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38.000 Kehlen brüllten, als der Ball in der 92. Minute über die Linie hüpfte - allerdings nicht für die Gastgeber. Maccabi Haifa verlor am dritten Spieltag der 1. Liga Israel mit 2:3 gegen die Herzliya Yellows, nachdem alles schon nach einem Heimsieg ausgesehen hatte. "Das war wie ein schlechter Witz", knurrte Haifas Trainer David Goldmann nach dem Schlusspfiff. "Wir haben das Spiel kontrolliert - und dann schenken wir es her." Dabei hatte die Partie furios begonnen. Kaum waren die grünen Sitzschalen richtig besetzt, schlug Herzliya eiskalt zu. In der fünften Minute zog Miroslav Pacanda nach Vorlage von Tiago Antonio trocken ab - 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten, der Ball wollte rein", erklärte der 27-jährige Flügelspieler später mit einem Grinsen, das selbst die Haifa-Fans kurz beeindruckte. Doch Maccabi reagierte wie eine Mannschaft, die sich auf eigenem Rasen nichts gefallen lässt. In der 16. Minute legte der quirlige Diego Espriu von links auf Levi Goldmann ab - der Namensvetter des Trainers traf flach ins Eck. Das Stadion bebte, und es roch nach einer heißen Nacht am Mittelmeer. Acht Minuten später dann die Wende: Der 17-jährige Jitzchak Tal, der schon in der Jugend als Wunderkind gilt, verwandelte die Vorlage von Rechtsverteidiger Haim Pizanti eiskalt zum 2:1. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht", sagte Tal später schüchtern. "Ehrlich gesagt, ich dachte, ich steh im Abseits." Die erste Halbzeit gehörte Haifa, das mit offensivem Pressing (laut Statistik 11 Torschüsse) und starkem Einsatz spielte. Herzliya versuchte, über die Flügel zu kontern, blieb aber meist in der Abwehrreihe hängen. Trainer Kula Shaker, der an der Seitenlinie gewohnt lässig in seinem gelben Sakko stand, wirkte dennoch unbeeindruckt. "Ich habe der Mannschaft gesagt: Lasst sie rennen, irgendwann wird’s heiß da oben", erzählte er später mit einem Augenzwinkern. Nach der Pause wurde das Spiel ruppiger. Herzliyas Antonio sah schon in der 11. Minute Gelb, in der zweiten Hälfte tat es Haifas Pizanti ihm gleich. Die Yellows erhöhten nun den Druck, stellten auf Kurzpassspiel und offensives Pressing um - laut Taktikdaten ein klares Zeichen: Jetzt oder nie. Bruno Albinana kam nach der Halbzeit für Joseba Beto und brachte frischen Schwung. Der Spanier wirbelte die Abwehr durcheinander, doch Haifas Keeper Haim Amir hielt zunächst alles fest, was auf ihn zuflog. Bis zur 88. Minute. Wieder war es Antonio, der den Ball in den Strafraum chipte, und Albinana drosch ihn aus kurzer Distanz ins Netz. 2:2 - ausgerechnet in der Phase, in der Haifa nur noch auf Zeit spielte. Trainer Goldmann war außer sich: "Wir haben aufgehört zu laufen, als ob 88 Minuten reichen." Doch das Drama war noch nicht vorbei. In der Nachspielzeit stürmte Herzliyas Rechtsverteidiger Jose Peyroteo nach vorn, bekam den Ball von Alexander Williamson, und mit einem satten Schuss aus 20 Metern ließ er Amir keine Chance. 92. Minute, 2:3. Es war der Moment, in dem 37.844 Zuschauer gleichzeitig den Atem anhielten - und dann entweder jubelten oder verzweifelten. Maccabi Haifa warf noch einmal alles nach vorne, selbst Torhüter Amir rannte bei einer Ecke in der 94. Minute in den Strafraum. "Ich dachte, vielleicht kann ich was machen - oder wenigstens jemanden irritieren", lachte er später selbstironisch. Doch der Ausgleich blieb aus. Am Ende hatten beide Teams beinahe gleich viel Ballbesitz (49,3 % zu 50,6 %), doch die Effizienz sprach klar für Herzliya. Drei der acht Torschüsse fanden ihr Ziel - Maccabi traf nur zweimal bei elf Versuchen. Und so stand auf der Anzeigetafel ein Ergebnis, das keiner in Haifa so schnell vergessen wird. "Wir haben gezeigt, dass wir bis zur letzten Sekunde glauben", jubelte Herzliyas Coach Shaker, während seine Spieler in der Kurve tanzten. Levi Goldmann dagegen stapfte wortlos in die Kabine. Nur ein klirrendes Geräusch aus der Nähe der Trainerbank verriet später, dass eine Wasserflasche die Niederlage ebenfalls nicht unbeschadet überstand. Ein Spiel, das alles hatte: Teenager-Tor, späte Wende, und ein Verteidiger als Held. Fußball kann grausam sein - aber manchmal ist er auch einfach großartig. 02.07.643990 10:29 |
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