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Ein lauer Märzabend, Flutlicht in Hennef, 12.959 Zuschauer - und kaum hatte man sich die Stadionwurst richtig positioniert, da zappelte der Ball schon im Netz: Nach gerade einmal 60 Sekunden war es Ivica Dukic, der den SC Hennef im Liga-Pokal der 2. Liga auf die Siegerstraße brachte. 2:1 hieß es am Ende gegen den TuS Hordel, doch das Ergebnis verrät nur die halbe Geschichte eines Spiels, das mit einem Paukenschlag begann und in hektischem Zittern endete. "Ich hab’ einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Dukic nach dem Spiel, während sein Trainer Giovanni Diaco im Hintergrund verzweifelt versuchte, seine Wasserflasche wiederzuschließen. "So früh wollte ich eigentlich gar nicht führen - das bringt nur Unruhe", kommentierte Diaco mit einem Augenzwinkern. Tatsächlich war Hennef von Beginn an hellwach - offensiv ausgerichtet, mit kurzen Pässen über die Flügel und erstaunlich wenig Pressing, als wolle man Hordel erst mal die Illusion lassen, mitspielen zu dürfen. Nach dem frühen 1:0 durch Dukic folgte eine halbe Stunde, in der Hennef den Ball laufen ließ, als sei er aus Porzellan. 53 Prozent Ballbesitz, 16 Torschüsse insgesamt - die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Und Dukic hatte noch nicht genug: In der 43. Minute tauchte er erneut vor Hordels Keeper Jacob Montgomery auf und verwandelte souverän zum 2:0. Diesmal hatte Michel Mingo von links aufgelegt, und Dukic schob ein, als hätte er nie etwas anderes getan. "Ich hab gesehen, dass Ivica schon grinst, bevor er schießt", kicherte Mingo später in der Mixed Zone. "Da wusste ich: Der geht rein." TuS Hordel, unter der Leitung von Trainerin Ute Finkeldy, kam erst nach der Pause so richtig ins Spiel. Ihre Mannschaft verließ sich zunächst auf lange Bälle und schnelle Konter, doch die verpufften regelmäßig an der gut gestaffelten Hennefer Defensive. Erst in der 70. Minute gelang der Anschluss: Marvin Fink, bis dahin kaum auffällig, nutzte eine Unachtsamkeit in der Abwehr und drosch den Ball aus halbrechter Position unhaltbar ins Netz. "Da dachte ich, jetzt kippt’s vielleicht", gab Hennefs Torwart Noe Carreras später zu. "Aber dann fiel mir ein: Wir heißen ja nicht Schalke." Das Spiel wurde ruppiger. Gelb für Ewan MacDuff kurz vor der Pause, später auch für Verteidiger Jonathan Maes - Hennef kämpfte, Hordel rannte an. In der 87. Minute sah man Diaco wild gestikulierend an der Seitenlinie, als wolle er persönlich die Nachspielzeit verkürzen. Finkeldy dagegen stapfte energisch durch ihre Coaching-Zone und brüllte: "Hoch jetzt, Männer! Das hier ist kein Frühjahrsputz!" Taktisch blieb es interessant: Während Hennef weiter auf Flügelspiel und kontrollierten Aufbau setzte, stellte Hordel um auf volles Pressing - ab der 90. Minute stand sogar Innenverteidiger Luke Kinsella im gegnerischen Strafraum. Der Ausgleich blieb aber aus, auch weil Hennefs Torwart Carreras in der Nachspielzeit einen letzten Schuss von Dukic (diesmal versehentlich aufs eigene Tor, so schien es) artig zur Ecke klärte. "Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit verloren", resümierte Finkeldy nüchtern. "Und die zweite Halbzeit gewonnen - nur halt zu spät." Ihr Gegenüber Diaco fasste den Abend etwas anders zusammen: "Solange Ivica nicht verletzt ist, schlafe ich ruhig." Die Fans verließen das Stadion zufrieden - einige summten noch den alten Fangesang über Dukic, den "Magier von der Sieg". Man hatte wieder Spaß in Hennef, und das nicht nur wegen des Ergebnisses. Denn was das Publikum sah, war Fußball mit Witz, Willen und einem Schuss Chaos. Und so bleibt als Fazit: SC Hennef hatte mehr Ball, mehr Ideen, mehr Tore - und TuS Hordel den Trost, wenigstens ein spätes Lebenszeichen gesendet zu haben. Der Liga-Pokal geht weiter, und falls Dukic seine Form behält, könnte noch manch einer sagen: Gegen Hennef zu spielen ist wie ein Zahnarzttermin - tut weh, aber man weiß, dass es nötig war. Oder, um es mit Trainer Diaco zu sagen: "Ein 2:1 ist wie ein Espresso - kurz, stark, und man ist danach hellwach." 10.02.643994 14:57 |
Sprücheklopfer
Als wir die Kampagne vor vier Jahren begonnen haben, standen wir bei Null Komma Null Point Null Prozent.
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