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Es gibt Fußballabende, an denen man sich fragt, warum man die erste Halbzeit überhaupt gespielt hat. So einer war der 30. Spieltag in Herzliya. 43.500 Zuschauer sahen zunächst 45 Minuten gepflegten Leerlauf - und dann eine zweite Hälfte, die die "Yellows" in ein gelb leuchtendes Feuerwerk verwandelte. Am Ende stand ein klares 3:0 gegen Kiryat Shmona Red, und Trainer Kula Shaker grinste nach dem Schlusspfiff so breit, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Wir haben einfach weitergemacht, was wir uns vorgenommen hatten - nur diesmal halt mit Toren", sagte Shaker danach, während er sich demonstrativ den Staub von seinem schwarzen Anzug klopfte. Dabei hatte es lange nicht danach ausgesehen. Die Gäste aus Kiryat Shmona begannen mit 54 Prozent Ballbesitz, ließen den Ball laufen, als wollten sie einen Schönspielpreis gewinnen. Nur: Chancen blieben Mangelware. Drei harmlose Torschüsse in der ersten Hälfte, zwei davon von Rafael Esteve, der sich in der 36. Minute den Ball zurechtlegte und offenbar den Fangzaun treffen wollte. Herzliya dagegen biss. Aggressiv, kompromisslos, manchmal auch ein bisschen übermotiviert - was die Gelben Karten für Yaniv Naphtali (6.) und Jose Peyroteo (11.) belegten. "Ja, wir waren heiß", grinste Rechtsverteidiger Peyroteo nach dem Spiel. "Vielleicht zu heiß. Der Schiri meinte, ich solle runterkühlen. Ich habe ihm gesagt: ’Mach du mal 90 Minuten gegen diese Flügelläufe, dann reden wir weiter.’" Nach der Pause wechselte Shaker gleich doppelt: Torwart Joao Antunez kam für den jungen Rafael Tal, und auf der linken Seite ersetzte Matan Ohayon den gelb vorbelasteten Naphtali. Und plötzlich war da Bewegung, Tempo, Mut. In der 51. Minute fiel die Erlösung: Mosche Zorea sprintete die rechte Linie entlang, flankte millimetergenau in den Strafraum - und Pauel Cure köpfte wuchtig zum 1:0 ein. Das Stadion explodierte. "Ich hab’ nur gesehen, dass der Ball kommt, und dann hab’ ich einfach den Kopf hingehalten", beschrieb Cure später. "Zum Glück war’s der richtige Moment - und der richtige Kopf." Nur fünf Minuten später legte Agemar Oliveira nach. Eine butterweiche Hereingabe von Peyroteo, ein kurzer Blick, ein präziser Schlenzer - 2:0. Oliveira, 33 Jahre jung und ein erfahrener Linksfuß, rannte jubelnd zur Trainerbank, formte mit den Händen ein Herz. "Das war für meine Tochter, die heute zum ersten Mal im Stadion war", erklärte er später. Und fügte augenzwinkernd hinzu: "Sie meinte, ich soll mal zeigen, dass ich noch Tore schießen kann. Auftrag erfüllt." Kiryat Shmona taumelte, der Ballbesitz blieb zwar auf Seiten der Gäste, aber die Ideen waren verschwunden. Trainer Miron Kusin stand an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, der Blick leer. "Wir haben dominiert - auf dem Statistikblatt", seufzte er hinterher. "Aber Fußball wird ja leider immer noch auf dem Platz entschieden." In der 64. Minute schließlich der endgültige Knockout: Matan Ohayon, gerade erst eingewechselt, setzte sich links stark durch, legte quer - und wieder war es Pauel Cure, der mit einem trockenen Abschluss das 3:0 besorgte. Doppelpack. Die Fans sangen, die Sonne war längst untergegangen, aber Herzliya leuchtete trotzdem. Was folgte, war Schaulaufen und Zeitmanagement: Gelbe Karte für Oliveira (67.), ein harmloser Versuch von Slaven Labak für die Gäste (72.), noch ein paar Verzweiflungsschüsse - und dann der Schlusspfiff. Statistisch betrachtet war’s fast absurd: 45,8 Prozent Ballbesitz für Herzliya, aber 17 Torschüsse gegenüber nur fünf der Gäste. Effektivität in Reinkultur. "Manchmal musst du den Gegner den Ball haben lassen, damit er sich selber müde spielt", grinste Shaker, der sich an der Seitenlinie mehr über verpasste Einwürfe aufregte als über Fouls. "Und dann, wenn er denkt, er hat alles im Griff - zack, erwischt du ihn." Und wie. Kiryat Shmona, das mit vier Gelben Karten und null Toren abreiste, wird sich fragen, wie man so viel Spielkontrolle in so wenig Zählbares verwandelt. Herzliya dagegen darf weiter träumen - vom internationalen Geschäft, vom Titel, oder einfach vom nächsten Sonntag, an dem sie wieder ihre Flügel ausbreiten können. "Wenn wir so weiterfliegen", sagte Doppeltorschütze Cure beim Verlassen des Stadions, "dann brauchen wir bald gar keinen Rasen mehr." Ein bisschen Übermut? Vielleicht. Aber nach so einem Abend darf man ruhig ein paar Zentimeter über dem Boden schweben. 01.01.643988 11:14 |
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Ich laufe in einer Stunde so viel wie andere Arbeitnehmer in acht.
Mario Basler