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Ein Abend in Herzliya, an dem selbst die Möwen über dem Stadion von der Zielstrebigkeit der Yellows beeindruckt gewesen sein dürften. 43.500 Zuschauer sahen im heimischen Stadion eine erste Halbzeit, die nach gerade einmal zwölf Minuten praktisch entschieden war. Die Heimelf, trainiert von Kula Shaker, startete mit einem Feuerwerk und beendete die Partie mit einem verdienten 3:0 über erschreckend harmlose Petah Reds. Bereits in der 8. Minute klingelte es erstmals im Kasten von Diego Aguas. Der Schlussmann der Reds hatte bis dahin eigentlich noch keinen Ballkontakt - außer dem, den er aus dem Netz fischte. Bruno Albinana, der bullige Mittelstürmer der Yellows, schob nach glänzender Vorarbeit von Rechtsverteidiger Jose Peyroteo eiskalt ein. Nur vier Minuten später legte derselbe Albinana nach, diesmal nach einem präzisen Pass von Connor Thuringer. 2:0 - und das Publikum sang schon vom Titel. Als Daniel Ben in der 34. Minute nach einer butterweichen Flanke von Matan Ohayon das 3:0 erzielte, war auch der letzte Optimist im Gästeblock verstummt. "Wir haben sie einfach nicht ins Spiel kommen lassen", grinste Ben nach dem Abpfiff. "Bruno war heute wie ein Stier auf Espresso." Die Statistik untermauerte das Geschehen: 22 Schüsse auf das Tor für die Yellows, kein einziger für die Reds. Ja, kein einziger. Der Notizzettel des Herzliya-Torwarts Rafael Tal blieb so sauber wie seine weißen Handschuhe. Ballbesitz? 51 zu 49 Prozent - aber das täuscht. Während die Yellows mit kurzen Pässen und klaren Ideen das Spiel bestimmten, schoben die Reds den Ball vor allem quer und zurück. Trainer Kula Shaker wollte nach Abpfiff nicht in Euphorie verfallen, konnte sich aber ein verschmitztes Lächeln nicht verkneifen: "Wir haben offensiv gespielt wie eine Jazzband - frei, aber mit Struktur. Und Bruno hat den Rhythmus angegeben." Die Gäste aus Petah dagegen wirkten wie eine Schulmannschaft, die versehentlich im Profibereich gelandet war. Ihr Trainer, dem sichtlich der Humor vergangen war, kommentierte nur trocken: "Wir hätten auch bis morgen früh weiterspielen können, ein Torschuss wäre trotzdem nicht gefallen." Tatsächlich schien seine Mannschaft nach dem frühen Rückstand den Glauben zu verlieren. Esterina Benayoun, die junge Rechtsverteidigerin der Reds, sammelte zunächst eine Gelbe Karte (20.) und verabschiedete sich in der 79. Minute nach Gelb-Rot. Ein passendes Symbol für einen Abend, an dem Petah in jeder Hinsicht zu spät kam. In der zweiten Halbzeit verlegte sich Herzliya auf Verwaltungsarbeit. Shaker zog seine Truppe in eine defensive Grundordnung zurück - wohl weniger aus Respekt vor dem Gegner, sondern um Kräfte zu sparen. "Wir haben das Spiel schon in der ersten Halbzeit gewonnen", meinte Kapitän Peyroteo, der auf dem Weg in die Kabine noch Autogramme schrieb. "Da kann man sich auch mal auf die Defensive besinnen." Kleine Randnotiz: Der 18-jährige Tal Hanegbi, zur Pause eingewechselt, holte sich gleich in der 66. Minute seine erste Gelbe Karte im Profifußball ab - "Erinnerung fürs Familienalbum", wie er später lachend sagte. Das Publikum genoss den lauen Abend, applaudierte bei jeder gelungenen Ballstafette und verabschiedete die Mannschaft mit stehenden Ovationen. Es war eine dieser Partien, die kein Herzliya-Fan so schnell vergisst: dominant, spielfreudig, mit einem Hauch Arroganz - aber der sympathischen Sorte. Am Ende stand ein 3:0 (3:0), das so klar war, wie es klingt. Die Yellows bleiben damit auf Kurs im oberen Tabellendrittel der 1. Liga Israel, während die Reds wohl noch lange grübeln werden, wie man ein Spiel ohne Torschuss überhaupt bestreiten kann. Oder wie es Bruno Albinana, der Mann des Abends, später in die Kameras sagte: "Wir wollten heute zeigen, dass Gelb nicht nur eine Farbe, sondern eine Haltung ist." Ein Satz, den man in Herzliya vermutlich noch eine Weile zitieren wird. 11.08.643993 05:51 |
Sprücheklopfer
Das Gegentor fiel zum psychologisch ungünstigsten Zeitpunkt. Aber man muss an dieser Stelle auch einmal die Frage stellen, ob es Gegentore gibt, die zu einem psychologisch günstigen Zeitpunkt fallen.
Christoph Daum