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Hajduk Osijek verzweifelt - NK ?ibenik siegt mit einem Schuss und viel Glück

Die 25.959 Zuschauer im Stadion von Osijek rieben sich ungläubig die Augen. Sechzehn Torschüsse, fast die Hälfte des Ballbesitzes und ein Gegner, der dreimal halbherzig aufs Tor zielte - und trotzdem stand am Ende ein nüchternes 0:1 auf der Anzeigetafel. "Ich weiß auch nicht, ob wir Pech hatten oder der Fußballgott heute Urlaub machte", seufzte Hajduk-Trainer Tommek Dee nach dem Abpfiff und ließ sich auf die Ersatzbank fallen, als wollte er dort eine philosophische Antwort finden.

Dabei hatte Osijek alles richtig gemacht - zumindest bis zum Strafraum. Schon in der 21. Minute prüfte Robert Varga den gegnerischen Keeper Puljiz, der mit einem Reflex die Führung verhinderte. Zwei Minuten später versuchte es Marino Vrucina, wieder Puljiz. Dann Sladan Bazina - Pfosten. Noch einer von Bazina - knapp drüber. Und als der junge Öcal Dilmen in der 33. Minute aus 20 Metern abzog, hörte man das kollektive Aufstöhnen der Heimfans. Der Ball rauschte Zentimeter vorbei, ein Raunen ging durchs Stadion, gefolgt von der resignierten Feststellung eines älteren Herren auf der Tribüne: "Heute kannst du bis Mitternacht spielen, und der Ball geht nicht rein."

Šibenik dagegen spielte die Rolle des unauffälligen Gastes mit stoischer Ruhe. Ballbesitz etwas über 51 Prozent, kaum Risiko, keine Hektik. Trainer Tommek Dee hätte es wohl "zu viel Zen" genannt. Doch in der 54. Minute schlugen die Gäste eiskalt zu. Philip Foden, der junge Engländer im kroatischen Mittelfeld, passte mit einem feinen Außenrist auf Dario Kranjčar - und der 31-Jährige ließ Osijeks Keeper Vicente Rielo keine Chance. Flach, präzise, unhaltbar. 0:1. Das Stadion verstummte, nur der kleine Block der mitgereisten Šibenik-Fans jubelte, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen.

"Wir waren effizient", grinste Kranjčar nach dem Spiel und zwinkerte, "also einer von uns wenigstens." Auf die Frage, ob er den Ball gut getroffen habe, antwortete er schmunzelnd: "Ich wollte eigentlich flanken."

Osijek war danach wütend wie ein angeschlagener Boxer. Zwischen der 60. und 90. Minute rollte Angriff um Angriff auf das Tor der Gäste. Sladan Bazina scheiterte gleich dreimal, zuletzt in der Nachspielzeit. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen", meinte Puljiz später lachend. "Ich dachte, das Spiel dauert ewig." Der Torwart wurde zum Mann des Abends - und wohl auch zum Alptraum der Osijek-Stürmer.

Die Statistik machte das Ganze noch bitterer: 16:3 Schüsse aufs Tor, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe, aber null Punkte. "Unsere Offensive war wie ein Feuerwerk ohne Zündschnur", sagte Trainer Dee mit einem sarkastischen Lächeln. "Schön anzusehen, aber es macht keinen Krach."

Der junge Mittelfeldspieler Öcal Dilmen, mit 18 Jahren einer der Aktivposten, sah das pragmatisch: "Wir spielen gut, wir trainieren hart - irgendwann geht der Ball auch mal rein. Vielleicht schon nächste Saison."

Šibeniks Coach, der sich nach dem Spiel wortkarg zeigte, fasste es trocken zusammen: "Wir wussten, dass sie offensiv stark sind. Also haben wir das Spiel einfach überstanden." Eine Taktik, die an diesem Abend erstaunlich gut funktionierte. Denn während Osijek mit einer offensiven, aggressiven Ausrichtung und langen Pässen das Heil in der Flucht nach vorn suchte, blieb Šibenik diszipliniert, balanciert und geduldig - fast meditativ.

Kurz vor Schluss noch ein letzter Akt des Dramas: Bazina zieht in der 92. Minute volley ab, der Ball zischt Richtung Winkel - und wieder Puljiz. Mit einer Hand rettet er den Sieg, während Osijek am Boden liegt, buchstäblich und mental.

Als die Spieler schließlich in die Kabinen verschwanden, applaudierten die Fans trotzdem. Ein Teil aus Dankbarkeit, ein anderer wohl aus purer Verzweiflung. Einer rief: "Wir brauchen keine Stürmer, wir brauchen Exorzisten!"

Und so bleibt nach 90 Minuten ein Spiel, das alles hatte - außer Toren für die Falschen. Hajduk Osijek wird sich ärgern, NK Šibenik dagegen freut sich über drei Punkte, die sie wohl selbst kaum erwartet hatten.

Vielleicht sollte man die Partie in den Geschichtsbüchern unter "Lehrfilm in Effizienz" ablegen. Oder, wie es Torwart Puljiz treffend formulierte: "Manchmal reicht ein Schuss. Wenn’s der richtige ist."

Ein Schuss, ein Tor, drei Punkte - Fußball kann so unfair, aber auch so schön einfach sein.

13.06.2026 21:33
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