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Es war ein kühler Freitagabend in Andorf, doch das, was der FC Hallein auf den Rasen zauberte, war heiß wie ein Vulkan. 3780 Zuschauer sahen ein Spiel, das schon nach fünf Minuten entschieden war - zumindest gefühlt. Am Ende stand ein 0:4 (0:3) auf der Anzeigetafel, und die Gesichter der Heimfans wirkten, als hätte man ihnen den Punschstand vorzeitig geschlossen. Schon nach gerade einmal 60 Sekunden klingelte es im Kasten von Patrik Betz. Halleins junger Flügelflitzer Dirk Petersen, 19 Jahre alt, nahm einen Querpass von Niklas Herzog auf, schaute kurz, schoss - und traf. "Ich wollte eigentlich flanken, aber na ja, Tor ist Tor", grinste Petersen nach dem Spiel, während sein Trainer Herbert Krunkel nur trocken meinte: "Wenn er das öfter so aus Versehen macht, beschwer ich mich nicht." Kaum hatten die Andorfer ihre Köpfe gehoben, zappelte der Ball schon wieder im Netz. In der 4. Minute erhöhte Walter Beyer, ebenfalls zarte 18 Jahre jung, nach Vorarbeit von Martin Deroeck auf 0:2. Die Halleiner spielten Fußball wie aus einem Guss - und das trotz nur 44 Prozent Ballbesitz. "Wir hatten weniger den Ball, aber offenbar die besseren Ideen, was man damit anfangen kann", spottete Krunkel später. Spätestens nach 28 Minuten war klar, dass es ein bitterer Abend für die Gastgeber werden würde. Innenverteidiger Ranisav Juskic, eigentlich für das Grobe zuständig, stieg nach einer Ecke am höchsten und köpfte den Ball mustergültig ins lange Eck - 0:3. Neben ihm jubelte Mitverteidiger Michail Burkhardt, der die Vorlage geliefert hatte. "Wir haben im Training gewitzelt, dass einer von uns mal treffen muss. Ich dachte, das wäre ein Scherz", lachte Juskic. Der FC Andorf? Der hatte zwar mit 56 Prozent mehr Ballbesitz, aber das war eher Beschäftigungstherapie als Torgefahr. Nur ein einziger Schuss auf das Tor der Gäste in 90 Minuten - abgegeben von Maik Fuhrmann in der 50. Minute. Der Ball flog immerhin Richtung Tor, und das Publikum spendete ironischen Applaus. Fuhrmann selbst kassierte später in der 62. Minute noch Gelb, wohl aus Frust, dass wenigstens etwas Farbe ins Spiel kam. Als dann in der 59. Minute Martin Deroeck nach Vorlage von Petersen zum 0:4 traf, hatten die Halleiner endgültig alles im Griff. Deroeck, der schon beim zweiten Tor als Passgeber glänzte, sagte nach dem Spiel: "Wir wollten zeigen, dass wir auch auswärts mutig sind. Und ja, heute hat’s geklappt." Die Statistik unterstreicht die Schieflage des Abends: 23 Torschüsse für Hallein, einer für Andorf. In den Zweikämpfen lag der Gast ebenfalls vorne - knapp 59 Prozent gewonnene Duelle sprechen eine deutliche Sprache. Halleins junge Wilden liefen mit einer Leichtigkeit, die an Straßenfußball erinnerte, während Andorf wirkte, als stünde der Bus noch quer auf dem Parkplatz. Trainer Herbert Krunkel war dennoch bemüht, auf dem Teppich zu bleiben. "Wir dürfen uns jetzt nicht für die Weltmeister halten. Aber wenn man sieht, wie die Jungs kombinieren, macht das schon Spaß - und mich ein bisschen jünger." Auf der anderen Seite klang Andorfs Trainer, dessen Name man nach diesem Abend besser verschweigt, weniger amüsiert. "Wir hatten den Ball, aber keine Idee. Vielleicht sollten wir mal versuchen, weniger zu haben - das scheint ja zu helfen", murmelte er in die Mikrofone, bevor er Richtung Kabine verschwand. In den letzten 20 Minuten war das Spiel längst entschieden. Hallein wechselte munter durch - Fabian Martens kam für Juskic, später Niclas Schöne für Deroeck. Selbst die Youngster wirkten abgeklärt. Nur Martens leistete sich in der 81. Minute noch eine Gelbe Karte, vielleicht um nicht ganz ohne Souvenir nach Hause zu fahren. Als der Schlusspfiff ertönte, klatschten die Halleiner Fans ihre Mannschaft euphorisch ab, während die Andorfer Anhänger in Galgenhumor verfielen. Ein älterer Herr auf der Tribüne wurde gehört, wie er seufzte: "Wenn wir wenigstens den Münzwurf gewonnen hätten." So bleibt als Fazit eines klaren Abends: Der FC Hallein spielte kühl, präzise und mit jugendlicher Unbekümmertheit. Der FC Andorf hatte zwar den Ball, aber keinen Plan. Und wer 23:1 Torschüsse zulässt, braucht sich über vier Gegentore nicht zu wundern. Oder, wie Halleins Kapitän Petersen süffisant sagte: "Manchmal ist Fußball ganz einfach - man muss nur öfter aufs Tor schießen." Und Andorf? Die suchen wohl noch nach Antworten - oder wenigstens nach ihrem zweiten Torschuss. 21.04.643987 17:56 |
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Ich rotiere höchstens, wenn ich Opfer des Rotationsprinzips werde.
Oliver Kahn