Haaretz Sports
+++ Sportzeitung für Israel +++

Herzliya lässt Führung liegen - Tirat Carmel siegt mit kalter Effizienz

Ein lauer Abend in Herzliya, 43.500 Zuschauer, ein Flutlicht, das selbst den Mittelmeerwind zum Flirren brachte - und am Ende ein Ergebnis, das die Heimmannschaft wohl noch eine Weile beschäftigen dürfte. Die Herzliya Yellows unterlagen am 33. Spieltag der 1. Liga Israel dem Tirat Carmel FC mit 1:2 (1:1). Es war ein Spiel, das zeigte, dass Ballbesitz weder Tore garantiert noch Nerven aus Stahl ersetzt.

Die Partie begann mit einer klaren Rollenverteilung: Herzliya versuchte, das Spiel zu kontrollieren, 52 Prozent Ballbesitz, gepflegtes Kurzpassspiel, während Tirat Carmel sich auf seine Flügel und das schnelle Umschalten verließ. "Wir wollten sie einlullen", sagte Gäste-Trainer Babsi Klemm später mit einem Schmunzeln, "aber dann haben wir gemerkt, dass sie gar nicht so leicht einzulullen sind."

Nach einer Viertelstunde hatten beide Teams schon einige Warnschüsse abgegeben, doch erst in der 27. Minute fiel das erste Tor - und es war ein Lehrbuchbeispiel für Effizienz: Der 17-jährige Tal Hanegbi, der sich erstmals in der Startelf zeigen durfte, legte mustergültig quer auf Bruno Albinana. Der Stürmer fackelte nicht lange und schob eiskalt zum 1:0 ein. Das Stadion tobte, Trainer Kula Shaker riss die Arme hoch, als wolle er gleich selbst eingewechselt werden. "Das war genau die Szene, die wir trainiert haben", sagte er später - und fügte grinsend hinzu: "Na gut, wir trainieren das eigentlich jeden Tag."

Doch wer glaubte, das Spiel würde nun in ruhigerem Fahrwasser verlaufen, wurde eines Besseren belehrt. Tirat Carmel zog das Tempo an, spielte mutiger über die Flügel. Besonders Rechtsaußen Sigurd Carlsen war kaum zu halten, rannte, dribbelte, schoss - und traf schließlich in der 40. Minute zum Ausgleich. Nach Vorarbeit von Bram Sleeper drosch Carlsen den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte. Keeper Joao Antunez streckte sich vergeblich. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Carlsen hinterher mit gespielter Unschuld.

Mit dem 1:1 ging es in die Pause, und die Gesichter in den Katakomben erzählten unterschiedliche Geschichten. Während Shaker seine Jungs zu beruhigen versuchte - "Wir haben das im Griff, Jungs, echt jetzt!" -, peitschte Klemm ihre Mannschaft zu mehr Mut an. Und siehe da: keine zehn Minuten nach Wiederanpfiff kippte das Spiel endgültig.

In der 58. Minute kombinierte sich Tirat Carmel über rechts durch. Verteidiger Ricardo Gutierrez, der ansonsten lieber hinten dichtmacht, setzte zu einem beherzten Lauf an, flankte präzise, und Rasmus Clausen vollendete volley zum 2:1. Ein Tor, das in seiner Eleganz so gar nicht zu der rustikalen Spielweise passte, die die Gäste sonst an den Tag legten.

Herzliya reagierte, wechselte doppelt: der junge Hanegbi musste für Matan Ohayon weichen, und Bruno Albinana wurde durch den erfahrenen Pauel Cure ersetzt. Doch der frische Wind blieb aus. Zwar schossen die Yellows insgesamt elfmal aufs Tor - unter anderem durch Cure (76.) und Zorea (86.) -, aber Tirat Carmels Torhüter Georg Danielsen stand wie eine Wand. "Ich hab einfach gehofft, dass keiner durch meine Beine schießt", grinste er nach dem Spiel.

In der Schlussphase wurde es dann noch hitzig. Robert Catalano sah in der 90. Minute Gelb, nachdem er den Ball etwas zu leidenschaftlich weggedroschen hatte. "Ich wollte Zeit schinden, nicht provozieren", sagte er - was wohl beides zutraf.

Statistisch betrachtet war es ein Duell auf Augenhöhe: 52 Prozent Ballbesitz für Herzliya, 15 Torschüsse für Tirat Carmel, 11 für die Gastgeber. Aber die Gäste hatten das, was man in der Fußballsprache "den Killerinstinkt" nennt.

Trainer Shaker zeigte sich nachdenklich: "Wir haben gut gespielt, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb." Sein Gegenüber Klemm konterte charmant: "Vielleicht nicht, aber heute waren wir die Jury."

Am Ende blieb den Herzliya-Fans nur der Trost, dass ihr Team gekämpft und nicht aufgegeben hatte. Der Applaus nach dem Schlusspfiff war ehrlich - und vielleicht ein Versprechen auf bessere Tage.

Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn sie so weiterspielen, gewinnen sie wenigstens die Herzen. Und vielleicht irgendwann auch wieder ein Spiel."

Ein bisschen Pathos, ein bisschen Ironie - und eine 1:2-Niederlage, die sich in Herzliya anfühlt wie ein ungeschriebenes Kapitel.

13.04.643990 16:27
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