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Ein Freitagabend unter Flutlicht, 44.610 Zuschauer im Stadion von Tirat Carmel, und die Luft knisterte vor Erwartung - doch was die Fans des Heimteams dann sahen, war eher ein Lehrfilm über effiziente Gäste. Hapoel Ramat PKI kam, sah und traf. Zwei Tore in zwei Minuten reichten, um Tirat Carmel FC beim 0:2 (0:2) das Lächeln zu rauben. Es begann eigentlich harmlos. Tirat Carmel, von Trainerin Babsi Klemm gewohnt offensiv eingestellt, versuchte das Spiel an sich zu reißen. "Wir wollten die ersten 15 Minuten dominieren", sagte Klemm später mit einem bitteren Lächeln. "Dummerweise waren es genau die 15 Minuten, in denen wir das Spiel verloren." Denn Hapoel Ramat PKI, unter Trainer Marco Maciadi taktisch wie immer diszipliniert und mit einer Prise Aggressivität (im besten Sinne), schlug eiskalt zu. In der 18. Minute zirkelte Adrian Garcia, der spanische Taktgeber im Mittelfeld, den Ball nach feiner Vorarbeit von Alfonso Djalo ins Netz. Tirat Carmels Keeper Jaime Ordono war chancenlos. Nur eine Minute später war wieder Alarm im Strafraum - diesmal zog Diego Travassos von links nach innen, bekam einen feinen Pass von Edvin Kolvidsson, und vollendete trocken zum 0:2. Zwei Szenen, zwei Tore, zwei Gesichter: hier Entschlossenheit, dort Verzweiflung. "Da dachten wir, das kann doch nicht wahr sein", murmelte Innenverteidiger Eugenio Conte nach Spielende. "Aber doch, es war wahr. Und zwar sehr." Conte war auch derjenige, der in der 60. Minute die Gelbe Karte sah - sinnbildlich für einen Abend, an dem Tirat Carmel immer einen Schritt zu spät kam. Die Statistik spricht Bände: 14 Torschüsse für Ramat PKI, nur 3 für Tirat Carmel. 55 Prozent Ballbesitz für die Gäste, die das Spiel kontrollierten, als hätten sie einen internen GPS-Tracker für jede Passlinie. Besonders auffällig: Alfonso Djalo auf der rechten Seite, der in der ersten Halbzeit mehr Kilometer machte als ein Lieferdienst am Samstagabend. Trainer Maciadi war entsprechend zufrieden: "Ich habe meinen Jungs gesagt: spielt sicher, spielt klug, und wenn ihr schießt, dann bitte mit Zielwasser. Es scheint, sie haben mich ausnahmsweise mal verstanden." Er lachte, und man merkte: Der Mann kann sich diesen Ton leisten. Tirat Carmel dagegen fand kaum Wege durch die kompakte Defensive von Hapoel. Kapitän Rahim Erkin versuchte in der 63. Minute mit einem beherzten Schuss aus der Distanz, das Spiel zu kippen - aber Hapoel-Keeper Simon Andresen pflückte den Ball lässig aus der Luft, als wäre es eine schlecht geworfene Orange. Auch Ivica Jovanovic (53.) und Bram Sleeper (76.) durften sich in die Kategorie "versuchte Torschüsse" eintragen, mehr aber auch nicht. In der 82. Minute dann noch eine Schrecksekunde für die Gäste: Linksverteidiger Shulamit Gurion verletzte sich nach einem unglücklichen Zweikampf und musste durch den jungen Patryk Hajto ersetzt werden. "Es zwickt ein bisschen, aber ich denke, ich bin bald wieder fit", gab Gurion später mit bandagiertem Knöchel zu Protokoll. Während die Minuten verrannen, blieb Hapoel gelassen. Kein wildes Pressing, kein hektisches Zittern - einfach solides Verteidigen. Und Tirat Carmel? Die wirkten, als hätten sie den Wecker auf die falsche Halbzeit gestellt. Besonders bitter: Der 17-jährige David Eban, der Hoffnungsträger im Sturm, hing völlig in der Luft. "Ich habe kaum den Ball gesehen", seufzte er. "Vielleicht war ich zu nah an der Mittellinie." Als der Schlusspfiff ertönte, brandete höflicher Applaus auf - teils für die Gäste, teils wohl aus purer Erleichterung, dass es nicht schlimmer gekommen war. Trainerin Klemm suchte nach Worten: "Wir haben uns viel vorgenommen, aber Fußball ist kein Wunschkonzert. Heute war Hapoel einfach wacher, zielstrebiger und, ja, besser." Ihr Blick wanderte kurz über das leere Spielfeld. "Aber wir kommen wieder. Und dann klingelt’s - hoffentlich im richtigen Netz." Ein sichtlich zufriedener Marco Maciadi konterte mit einem Augenzwinkern: "Ich habe Babsi gesagt, sie soll sich keine Sorgen machen. Das Rückspiel wird sicher spannender. Vielleicht." So bleibt als Fazit: Hapoel Ramat PKI war an diesem Abend schlicht zu abgezockt. Zwei Tore in der Anfangsphase, danach kontrollierte Routine - ein taktisches Lehrstück in Rot. Tirat Carmel FC dagegen steckt nach dem dritten Spieltag der 1. Liga Israel in der frühen Saisonfindung. Und die Fans? Die werden sich noch lange an diese 19 Minuten erinnern. Leider aus den falschen Gründen. 06.03.643987 06:15 |
Sprücheklopfer
Das ist absolut sekundär, ja tertiär, oder sogar quartiär!
Christoph Daum