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Wenn ein Spiel schon nach vierzehn Minuten entschieden scheint, weiß man, dass eine Mannschaft einen dieser Tage erwischt hat, an denen einfach alles funktioniert - und die andere einen jener, an denen man am liebsten vergessen würde, dass es Flutlicht gab. Der 1. FC Heidenheim feierte am 6. Spieltag der Regionalliga A ein 6:0-Schützenfest gegen den SV Linx, und 6 084 Zuschauer im Stadion an der Brenz konnten sich zwischendurch die Frage stellen, ob sie versehentlich bei einem Trainingsspiel gelandet waren. "Wir wollten offensiv beginnen - und haben es wohl etwas zu ernst genommen", grinste Heidenheims Trainer Tino Körber nach dem Abpfiff. In der Tat: Seine Elf spielte von Anfang an mit offenem Visier, 26 Torschüsse und satte 56 Prozent Ballbesitz sprechen eine deutliche Sprache. Der SV Linx kam auf drei harmlose Versuche - die meisten davon eher Rückgaben für Torwart Nelson Henrique, der vermutlich den ruhigsten Abend seiner Saison erlebte. Ein Blick auf den Spielverlauf zeigt, dass Heidenheim keinerlei Lust auf Spannung hatte. Schon in der 14. Minute eröffnete Werner Haase den Torreigen, nachdem Henri Ames mit einem butterweichen Pass die Abwehr der Gäste auseinandergenommen hatte. Haase, 23 Jahre jung und mit der Spritzigkeit eines Espresso doppio unterwegs, schlenzte den Ball über den chancenlosen Linx-Keeper Thomas Dietz ins Netz. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht - das war wohl das Geheimnis", sagte Haase später, während sein Trainer ihn grinsend tadelte: "Vielleicht sollte er öfter nicht nachdenken." In der 38. Minute traf Juriaan Ganesvoort zum 2:0, und kaum hatte Linx den Ball wieder angestoßen, klingelte es erneut - Haase legte in der 39. nach. Die Gäste wirkten zu diesem Zeitpunkt wie ein Boxer, der nach dem dritten Wirkungstreffer nur noch auf den Gong hofft. Doch Heidenheim hatte noch nicht genug: In der 43. Minute machte Ganesvoort seinen Doppelpack perfekt, diesmal nach Vorarbeit des unermüdlichen Benjamin Fairchild. Mit einem 4:0 zur Pause war die Messe gelesen, die Bratwurststände meldeten Rekordumsätze, und der eine oder andere Zuschauer soll bereits in der Halbzeit "Zugabe!" gerufen haben. Michal Dickschat, der Coach des SV Linx, sah das naturgemäß anders: "Wir wollten kompakt stehen, aber Heidenheim hat uns einfach nicht gelassen. Und wenn man dann noch drei, viermal den Ball verliert, bevor man die Mittellinie überquert, wird’s halt schwierig." Sein Team blieb auch in der zweiten Halbzeit tapfer, doch die Rollen waren verteilt: Heidenheim spielte, Linx hielt dagegen, so gut es ging. Ein wenig Farbe bekam die Partie durch mehrere Gelbe Karten - Heidenheims Mittelfeldmann Domingo Eusebio sah bereits in Minute 1 Gelb, offenbar wollte er sicherstellen, dass der Schiedsrichter ihn nicht übersieht. Später traf es auch Gudmund Lindström und Benjamin Fairchild, während auf Linxer Seite der junge Dieter Wagner mit 17 Jahren sein Debüt im Regionalliga-Gelben verzeichnete. In den Schlussminuten durfte das Publikum noch zweimal jubeln: Peter Schmid traf in der 88. Minute, wieder nach Fairchild-Vorlage, und in der Nachspielzeit machte Ganesvoort mit seinem dritten Treffer den halben Dutzend voll - diesmal bedient von Haase, der sich damit endgültig zum Spieler des Abends krönte. "Ich hätte Juriaan eigentlich schon rausnehmen wollen", verriet Trainer Körber augenzwinkernd, "aber er hat mich gebeten, noch fünf Minuten zu bleiben. Da hat er wohl geahnt, dass noch was geht." Ganesvoort lachte: "Ich wollte nur sicherstellen, dass Werner mir wenigstens einmal etwas zurückgibt." Mit einer Zweikampfquote von knapp 58 Prozent und einer Passquote, die selbst Pep Guardiola gefallen hätte (sofern er hinsah), spielte Heidenheim wie ein Team, das in dieser Liga wenig zu befürchten hat. Linx dagegen muss sich fragen, wie man nach einem solchen Abend wieder aufsteht. Coach Dickschat versprach kämpferisch: "Wir werden das analysieren - und beim nächsten Mal vielleicht auch den Ball mal länger als drei Sekunden behalten." Als die Flutlichter erloschen, stand ein 6:0 (4:0) auf der Anzeigetafel - ein Ergebnis, das selbst den Heimfans ein wenig leidtat. "Irgendwann will man ja auch Spannung", meinte ein Zuschauer mit Schal und Bierbecher, "aber wenn’s so läuft, beschwer ich mich nicht." Vielleicht bringt der nächste Gegner mehr Gegenwehr. Für den Moment aber darf Heidenheim träumen - und SV Linx hofft, dass Albträume auch irgendwann abklingen. Und falls jemand fragt, warum Heidenheim kein Pressing spielte: Offenbar war das gar nicht nötig. Wenn der Gegner nie aus der eigenen Hälfte kommt, kann man sich das Laufen schließlich sparen. 07.08.643990 08:00 |
Sprücheklopfer
Das ist doch nicht weltbewegend, wenn ich einen Neuville auf rechts habe, und der spielt halt auf Rechtsaußen. Und der Bode spielt links, das ist eben so - und der Bierhoff in der Mitte.
Olaf Thon zur Taktik von Erich Ribbeck