubelt, dezimierten sie sich selbst: Miroslav Pacanda sah nur eine Minute später Rot, nachdem er Galindo etwas zu leidenschaftlich im Zweikampf bearbeitet hatte. "Er hat mich kaum berührt", beteuerte Galindo später mit einem Grinsen, das den Verdacht weckte, dass er den Kontakt durchaus gespürt hatte.

Trotz Unterzahl stürmte Herzliya weiter. Der junge Tal Hanegbi, gerade einmal 18, bekam in der 91. Minute noch Gelb, aber auch der hatte vorher gezeigt, dass er keine Angst vor großen Momenten hat. In der sechsten Minute der Nachspielzeit servierte er eine punktgenaue Flanke auf - richtig geraten - Kamil Nawalka, der Innenverteidiger mit Offensivtrieb. Der Pole stieg höher als alle anderen und köpfte den Ball zum 2:0-Endstand ins Netz.

"Ich dachte, ich bin Verteidiger - aber manchmal muss man eben Verantwortung übernehmen", lachte Nawalka nach dem Spiel. Trainer Shaker nickte zufrieden: "Das war das Herz von Herzliya - stark, unerschütterlich, ein bisschen verrückt."

Ramat HaSharon dagegen blickte ratlos drein. Nur ein einziger Torschuss in 90 Minuten, und der kam von Hans Janssen in der 37. Minute - ein Schuss, der eher an einen Rückpass erinnerte. "Wir hatten die Kugel, aber keine Idee", fasste Douglas trocken zusammen.

Statistisch gesehen war es fast grotesk: Mehr Ballbesitz, aber 19 Torschüsse weniger. Herzliya spielte in Unterzahl, aber mit Überzeugung. Ramat HaSharon dagegen erinnerte an einen Autofahrer, der im Kreisverkehr vergessen hat, wo die Ausfahrt ist.

Während die Gäste ausgelassen vor ihren Fans feierten, schlich Douglas mit Händen in den Taschen vom Platz. Ein Reporter fragte, was er seiner Mannschaft nun sage. "Vielleicht", murmelte er, "dass man Tore nicht mit Prozentzahlen schießt."

Und so bleibt als Fazit: Die Yellows haben nicht nur das Spiel gewonnen, sondern auch das Publikum. Herzliya zeigte, was Effizienz bedeutet - und Ramat HaSharon lernte, dass Ballbesitz ohne Mut nur Statistik ist.

In der 1. Liga Israel also alles wie im echten Leben: Wer wagt, gewinnt. Und wer zögert, verliert. Oder, wie Trainer Shaker es zum Schluss formulierte: "Wir haben heute nicht schön gespielt - aber schön gewonnen."

30.08.643990 13:59
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