// Startseite
| Haaretz Sports |
| +++ Sportzeitung für Israel +++ |
|
|
|
Es war einer dieser Abende, an denen Fußballromantiker und Statistikfreunde gleichermaßen auf ihre Kosten kamen. 43.500 Zuschauer im ausverkauften Nationalstadion von Tel Aviv sahen ein Pokalfinale, das erst nach 70 Minuten so richtig explodierte - und am Ende mit einem 3:1-Sieg der Herzliya Yellows endete. Trainer Kula Shaker, sonst eher ein Mann der trockenen Analyse, grinste nach dem Abpfiff nur: "Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen einfach mal anfangen, Fußball zu spielen." Gesagt, getan. Dabei sah es zu Beginn ganz und gar nicht nach Gelb aus. Die Ramat Gan Reds, geführt von dem stets leidenschaftlich gestikulierenden John Porno (ja, der Name sorgt immer wieder für Heiterkeit auf den Pressetribünen), legten los wie die Feuerwehr. Schon nach einer Viertelstunde tanzte Cesar Varela auf der rechten Seite den verdutzten Clausen aus, bekam den Ball von Youngster George Crawford zurück - und zimmerte die Kugel trocken ins lange Eck. 0:1. Herzliya wirkte konsterniert, Shaker kaute an seiner Wasserflasche. Die Reds dominierten fortan Ball und Gegner - 53 Prozent Ballbesitz, 17 Torschüsse insgesamt -, doch die Effizienz blieb auf der Strecke. Wieder und wieder scheiterte der auffällige Jozef Lecjaks am glänzend reagierenden Keeper Joao Antunez. "Ich dachte, der hat acht Arme", stöhnte Lecjaks nach dem Spiel. Herzliya hingegen lauerte, wie es sich für eine Mannschaft gehört, deren Taktikzettel das Wort "Konter" in Großbuchstaben trägt. Doch bis zur Pause blieb alles Stückwerk: Bruno Albinana schoss aus allen Lagen, aber vorzugsweise daneben, und Carl Mendes wirkte, als hätte er seine Schuhe vertauscht. 0:1 zur Halbzeit, und auf der Tribüne begannen die ersten Fans schon, das Wort "Finalfluch" zu murmeln. Doch dann kam Minute 71. Und mit ihr Valentin Hreidarsson, der isländische Mittelfeldmotor mit der Eleganz eines Betonmischers, aber der Schusstechnik eines Uhrmachers. Nach feinem Zuspiel von Jose Peyroteo fackelte er nicht lange - 1:1. Das Stadion bebte, und plötzlich waren die Yellows hellwach. Zwei Minuten später folgte die Szene des Abends: Carl Mendes legte den Ball blind nach rechts, wo Connor Thuringer heranrauschte und den Ball aus spitzem Winkel ins Netz drosch. 2:1, die Yellows führten, und Shaker tanzte an der Seitenlinie, als wäre er wieder 25. "Ich hab’ nur versucht, die Jungs aufzuwecken", grinste er später. Und als die Reds noch versuchten, Ordnung in ihr Chaos zu bringen, war es Tiago Antonio, der mit einem Schlenzer aus 20 Metern in Minute 74 den Deckel draufmachte. Vorlage von Alexander Williamson, Tor des Monats-Verdächtiger. Drei Tore in vier Minuten - das muss man erstmal sacken lassen. In der Schlussphase versuchten die Reds noch einmal, den Anschluss zu erzwingen. Trainer John Porno schickte den 18-jährigen Xabier Nene aufs Feld, der prompt in den Strafraum wirbelte wie eine Kaffeetasse in der Spülmaschine. Doch das Tor fiel nicht mehr. Stattdessen sah Matan Rosenthal in der 89. Minute Gelb - sinnbildlich für die Frustration seines Teams. Die Statistik zeigt: mehr Ballbesitz für die Reds, mehr Tore für die Yellows. Und das ist bekanntlich die Statistik, die zählt. Herzliya hatte am Ende 16 Torschüsse, Ramat Gan 17 - aber drei davon landeten eben im Netz des Pechvogels Otto Uggla, der trotz guter Paraden am Ende nur noch ins Leere blickte. "Wir haben uns selbst geschlagen", meinte Ramat-Gans Trainer Porno nachdenklich. "Drei Minuten Schlaf, und du verlierst den Pokal." Sein Kollege Shaker konterte trocken: "Dann hätten Sie halt Kaffee trinken sollen." Als der Schlusspfiff ertönte, lagen sich die Yellows in den Armen, während von der Tribüne gelbe Rauchfackeln aufstiegen. Valentin Hreidarsson wurde zum Spieler des Spiels gewählt - und murmelte bescheiden: "Ich wollte eigentlich nur nicht wieder in die Verlängerung." Und so endet ein Finale, das in die Annalen eingehen dürfte: nicht als taktisches Meisterstück, sondern als Lehrbuchbeispiel dafür, dass Fußball manchmal einfach verrückt ist. Drei Tore in vier Minuten, ein Trainer mit Humor, ein Gegner, der sich fragt, wie das passieren konnte. Oder, wie ein Herzliya-Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wir haben 70 Minuten geschlafen - und trotzdem gewonnen. Das nenn’ ich Effizienz." Und wer weiß - vielleicht tanzt Kula Shaker heute Nacht noch immer. 26.09.643993 01:50 |
Sprücheklopfer
Es war toll, es war klasse, es war wie ein Albtraum.
Torsten Legat nach einem hohen Heimsieg