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Ein warmer Januarabend in Herzliya, 43.500 Zuschauer im Stadion, und die Luft vibrierte von Erwartung - und von jenen typischen Sonnenuntergangsgerüchen zwischen Falafel und Adrenalin. Am 17. Spieltag der 1. Liga Israel lieferten sich die Herzliya Yellows und die Ramat Gan Reds ein Spiel, das weniger ein Feinschmecker-Menü war, sondern eher eine deftige Portion Fußball-Eintopf: würzig, hart, mit gelegentlichen Klumpen. Am Ende stand ein 2:1-Sieg für die Gastgeber, der mehr von Willen als von Ballbesitz geprägt war. Dabei begann alles mit einem Paukenschlag. Schon in der 9. Minute fasste sich Miroslav Pacanda, der rechte Mittelfeldmann der Yellows, ein Herz. Nach Vorarbeit von Matan Ohayon drosch er die Kugel in die Maschen - nicht elegant, aber effektiv. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Pacanda später mit einem Grinsen zu, "aber der Ball hatte andere Pläne." Trainer Kula Shaker, sonst ein Freund der leisen Töne, klatschte an der Seitenlinie derart enthusiastisch, dass ihm fast die Sonnenbrille von der Stirn rutschte. Doch die Freude währte nicht lange. Ramat Gan, offensiv eingestellt und mit Pressinglust ausgestattet, drängte zurück. In der 30. Minute war es Jason Probst, gerade einmal 21 Jahre jung, der nach Pass von Massimiliano Di Paolo eiskalt vollstreckte. 1:1 - und das völlig verdient, bei einem Ballbesitzvorteil von 54 Prozent und einer erdrückenden Schussbilanz (16 Abschlüsse insgesamt). "Wir hätten zur Pause führen müssen", knurrte Reds-Coach John Porno, der seinem Namen an diesem Abend alle Mühe gab, nicht zum Boulevardthema zu werden. Die erste Halbzeit war geprägt von Hektik und gelben Karten: Tim Kolb sah früh Gelb (8.), Frideborg Lindblom (35.) und Pacanda (42.) folgten - drei Verwarnungen, die das Spiel würzten, ohne es zum Eintopf völlig anbrennen zu lassen. Nach dem Seitenwechsel reagierte Shaker: Er brachte Bruno Albinana im Sturm und Mosche Zorea als frischen Außenverteidiger. "Ich wollte mehr Wucht im Angriff und weniger Nervenflattern hinten", erklärte der Coach später trocken. Ramat Gan wechselte derweil den Torwart - der 18-jährige Haim Hasson feierte sein Debüt, nachdem Otto Uggla wohl mit einer Zerrung raus musste. Die zweite Halbzeit war dann ein zähes Ringen. Herzliya stand tief, verteidigte mit Leidenschaft, während Ramat Gan anlief, als ginge es um die letzte Busverbindung nach Hause. Doch in der 72. Minute geschah das, was den Fußball so herrlich unvorhersehbar macht: Frideborg Lindblom, sonst Abwehrchef, schlug einen dieser seltenen, fast poetischen langen Bälle. Wladimir Larionow startete, nahm die Kugel an, drehte sich - und vollendete trocken zum 2:1. Ein Tor aus dem Nichts, ein Moment, der das Stadion explodieren ließ. "Ich dachte, er flankt den Ball auf die Tribüne", witzelte Mitspieler Albinana später. Larionow selbst sagte mit todernster Miene: "Ich hatte Hunger - auf ein Tor." Die letzten 20 Minuten waren dann purer Überlebenskampf. Die Yellows, jetzt im Defensivmodus, warfen sich in jeden Ball, während Ramat Gan verzweifelt anrannte. Vor allem der eingewechselte Jigael Scharanski prüfte in der 87. Minute Keeper Joao Antunez, doch der reagierte glänzend. Zwei Minuten später schepperte es noch einmal am Aluminium - wieder Probst, diesmal mit zu viel Wut im Fuß. Statistisch gesehen hätten die Reds dieses Spiel wohl gewinnen müssen: mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, mehr Pässe, weniger Glück. Doch Fußball ist eben kein Statistikseminar, sondern ein Theaterstück mit unberechenbaren Hauptdarstellern. Herzliya hatte weniger vom Spiel, aber mehr vom Ergebnis. Nach dem Abpfiff lieferten beide Trainer das passende Nachspiel. "Manchmal ist ein 2:1 schöner als ein 5:0 - es riecht nach Arbeit", sagte Kula Shaker und zündete sich genüsslich eine Siegeszigarette an. John Porno hingegen schnaubte: "Wir haben gegen eine Mauer gespielt. Und die Mauer hatte Stollen an." Die Fans der Yellows feierten noch lange nach dem Schlusspfiff, sangen, tanzten, träumten vom internationalen Geschäft. Und irgendwo im Tunnel soll man Pacanda murmeln gehört haben: "Wenn jeder Flankenversuch ein Tor wäre, wäre ich Torschützenkönig." So bleibt vom Abend: Herzliya Yellows mit einem hart erkämpften Sieg, Ramat Gan Reds mit leerem Blick und vollem Statistikbogen. Und die Erkenntnis, dass Fußball manchmal einfach nur ein Spiel ist, bis jemand wie Larionow beschließt, es zu entscheiden. 23.07.643987 11:22 |
Sprücheklopfer
Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
Felix Magath