Außenseiter
+++ Sportzeitung für Deutschland +++

Heinzes goldener Moment: RW Erfurt siegt knapp in Perl

Es war einer dieser nasskalten Februarabende, an denen man sich fragt, warum man nicht einfach zu Hause geblieben ist. Doch 2866 Unerschrockene fanden am 10. Spieltag der Oberliga H den Weg ins kleine Stadion der Kickers Perl - und sie wurden Zeugen eines Spiels, das in seiner Zähigkeit fast schon poetisch war. RW Erfurt gewann mit 1:0, ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber auf dem Platz einiges an Drama zu bieten hatte.

Von Beginn an suchten die Gäste aus Thüringen ihr Heil in der Offensive. Schon in der ersten Minute prüfte Carsten Lange den jungen Perl-Keeper Jan König mit einem satten Schuss - eine frühe Erinnerung daran, dass Erfurt nicht zum Kaffeekränzchen angereist war. Trainer Mario Pingel hatte seine Elf offensiv eingestellt, über die Flügel, wie es in den Notizblöcken der Taktikfüchse hieß. "Wir wollten Druck machen, aber ohne Hektik", sagte Pingel später. "Und dann hoffst du eben, dass einer wie der Volker mal seinen Fuß richtig hinhält."

Die erste Halbzeit verlief torlos, aber keineswegs ereignislos. Oskar Wilke, der 17-jährige Wirbelwind der Kickers, hatte gleich zwei Gelegenheiten kurz vor der Pause, doch Erfurts Keeper Jannick Fricke blieb nervenstark. Auf der anderen Seite sammelte sich RW vor allem Gelbe Karten - Lasse Brandt erwischte es in der 15. Minute, weil er mehr Ball als Gegner treffen wollte, aber das Schiedsrichtergespür sah das anders.

"Wir hatten mehr Ballbesitz, aber weniger Ideen", grantelte Kickers-Coach Daniel Baum nach dem Abpfiff. Tatsächlich sprachen die Zahlen für Perl: 53 Prozent Ballbesitz, acht Torschüsse. Nur - das Runde wollte ums Verrecken nicht ins Eckige.

Nach dem Seitenwechsel wurde es ungemütlich. Erst verletzte sich der junge Max Hanke, der bis dahin auf der linken Seite ordentlich Betrieb gemacht hatte. "Er hat einen Stich gespürt", so Baum, "hoffentlich ist es nichts Muskuläres - der Junge hat gerade erst angefangen, sich reinzuspielen."

Dann kam die 68. Minute, und mit ihr der Moment, der das Spiel entschied. Hermann Gebhardt, der Denker im Erfurter Mittelfeld, sah seinen Routinier Volker Heinze starten, steckte den Ball durch eine winzige Lücke, und Heinze - 35 Jahre, 200 Pflichtspiele auf dem Buckel - blieb eiskalt. Flach, präzise, unhaltbar. 0:1. Er hob nur kurz die Arme, als wollte er sagen: "Na endlich."

"Ich hab ihn einfach gespürt", grinste Heinze nachher. "Der Pass von Hermann war Zucker - und ich dachte mir: Wenn du den jetzt versemmelst, darfst du heute nicht in den Bus steigen."

Danach wurde es ein zähes Ringen. Perl warf alles nach vorn, Erfurt verteidigte mit allem, was nicht niet- und nagelfest war. Die Thüringer sammelten weiter Gelb wie andere Leute Briefmarken: Luis Albacar (54.), Diego Romero (78.), Oscar Hausmann (79.) - und schließlich flog Lasse Brandt in der 81. Minute mit Gelb-Rot vom Platz. Trainer Pingel schüttelte nur den Kopf: "Lasse wollte wohl zeigen, dass er noch Energie hat. Jetzt hat er nächste Woche frei."

Die Kickers drückten, besonders in der Schlussphase. Lewis Featherstone und Oskar Wilke hatten kurz vor Schluss noch zwei dicke Dinger (87., 88.), aber immer war ein Bein dazwischen. Als der Schlusspfiff kam, sank Keeper Fricke auf die Knie - nicht aus Erschöpfung, sondern aus Erleichterung.

"So Spiele gewinnst du nicht mit Schönheitspreisen, sondern mit Dreck an den Stutzen", sagte Gebhardt beim Verlassen des Platzes, während ein Perl-Fan von der Tribüne rief: "Wir hätten wenigstens einen Punkt verdient gehabt!" Und ganz Unrecht hatte er nicht.

Statistisch gesehen war es ein Duell auf Augenhöhe: 10:8 Torschüsse für Erfurt, fast ausgeglichene Zweikampfquote (50,4 % zu 49,5 %), und doch war da dieser eine Moment, der den Unterschied machte.

Trainer Baum nahm’s mit Galgenhumor: "Wenn wir so weiterspielen, müssen wir nur noch das Tor größer machen - oder Heinze verpflichten."

RW Erfurt klettert mit diesem knappen, aber verdienten Sieg weiter in der Tabelle, während Kickers Perl sich fragen muss, wie man so viel Ballbesitz in so wenig Zählbares verwandeln kann. Vielleicht lag’s am Wetter. Vielleicht auch daran, dass Fußball manchmal einfach ungerecht ist.

Und so verließen die Perl-Fans das Stadion mit kalten Füßen und warmen Herzen - immerhin hatten sie ein echtes Oberliga-Drama gesehen. Einer rief beim Hinausgehen: "Beim nächsten Mal schießen wir zwei!" Der Reporter neben mir murmelte: "Ja, aber hoffentlich ins richtige Tor."

03.10.643990 09:58
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Wenn es einmal hart auf hart kommt, kommt es meistens ganz hart.
Jens Jeremies
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager