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Ein lauer Januarabend in Ramat Gan, 55.542 Zuschauer im Stadion - und ein Spiel, das man so schnell nicht vergessen wird. Hapoel Ramat PKI zeigte am 20. Spieltag der 1. Liga Israel, warum sie derzeit zu den unterhaltsamsten Mannschaften des Landes gehören. Ein 5:1 gegen Tirat Carmel FC - mit Spielfreude, Tempo und einer kleinen Prise Spott gegenüber einem Gegner, der phasenweise wirkte, als habe er den Bus lieber vor dem Stadion geparkt als vor dem eigenen Tor. Schon nach zwölf Minuten ging es los: Eyal Mordechai, der heimliche Dirigent des Abends, steckte den Ball herrlich durch, und Argün Aslan, 23-jähriger Mittelstürmer mit der Schusstechnik eines Künstlers, vollendete eiskalt. "Ich hab einfach nicht nachgedacht - vielleicht war das das Geheimnis", grinste Aslan später. Tirat Carmel reagierte mit Schockstarre, und Hapoel nutzte das. In der 26. Minute legte Alfonso Djalo nach, wieder auf Vorlage von Mordechai. Und weil’s so schön war, traf Djalo neun Minuten später gleich noch einmal, diesmal nach einem butterweichen Pass von Jose Enrique Antunes. 3:0 nach 35 Minuten - Trainer Marco Maciadi klatschte an der Seitenlinie, als hätte er gerade den Champions-League-Pokal gewonnen. Doch kaum hatten die Fans das dritte Tor bejubelt, da meldete sich Tirat Carmel zurück. Joel Cantwell, einer der wenigen Lichtblicke des Abends für die Gäste, traf in der 36. Minute nach Vorlage von Ansgar Henriksson zum 3:1. "Wir wollten zeigen, dass wir auch kicken können", meinte Cantwell später, "aber Hapoel hat einfach nicht aufgehört zu laufen." Recht hatte er. Bis zur Pause dominierte Ramat PKI mit 58 Prozent Ballbesitz und 13 Torschüssen - Tirat Carmel kam in dieser Zeit auf ganze drei. Und doch blieb das Publikum gierig nach mehr. In der 68. Minute gab’s Nachschlag: Edvin Kolvidsson, der links so wirbelte, dass man ihm am liebsten ein eigenes Trikotnummern-System gegeben hätte, traf zum 4:1 - natürlich nach Vorlage von Eyal Mordechai. Der Mann hatte an diesem Abend mehr Assists als die meisten Mittelfeldspieler in einer halben Saison. Das 5:1 in der 81. Minute war dann reine Formsache - Alfonso Djalo komplettierte seinen Hattrick. Wieder war Antunes der Vorbereiter. "Ich hab einfach nur geschaut, wo er steht. Alfonso riecht Tore wie andere den Grillgeruch am Strand", sagte der Portugiese mit einem Lächeln. Während Hapoel in der Offensive glänzte, lief Tirat Carmel zunehmend planlos in die eigenen Räume. Trainerin Babsi Klemm wechselte in der 64. Minute gleich dreifach - unter anderem kam der Ersatztorhüter Edward Whitman für Stürmer Isidoro Oliveira. "Wir wollten das System umstellen", erklärte sie nach dem Spiel. "Manchmal muss man mutig sein." Mutig - oder verzweifelt, möchte man hinzufügen, denn ab diesem Moment hatte Tirat Carmel mehr Torhüter als Torchancen. Die Statistik sprach ohnehin Bände: 21 Schüsse aufs Tor für Hapoel, nur vier für die Gäste. 58 Prozent Ballbesitz, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die deutlich machten, dass der Sieg nicht nur schön, sondern hochverdient war. Gelbe Karten gab’s auch: Oscar Arias (8.) und Shulamit Gurion (34.) für Hapoel, Robert Catalano (76.) und Leandro Djalo (78.) für Tirat Carmel - ein bisschen Farbe für ein ohnehin buntes Spiel. Nach dem Spiel grinste Hapoel-Coach Marco Maciadi breit: "Ich hab gesagt, wir sollen offensiv spielen, aber dass sie so Gas geben, hat mich selbst überrascht. Ich hatte schon Angst, dass mir die Jungs in der Kabine durchdrehen." Sein Gegenüber Babsi Klemm nahm’s mit Galgenhumor: "Wenn man fünf Dinger kriegt, ist das kein schöner Abend. Aber wenigstens haben wir ein Tor geschossen - das ist ja auch was." Die Fans von Hapoel Ramat PKI feierten ihre Mannschaft minutenlang. "So macht Fußball Spaß", rief ein älterer Herr auf der Tribüne, während neben ihm jemand schon vom Titel träumte. Und wer weiß - mit dieser Spielfreude ist das vielleicht gar nicht so unrealistisch. Zum Schluss bleibt die Erkenntnis: Wenn Hapoel Ramat PKI in dieser Form weitermacht, wird’s für jeden Gegner schwierig. Tirat Carmel hingegen sollte dringend an der Defensive arbeiten - und vielleicht auch am Selbstvertrauen. Denn wie sagte Eyal Mordechai grinsend auf dem Weg in die Kabine: "Manchmal ist Fußball ganz einfach - man muss nur öfter treffen als der andere." Ein Satz, so simpel wie das Spiel selbst. Und an diesem Abend war das ziemlich eindeutig. 17.09.643987 16:57 |
Sprücheklopfer
Wir haben die Chancenverwertung nicht verwertet.
Andreas Brehme