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Ein lauer Abend in Kingston, 69.952 Zuschauer, ein Stadion in Gold und Blau - und ein Heimteam, das von der ersten Minute an klarmachte, wem die Nacht gehören sollte. Harbour View besiegte Highgate Town am 14. Spieltag der 1. Liga Jamaica souverän mit 2:0 (1:0) und hätte eigentlich noch Platz für ein drittes oder viertes Tor gehabt, wenn nicht der gegnerische Torwart William Dunbar einen dieser Tage erwischt hätte, an denen er sich am liebsten selbst applaudieren wollte. Schon nach zehn Minuten setzte Charlie MacAlister das erste Ausrufezeichen: ein Schuss aus spitzem Winkel, den Dunbar gerade noch so an den Pfosten lenkte. "Ich hab’ kurz überlegt, ob ich ihn einfach reinlasse - der Schuss war so schön", grinste der Keeper später. Doch Harbour View blieb dran, spielte schnörkellos über die Flügel, die Taktik des Trainers Dani Petrus: "Wings, wings, wings - und wenn’s nicht klappt, nochmal wings." Highgate Town dagegen startete mit Ambitionen, aber ohne Fortune. Stürmer Nael Maniche prüfte in der ersten Minute Harbour-Keeper Alexandre Silvestre, doch das war’s dann auch für lange Zeit mit ernsthaften Offensivaktionen. Die Gäste hatten am Ende nur drei Torschüsse - alle so harmlos, dass man fast meinte, sie wollten höflich fragen, ob sie überhaupt schießen dürfen. In der 41. Minute dann der verdiente Lohn für Harbour View: Georgi Asparuchow, der unermüdliche Motor im Mittelfeld, zog aus 20 Metern ab, der Ball flatterte, Dunbar sah ihn zu spät - 1:0. Die Vorlage kam von MacAlister, der später lachend meinte: "Eigentlich wollte ich selbst schießen, aber Georgi stand im Weg. Gut so." Mit dieser Führung ging es in die Pause, und während sich die Fans an den Grillständen mit Jerk Chicken eindeckten, tauschte Petrus gleich dreimal aus. Frisches Blut und noch mehr Tempo: Juanito Ordonez, Slatko Jowow und der 19-jährige Evan Musgrave kamen rein. Letzterer sollte sich bald als Glücksgriff erweisen. Denn in Minute 56 war es wieder MacAlister, diesmal selbst als Vollstrecker. Nach einem feinen Pass des jungen Musgrave zog der Routinier eiskalt ab - 2:0 und Jubel bis auf die Tribünen. "Evan hat mich gesehen, bevor ich ihn gesehen habe", schwärmte MacAlister. "So etwas nennt man Spielintelligenz - oder sehr gute Augen." Highgate-Trainer Friedrich Lechner wirkte an der Seitenlinie zunehmend ratlos. Seine Mannschaft hatte zwar nominell eine offensive Ausrichtung, aber auf dem Platz war davon wenig zu sehen. "Wir wollten mutig sein", sagte er nach dem Spiel, "aber Harbour View war einfach überall. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft MacAlister den Ball hatte." Die Statistik sprach Bände: 58,8 Prozent Ballbesitz, elf Torschüsse auf das gegnerische Tor und eine Zweikampfquote von fast 55 Prozent. Highgate kam auf drei Abschlüsse - und zwei Gelbe Karten. Die erste sah Caio Rocha nach einem ungeschickten Einsteigen, die zweite Daniel More, als er MacAlister noch kurz vor Schluss am Flügel zu Boden riss. "Ich wollte nur den Ball treffen", erklärte More. "Er war halt schneller als gedacht." In der 78. Minute dann noch ein Schreckmoment für Highgate: Hans De Graff musste nach einem Zweikampf verletzt raus. "Wahrscheinlich Oberschenkel", murmelte Lechner, "aber wenigstens haben wir jetzt eine Ausrede." Harbour View dagegen spielte die Partie routiniert runter. In den letzten Minuten schaltete das Team auf aktives Pressing um - nicht, weil es musste, sondern weil es konnte. Der Ball lief wie an der Schnur, die Fans sangen, und Trainer Petrus klatschte zufrieden in die Hände. "Wir haben heute gezeigt, dass Balance nicht langweilig bedeutet", sagte er mit einem Augenzwinkern. "Und dass Flügelspiel funktioniert, auch ohne Flügelheilige." Als der Schlusspfiff ertönte, stand ein ungefährdeter 2:0-Sieg auf der Anzeigetafel. Die Spieler von Harbour View feierten vor der Kurve, MacAlister posierte mit dem jungen Musgrave - Generationenwechsel in einem Bild. Highgate Town verließ das Stadion mit hängenden Köpfen, aber fairen Worten. "Manchmal ist der Gegner einfach besser", meinte Kapitän Bruno Costa, "und dann hilft auch kein Pressing von hinten mehr." Ein Abend, der in Kingston ganz nach dem Geschmack der Heimfans verlief: zwei Tore, kein Gegentreffer und jede Menge Unterhaltung. Oder wie ein Zuschauer beim Hinausgehen sagte: "Wenn Harbour so weiterspielt, brauchen wir bald ein größeres Stadion." Und wer weiß - vielleicht auch bald einen größeren Pokalschrank. 29.06.643987 01:15 |
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