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Manchmal gibt es Spiele, nach denen selbst die Stadionwurst traurig aussieht. Das 0:5 von Krems gegen den SV Hallwang war so eines. 22.051 Zuschauer hatten sich an diesem frostigen Januarabend in der 2. Liga Österreich auf ein enges Duell gefreut - sie bekamen stattdessen eine Demonstration in Sachen Effizienz, Spielfreude und, ja, auch ein wenig Grausamkeit. Schon in den ersten Minuten deutete sich an, dass Hallwang nicht für einen gemütlichen Ausflug angereist war. Larz Groesbeck, der später noch eine Hauptrolle spielen sollte, prüfte Kremser Keeper Bernd Strauss gleich mehrfach. "Ich wusste gar nicht, dass man so früh im Spiel schon müde werden kann", murmelte der junge Torwart nach dem Abpfiff mit einem gequälten Lächeln. Krems hielt zunächst wacker dagegen, hatte durch Patrik Dahlstrom und Francisco Sa Pint zwei ordentliche Versuche. Doch Hallwang war schlicht zu präzise, zu schnell und zu eingespielt. Kurz vor der Pause fiel das erste Tor - natürlich durch Groesbeck (45.), nach feinem Zuspiel von Beniamin Gorawski. "Ich hab den Ball reingeschoben, als wäre es ein Trainingstor", grinste Groesbeck später, "aber ich schwöre, der Jubel war echt." Nach der Pause versuchte Krems, das Spiel zu öffnen, doch das war ungefähr so ratsam wie das Öffnen eines Bienenstocks ohne Schutzanzug. Hallwang kam im Minutentakt. Timotheos Argyros erhöhte in der 60. Minute auf 0:2, Groesbeck legte nur vier Minuten später nach - wieder nach Vorarbeit von Gorawski. Ab diesem Zeitpunkt wich bei Krems der Kampfesmut der schlichten Verzweiflung. "Wir wollten hinten stabil bleiben und vorne Nadelstiche setzen", erklärte ein sichtlich konsternierter Kremser Co-Trainer nach dem Spiel, "am Ende hatten wir nur noch stumpfe Messer." Die Statistik unterstreicht das gnadenlos: 24 Torschüsse für Hallwang, nur 9 für Krems; 51 Prozent Ballbesitz für die Gäste, die trotzdem wirkten, als hätten sie das Spielfeld komplett gepachtet. Während Krems’ Abwehr immer tiefer in die eigene Hälfte gedrückt wurde, spielte Hallwang sich in einen Rausch. Paulo Bermudez sorgte in der 89. Minute für das 0:4, ehe er in der Nachspielzeit (90+4) mit seinem zweiten Treffer endgültig den Deckel draufmachte. Beide Male glänzte Argyros als Vorbereiter - offenbar wollte er nach seiner Gelben Karte in der 48. Minute noch etwas fürs Poesiealbum tun. Trainer Mario Kasztner, sonst ein Mann der leisen Worte, zeigte sich nach dem Abpfiff spürbar zufrieden: "Wir haben heute Fußball gespielt, nicht nur gekämpft. Die Jungs haben verstanden, dass man auch ohne puren Druck Spaß haben kann - das war fast schon Kunst." Krems hingegen wirkte, als hätte man ihnen das Drehbuch in kyrillischer Schrift vorgelegt. Vor allem die Offensivabteilung um Dahlstrom und den jungen Sa Pint rannte sich immer wieder fest. "Es fühlte sich an, als stünden die mit zwölf Mann hinten drin", seufzte Dahlstrom und fügte mit Galgenhumor hinzu: "Und wahrscheinlich war einer davon unsichtbar." Auch die Fans reagierten mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Galgenhumor. "Wir kommen ja nicht wegen der Punkte", witzelte ein Zuschauer auf der Tribüne, "wir kommen, weil wir uns gerne wundern lassen." Die Kremser Taktik blieb über 90 Minuten unverändert "balanciert" - ein Begriff, der auf dem Papier gut klingt, aber auf dem Platz an diesem Abend eher nach Schieflage aussah. Hallwang dagegen spielte ebenfalls balanciert, aber mit einer Präzision, die an ein Uhrwerk erinnerte. Am Ende standen fünf Tore, die sich auf drei Namen verteilten: Groesbeck (45., 64.), Argyros (60.) und Bermudez (89., 94.). Zusammen bildeten sie das Trio Infernale des Abends. "Wir hätten noch zwei machen können", meinte Groesbeck augenzwinkernd, "aber irgendwann tut’s ja auch weh." Für Krems heißt es nun: Wunden lecken, Filme analysieren, Mut schöpfen. Für Hallwang: Brust raus, Tabelle rauf, Selbstvertrauen satt. Ein Abend, an dem die Unterschiede zwischen Mittelmaß und Meisterklasse deutlicher kaum hätten sein können. Oder, wie es ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions trocken zusammenfasste: "Das war kein Spiel - das war eine Lehrstunde. Leider nicht für uns." 16.11.643987 00:59 |
Sprücheklopfer
Ich habe keine Probleme mit Werner Lorant mal ein Bier zu trinken - oder auch mal ein Kaugummi zu kauen.
Lothar Matthäus