Fanatik
+++ Sportzeitung für Türkei +++

Hatayspor stürmt ins Pokal-Viertelfinale - Karsspor erlebt kalten Winterabend

Es war ein Pokalabend, wie ihn die Fans in Antakya lieben: Flutlicht, 16.000 Zuschauer, laute Trommeln - und ein Gegner, der kam, um Fußball zu spielen, aber leider vergaß, auch Tore zu schießen. Hatayspor besiegte Türkgücü Karsspor mit 3:0 (2:0) und zog souverän in die nächste Runde ein. Und das, obwohl die Gäste mehr Ballbesitz hatten. "Soll’n sie doch den Ball haben, wir nehmen lieber die Tore", grinste Hatayspors Torjäger Niels Arnold nach Abpfiff.

Dabei begann alles blitzschnell. Schon in der 5. Minute zappelte der Ball im Netz, als Siddik Kuru sich auf der rechten Seite durchtankte und nach einem feinen Pass von Aygün Kaynak trocken ins lange Eck traf. Karsspors Torwart Juan Alvar schaute dem Ball nur hinterher - vermutlich in der Hoffnung, er flöge vorbei. Tat er aber nicht. 1:0 Hatayspor, der Hexenkessel tobte.

Karsspor versuchte sich danach an gepflegtem Ballbesitzspiel, fast 59 Prozent standen am Ende auf dem Statistikzettel. Doch das war ungefähr so effektiv wie eine Wärmflasche im Schneesturm. Zwei Torschüsse in 90 Minuten - einer in der 4., einer in der 52. Minute - das reichte nicht einmal, um Hatayspors Keeper Robin Lorenz ins Schwitzen zu bringen. "Ich hab mir in der zweiten Halbzeit fast einen Tee gekocht", flachste der Torwart später.

In der 39. Minute schlug Hatayspor erneut zu. Diesmal war es der flinke Schaul Lieberman, der von Martin Rezek mustergültig bedient wurde und den Ball überlegt ins linke Eck schob. 2:0, und die Fans sangen schon vom Halbfinale, obwohl noch eine Halbzeit zu spielen war. Lieberman, mit einem Augenzwinkern nach dem Spiel: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber wenn’s ein Tor wird, beschwer’ ich mich nicht."

Trainer Akin Nasa von Türkgücü Karsspor stand derweil an der Seitenlinie mit verschränkten Armen und einem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen "Warum wir?" und "Wie erkläre ich das morgen der Presse?" schwankte. "Wir hatten den Plan, das Spiel zu kontrollieren", sagte Nasa später, "aber Kontrolle ohne Durchschlagskraft ist wie ein Auto ohne Motor."

Die zweite Halbzeit brachte keine Wende. Hatayspor spielte befreit auf, auch wenn der Ballbesitz weiter den Gästen gehörte. Doch jedes Mal, wenn Karsspor halbwegs gefährlich in die Nähe des Strafraums kam, stand da ein Verteidiger, der entschieden nein sagte. Besonders Göktürk Kafkas und der junge Yusuf Kiskanc räumten kompromisslos ab.

In der 58. Minute sah Karsspors Innenverteidiger Finlay Gariepy Gelb - vielleicht aus Frust, vielleicht weil er dachte, wenigstens die Farbe Gelb würde seinem Abend etwas Glanz verleihen. Und dann, als die letzten Minuten liefen und Hatayspor längst auf Verwaltungsmodus geschaltet hatte, sorgte Niels Arnold für den Schlusspunkt. In der 87. Minute rutschte ihm der Ball im Strafraum über den Spann - aber statt in den Nachthimmel flog er ins Tor. 3:0, Deckel drauf, Lichter aus.

"Wir wollten offensiv bleiben, egal was passiert", erklärte Hatayspors Trainer nach dem Spiel mit einem Lächeln, das man auch als stilles Selbstlob deuten konnte. Seine Mannschaft hatte zwar nur 41 Prozent Ballbesitz, aber satte 20 Schüsse aufs Tor. "Wenn du so oft draufhaust, geht irgendwann einer rein", meinte Siddik Kuru trocken. "Oder drei."

Türkgücü Karsspor verabschiedete sich damit ohne großen Widerstand aus dem Pokal - und vermutlich auch ohne bleibende Erinnerungen an diesen Abend. Nur Trainer Nasa blieb kämpferisch: "Wir nehmen das mit, wir lernen daraus." Ob er meinte, wie man Ballbesitz in Chancen umwandelt, ließ er offen.

Die Fans von Hatayspor dagegen feierten, als ginge es schon um den Titel. Pyros, Gesänge, Umarmungen - und ein Stadion, das noch Minuten nach Abpfiff bebte. Ein älterer Fan fasste es auf der Tribüne herrlich zusammen: "Wir hatten weniger Ball, aber mehr Spaß."

Am Ende standen also drei Tore, ein klarer Sieg und die Erkenntnis, dass Fußball keine Mathematik ist. Manchmal genügen ein paar beherzte Angriffe, ein bisschen Mut - und ein Siddik Kuru, der einfach macht.

Und während die Flutlichter langsam erloschen, summte ein Ordner leise vor sich hin: "3:0 - das klingt doch schöner als 58 Prozent Ballbesitz." Man konnte ihm schwer widersprechen.

04.06.643987 23:09
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Schiedsrichter kommt für mich nicht in Frage, schon eher etwas, das mit Fußball zu tun hat.
Lothar Matthäus auf die Frage, was er nach seiner Karriere plane
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager