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Ein einziges Tor kann genügen, um ein Stadion in Ekstase zu versetzen - und 43.295 Zuschauer im Tirat-Carmel-Stadion erlebten am Freitagabend genau das. Tirat Carmel FC besiegte die Petah Blues mit 1:0 (0:0) in einem Spiel, das lange Zeit an eine Schachpartie erinnerte - nur mit mehr Schweiß und weniger Bauern. Von Anfang an war zu spüren, dass Trainerin Babsi Klemm ihr Team offensiv eingestellt hatte. "Wir wollten zeigen, dass wir zu Hause keine halben Sachen machen", knurrte sie nach Abpfiff mit verschmitztem Lächeln. Und tatsächlich: Schon in der dritten Minute prüfte Hjalmar Dalgaard den Blues-Keeper Leandro Djalo mit einem satten Schuss - der erste von stolzen 20 Torschüssen der Gastgeber an diesem Abend. Die Petah Blues hingegen wirkten über weite Strecken so ausgeglichen wie ihr Taktikplan: "balanced", "balanced", "balanced" - und das in jeder Hinsicht. Vier Torschüsse in 90 Minuten sprechen eine klare Sprache: Wer nicht trifft, darf sich am Ende nicht wundern. Die erste Halbzeit verlief, nun ja, ereignisarm. Tirat Carmel kombinierte gefällig, fand aber keinen Weg durch die dicht gestaffelte Blues-Abwehr. Rahim Erkin versuchte es mal aus der Distanz (9., 23., 36.), mal aus der Drehung (49.), aber das Tor blieb wie vernagelt. Die Blues dagegen schienen mit dem 0:0 zur Pause hochzufrieden - und Trainer Ben-Haim (der sich nach dem Spiel nicht äußern wollte) sah aus, als würde er schon innerlich die Rückfahrt planen. Kurz vor dem Pausenpfiff gab’s immerhin etwas Farbe im Spiel: Gelb für Dalgaard nach einem rustikalen Einsteigen, später auch für Leah Joffe von den Blues. "Ich wollte nur zeigen, dass wir da sind", erklärte Joffe nach der Partie trocken. Zur zweiten Halbzeit brachte Babsi Klemm frisches Blut: Wojciechowski für Figo und Brill für den verwarnten Dalgaard. Ein Glücksgriff, wie sich später herausstellen sollte. Denn Brill war es, der in der 79. Minute die entscheidende Vorlage gab - ein beherzter Sprint über rechts, eine flache Hereingabe, und in der Mitte rauschte Ansgar Henriksson heran. Der Mittelfeldmotor nahm den Ball aus vollem Lauf und drosch ihn unter die Latte. 1:0! Das Stadion explodierte. Henriksson riss die Arme hoch, drehte eine Ehrenrunde und schrie in den Nachthimmel: "Endlich!" Später sagte er fast schüchtern: "Ich hab einfach draufgehalten. Und gehofft, dass der Ball nicht im Parkhaus landet." Von den Blues kam danach - fast erwartungsgemäß - wenig. Daniel Ben-Shushan hatte in der 75. Minute noch einen Schussversuch, Benjamin Liwni prüfte Tirats Keeper Georg Danielsen in der 90. Minute, aber das war’s. Die Blues wirkten müde, ideenlos, ja fast resigniert. Vielleicht lag’s an der Taktik, vielleicht am fehlenden Pressing. Vielleicht aber auch daran, dass Tirat Carmel in der Schlussphase plötzlich Pressing spielte, als wäre das Wort "hinten" aus dem Vokabular gestrichen. Statistisch sah das Ganze fast ausgeglichen aus: 49,6 Prozent Ballbesitz für Tirat Carmel, 50,4 für die Blues. Doch während die Gäste den Ball hauptsächlich quer bewegten, suchten die Hausherren zielstrebig den Abschluss. 20:4 Torschüsse sprechen für sich - oder, wie Trainerin Klemm es formulierte: "Manchmal braucht man viele Anläufe, bis die Tür aufgeht. Heute war’s die 19. oder 20." Ein kleiner Moment am Rande blieb den Zuschauern besonders im Gedächtnis: In der 75. Minute wurde Joel Cantwell ausgewechselt, sein Ersatzmann Sigurd Carlsen klatschte ihn ab - und Cantwell rief lachend: "Mach du’s besser!" Carlsen versuchte es prompt mit einem Schuss in der 91. Minute, doch statt ins Netz flog der Ball Richtung Hotdog-Stand. Die Szene brachte selbst Klemm zum Lachen: "Das war Pressing in der Gastronomiezone." So blieb es beim 1:0, das Tirat Carmel drei wichtige Punkte beschert. Die Fans sangen, die Spieler tanzten, und Henriksson wurde zum umjubelten Helden des Abends. "Wir haben heute nicht nur gewonnen, wir haben Charakter gezeigt", sagte Klemm zum Abschluss - und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Auch wenn ich beim nächsten Mal gern früher jubeln würde." Die Petah Blues dagegen müssen sich fragen, ob "balanced" wirklich die Antwort auf alles ist. Denn wer kein Risiko eingeht, bleibt eben manchmal einfach nur… im Gleichgewicht. Und so endete ein langer Abend in Tirat Carmel mit einem späten, aber verdienten Sieg - und der Erkenntnis, dass Fußball manchmal ganz einfach sein kann: Wer öfter aufs Tor schießt, hat irgendwann Glück. 30.08.643990 13:47 |
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