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Wenn man mit 17 Jahren in einem Flutlichtspiel eiskalt trifft und dabei aussieht, als ginge es um den Pausenhofpokal, darf man sich ruhig feiern lassen. Genau das tat Klaus Bode, als er in der 6. Minute das 1:0 für den FC Hallein erzielte - der Auftakt zu einem erstaunlich souveränen 3:0-Sieg beim Tabellenmittelfeld-Team aus Dietach. 3867 Zuschauer sahen an diesem frostigen Freitagabend, wie eine blutjunge Halleiner Truppe abgezockter wirkte als so mancher routinierte Viertligist. Dabei begann alles gar nicht schlecht für Dietach: Schon in der ersten Minute prüfte Curt Naumann den Halleiner Keeper Arseni Ragulin mit einem satten Flachschuss. Doch statt einer frühen Führung kam der frühe Dämpfer: Hallein konterte, Bode sprintete, Deroeck steckte durch - und zack, stand es 0:1. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht", grinste der 17-Jährige nachher, "ich dachte, ich probier’s einfach - und dann war der Ball halt drin." Das "einfach probieren" schien ansteckend zu wirken, denn 13 Minuten später drehte Bode den Spieß um: Dieses Mal legte er quer auf seinen Partner in der Zentrale, den 19-jährigen Martin Deroeck, der aus 18 Metern trocken ins linke Eck schlenzte. 19. Minute, 0:2 - und die Dietacher Hintermannschaft schaute sich gegenseitig an, als wollte man fragen: "War das jetzt wieder derselbe?" Trainer Herbert Krunkel von Hallein blieb an der Seitenlinie erstaunlich ruhig. "Wir haben in der Jugend gelernt, dass man auch mit 18 schon laufen kann", witzelte er später. "Die Jungs setzen das heute eindrucksvoll um." Dietach hatte zwar mehr Ballbesitz (54 Prozent) und am Ende sogar zwei Torschüsse mehr (14 zu 12), doch das half so viel wie ein Regenschirm in der Wüste. Hallein spielte zielstrebig, lauffreudig, und vor allem: eiskalt. Noah Gebhardt, 18 Jahre jung und Linksaußen mit dem Selbstvertrauen eines gestandenen Profis, machte in der 32. Minute endgültig den Deckel drauf - nach feinem Zuspiel von Deroeck, der an diesem Abend ohnehin überall zu sein schien. 0:3 zur Pause, und man konnte fast Mitleid mit Dietachs Keeper Julian Schulz haben, der mehr Hände hob als Bälle hielt. "In der Kabine war’s still", verriet Dietachs erfahrener Stürmer Mark Mai (34). "Nur der Trainer hat was gesagt - und das war nicht druckreif." Was er meinte, konnte man sich denken: Dietach lief, kämpfte, schoss, aber verfehlte. Mal klatschte der Ball an die Latte, mal rettete ein Halleiner Abwehrbein, und wenn gar nichts mehr ging, stand Ragulin im Weg. In der zweiten Hälfte verwaltete Hallein das Ergebnis mit der Abgeklärtheit eines Teams, das schon Dutzende solcher Spiele bestritten hätte. Tatsächlich war es für viele der Spieler erst das zweite oder dritte Match in der Liga. Krunkel rotierte früh, brachte zur Pause den 21-jährigen Jose Rocha für frische Beine im Zentrum, später folgten Fabian Martens und Harrison Willoughby - beide 17. Dass die Defensive trotzdem dicht blieb, lag auch am mannschaftlichen Einsatz. "Wir wollten zeigen, dass jung nicht gleich naiv heißt", sagte Deroeck nach dem Spiel mit einem Grinsen und deutete auf die Anzeigetafel, wo das 0:3 noch immer leuchtete. Dietach versuchte alles, gab nicht auf, aber blieb harmlos. In der 73. Minute hatte Mark Mai die beste Gelegenheit, doch sein Schuss rauschte knapp vorbei. Frank Otto, sein Sturmpartner, arbeitete sich vorne ab wie ein Holzfäller mit stumpfer Axt - viel Einsatz, wenig Ertrag. Und als Günther Otto (nicht verwandt) in der 54. Minute Gelb sah, schien auch die Geduld der Fans langsam zu bröckeln. "Wir hatten 14 Schüsse, aber keine Idee", fasste Kapitän Manfred Wolter das Dilemma nüchtern zusammen. "Die haben uns ausgekontert wie Profis." Kurz vor Schluss wurde’s noch einmal ruppig: Halleins Innenverteidiger Michail Burkhardt sah in der Nachspielzeit Gelb, weil er Mark Mai zu Boden riss. Krunkel nahm’s gelassen: "Mit 19 darf man auch mal ungestüm sein. Hauptsache, er trifft nicht den eigenen Mitspieler." Als der Schlusspfiff ertönte, jubelten die jungen Halleiner ausgelassen, während Dietach bedrückt vom Platz schlich. Der Applaus der 3867 Zuschauer war ehrlich, wenn auch gemischt - Bewunderung für die jugendliche Frische des FC Hallein, Mitleid mit einem Dietacher Team, das zwar viel Ballbesitz hatte, aber wenig Biss. Vielleicht fasste es ein älterer Zuschauer auf der Tribüne am besten zusammen, als er kopfschüttelnd murmelte: "Die spielen, als hätten sie nie was anderes gemacht - und wir schauen zu, als hätten wir’s vergessen." Ein Satz, der in Dietach wohl noch ein paar Tage nachhallen wird. 20.12.643987 16:08 |
Sprücheklopfer
Gegen uns hätten wir auch gewonnen.
Klaus Allofs