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42.216 Zuschauer in Herzliya sahen am Samstagabend ein Spiel, das mit einem Paukenschlag begann, sich dann lange in taktischem Geplänkel verlor - und schließlich mit einem späten Aufschrei endete. Am Ende stand es 1:1 zwischen den Herzliya Yellows und den Tel Aviv Blues, ein Ergebnis, das beiden Trainern den Puls hochtreiben, aber keinem der beiden wirklich gefallen dürfte. Bereits nach zehn Minuten rieben sich die Fans der Yellows die Augen: Noah Brongniart, der flinke Rechtsaußen der Blues, tauchte nach einem präzisen Zuspiel von Caio Martins plötzlich allein vor Keeper Joao Antunez auf und schob eiskalt ein. "Ich dachte erst, er will flanken", grinste Brongniart nach dem Spiel. "Aber dann war der Ball schon drin - und ich war selbst überrascht, dass der Keeper nicht mal gezuckt hat." Die frühe Führung der Gäste brachte die Hausherren völlig aus dem Konzept. Herzliya-Coach Kula Shaker, sonst für seine stoische Gelassenheit bekannt, sprang nach dem Gegentor wie von der Tarantel gestochen an der Seitenlinie auf. "Wir haben uns den Anfang anders vorgestellt", knurrte er später. "Vielleicht hätten wir uns vorher daran erinnern sollen, dass ein Spiel nicht erst in der 20. Minute beginnt." Doch die Yellows reagierten. Schon in der ersten Halbzeit feuerten sie eine ganze Batterie von Schüssen ab - Daniel Ben gleich mehrfach, Valentin Hreidarsson probierte es aus der Distanz, Connor Thuringer zirkelte knapp vorbei. 17 Torschüsse insgesamt, das war fast sechsmal so viel wie die Blues zustande brachten. Aber Zählbares sprang lange nicht heraus. Tel Aviv dagegen blieb gefährlich durch schnelle Umschaltmomente. Immer wieder suchten sie über Martins und den jungen Dylan Lachance den Weg nach vorn, ohne jedoch wirklich zwingend zu werden. Ihr Trainer, der sich nach Abpfiff demonstrativ anonym gab ("Ich bin kein Freund großer Namen, das Team spielt, nicht ich"), hatte seine Elf auf kontrolliertes, fast stoisches Abwarten eingestellt. 51 Prozent Ballbesitz zeugen von dieser ruhigen Art - und von der Bereitschaft, den Gegner kommen zu lassen. Nach dem Seitenwechsel versuchte Shaker, frischen Schwung zu bringen: Der 21-jährige Eyal Herzog kam für den blutjungen Gai Jadin, und mit ihm zog deutlich mehr Leben ins Mittelfeld. "Eyal hat das Spiel angezündet", lobte Mitspieler Thuringer später. "Er hat den Ball gefordert, ist dazwischengegangen, hat uns wachgerüttelt." Und tatsächlich - je länger das Spiel dauerte, desto mehr verlagerte sich das Geschehen in die Hälfte der Blues. Die Defensive um Adrian Bruhn stand zwar wacker, sammelte aber auch Verwarnungen: Bruhn selbst sah in der 79. Gelb, vorher hatte sich schon der 20-jährige Rechtsverteidiger Eustatius Van Dyck eine eingefangen, nachdem er Daniel Ben etwas zu energisch den Ball streitig machte. Dann, in der 82. Minute, die Erlösung: Eyal Herzog steckte den Ball wunderbar durch, Connor Thuringer zog von rechts in den Strafraum und traf mit einem trockenen Schuss ins lange Eck. Das Stadion explodierte - endlich Lohn für eine dominierende, wenn auch manchmal kopflose Vorstellung. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Thuringer später mit einem Grinsen. "Wenn du 80 Minuten lang danebenhaust, ist es statistisch irgendwann fällig." Kurz darauf wurde es noch einmal brenzlig, als Carl Mendes nach einem Zweikampf verletzt ausgewechselt werden musste. Ersatzmann Joseba Beto kam für die letzten Minuten, was allerdings mehr kosmetischer Natur blieb - der Ausgleich hatte die Kräfte beider Teams erschöpft. Die letzten Szenen gehörten wieder den Yellows, die bis zur 90. Minute durch Hreidarsson und Albinana noch zwei gute Chancen hatten, aber Tel-Aviv-Keeper Corey Morrison hielt stark. "Wir hätten heute gewinnen müssen", schnaubte Shaker in der Pressekonferenz, während er nervös an seinem Kaffeebecher drehte. "Aber wenigstens haben wir Charakter gezeigt. Und einen Punkt." Sein Gegenüber, der Blues-Coach, konterte trocken: "Wenn man 17 Schüsse zulässt und trotzdem nicht verliert, hat man wohl etwas richtig gemacht." So blieb es beim 1:1 - ein Ergebnis, das die Yellows zwar ärgert, aber in Erinnerung bleiben dürfte. Ein Abend voller Energie, Fehlpässe, Frust und Jubel - kurz: Fußball in seiner reinsten Form. Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Fan, der seit 30 Jahren jedes Heimspiel besucht: "Ich hab schon schlechtere Unentschieden gesehen." Man glaubt es ihm aufs Wort. 24.12.643990 07:30 |
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Peter Neururer