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Hamburg rettet Remis gegen Rostock - und ein Innenverteidiger wird zum Torjäger

3739 Zuschauer im kleinen Hamburger Stadion froren sich am Mittwochabend bei Flutlicht die Hände warm, wurden dafür aber mit einem kuriosen Oberliga-F-Krimi belohnt: Der FC Hamburg und Empor Rostock trennten sich 1:1 (1:1) - ein Ergebnis, das beiden Teams irgendwie nicht so recht schmeckte, aber jedem Trainer genug Stoff für hitzige Kabinenmonologe lieferte.

Das Spiel begann mit viel Elan und überraschend gepflegtem Kurzpassspiel beider Seiten. Hamburg, mit 55 Prozent Ballbesitz das Herr-im-Haus-Team, suchte von Beginn an die spielerische Lösung, während Rostock sich auf Konter verließ - ganz so, wie es Trainer Johan Johansson offenbar im Trainingslager an der Ostsee eingeimpft hatte. "Wir wollten Hamburg kommen lassen und dann zustechen", erklärte Johansson später, "das hat ja sogar kurz funktioniert."

Kurz funktionierte es tatsächlich: In der 14. Minute nutzte Innenverteidiger Cafer Simsek eine Unordnung nach einer Ecke und drückte den Ball aus fünf Metern über die Linie. "Ich war selbst überrascht, dass ich da vorne stand", grinste Simsek nach dem Spiel, "eigentlich sollte ich hinten absichern." Sein Lächeln sollte sich später noch in eine Grimasse verwandeln - dazu später mehr.

Hamburgs Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Nur vier Minuten später war es der erfahrene Rechtsaußen Günter Hartmann, der nach schöner Vorarbeit von Felix Krause den Ausgleich erzielte. Ein klassisches Stürmertor: Ballannahme, kurzer Blick, trockener Schuss - 1:1. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Hartmann mit einem Schulterzucken. "Wenn man so alt ist wie ich, denkt man nicht mehr lang nach."

Danach entwickelte sich ein munteres Spiel, das allerdings mehr Fleiß als Präzision bot. Hamburg schoss zehnmal aufs Tor, Rostock elfmal - viel Arbeit also für beide Keeper, aber wenig Zählbares. Besonders Hamburgs Max Specht versuchte es gleich dreimal aus der Distanz, traf aber höchstens das Fangnetz. "Manchmal ist der Ball eben rund und das Tor klein", witzelte er nach dem Abpfiff, während er sich die Schuhe band.

Rostock hatte in der ersten Halbzeit sogar die etwas klareren Chancen, Jannik Hafner und Olaf Jürgens prüften Hamburgs Torwart Christopher Witt mehrfach. Doch der 31-Jährige parierte mit stoischer Ruhe - "Ich hab heute mehr gefroren als geschwitzt", meinte er später trocken.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Hamburg kombinierte, Rostock konterte. Dann, in der 66. Minute, wurde es turbulent: Rostocks Stürmer Jakob Hauser blieb nach einem Zweikampf liegen, musste verletzt raus. Trainer Johansson reagierte und brachte Niels Merkel - und kaum hatte der den Platz betreten, flog Verteidiger Simsek mit Rot vom Feld. Ein ungestümes Einsteigen, ein Reflex des Schiedsrichters, und plötzlich war Rostock nur noch zu zehnt. "Ich hab den Ball getroffen - glaube ich zumindest", murmelte Simsek später in der Mixed Zone, während Johansson hinter ihm die Augen verdrehte.

Von da an spielten die Gäste mit dem Mut der Verzweiflung. Johansson stellte auf aggressives Pressing um, wie es die Taktikdaten auch verraten: von "NO Pressing" zu "YES" in der 90. Minute. Und tatsächlich, die Nordlichter aus Rostock warfen alles nach vorn, während Hamburg den Ball zirkulieren ließ, als wolle man das Remis in einer Glasvitrine konservieren.

Die letzten Minuten gehörten wieder Rostock. In der 93. Minute zog Jannik Hafner noch einmal ab - sein Schuss rauschte nur Zentimeter vorbei. Ein Raunen ging durchs Stadion, einige Fans hatten den Torschrei schon auf den Lippen. Dann war Schluss.

"Wir haben es heute verpasst, den Sack zuzumachen", ärgerte sich Hamburgs Kapitän Heinrich Schuster. Trainer Johansson hingegen war trotz Unterzahl zufrieden: "Ein Punkt in Hamburg mit zehn Mann - das nehme ich mit. Und Cafer kriegt von mir eine Kiste Wasser, kein Bier."

Statistisch blieb alles im Rahmen: 55,9 Prozent Ballbesitz für Hamburg, 48,8 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 10:11 Torschüsse - Zahlen, die ein 1:1 fast schon mathematisch rechtfertigen.

So blieb es ein Abend der kleinen Geschichten: Ein Verteidiger als Torschütze, ein Routinier mit trockenem Humor, ein Schiedsrichter mit schneller Hand. Und ein Spiel, das keiner so richtig gewann, aber beide als moralische Sieger verließen - zumindest, bis der Bus nach Rostock im Stau stand.

"Wenn man ehrlich ist", sagte ein Hamburger Fan beim Hinausgehen, "war das kein schönes Spiel - aber wenigstens kein schlechtes." Ein Satz, der in der Oberliga F wohl als Kompliment gilt.

04.10.643990 09:53
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Jens Jeremies
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