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Altach - 29.550 Zuschauer, Flutlicht, Freitagabend: Eigentlich perfekte Bedingungen für ein Fußballfest. Doch was der FC Altach am 27. Spieltag der 2. Liga Österreich bot, hatte eher den Charme eines müden Schachspiels - was Trainer Jose Raul Capablanca, der tatsächlich so heißt, wohl mit leisem Lächeln goutierte. Die Gäste aus Hainburg hingegen kombinierten wie ein Uhrwerk und siegten verdient mit 2:0. Schon früh zeichnete sich ab, wer an diesem Abend die Richtung vorgab. Hainburgs rechte Seite um den flinken Iban Valentin war mehr befahren als die A2 am Pendler-Montag. In der 13. Minute wurde Valentin für seine Beharrlichkeit belohnt: Nach einem feinen Doppelpass mit dem aufgerückten Linksverteidiger Antoine Boon zog der 31-Jährige trocken ins lange Eck ab - 0:1. Altachs Keeper Halvor Andreasen streckte sich vergeblich, sah aber immerhin gut dabei aus. "Wir wollten eigentlich ruhig anfangen", grinste Hainburg-Trainer Andreas Swoboida später, "aber Iban hat wohl vergessen, dass das hier kein Sprinttraining ist." Der Scherz saß - ebenso wie Hainburgs Kombinationen. Nur zwölf Minuten später durfte sich Innenverteidiger Gerard Bettencourt in die Torschützenliste eintragen. Nach einer Ecke von rechts segelte der Ball an Freund und Feind vorbei, ehe Bettencourt per Kopf vollendete. 0:2 - und Altachs Defensive stand da, als hätte jemand "Statisten gesucht" gerufen. Capablanca, sonst ein Mann stoischer Gelassenheit, raufte sich an der Seitenlinie das Haar - oder wenigstens das, was davon übrig war. "Wir haben zu spät begriffen, dass Fußball kein Fernschach ist", knurrte er später. Und tatsächlich: Während Hainburg aggressiv presste und 22 Torschüsse abgab, kam Altach auf vergleichsweise harmlose 12. Der Ballbesitz von 45 Prozent war nett, aber wirkungslos - wie eine Kaffeetasse ohne Kaffee. Nach der Pause versuchte Altach mit frischen Kräften die Wende: Gheorghe Sapunaru, gerade 19, machte Platz für Aleksandar Drulic, Marcos Acuna ersetzte Lauritz Verbeck. Doch der Plan blieb Theorie. Zwar schossen die Hausherren nun öfter aus der Distanz - Drulic und Bernard probierten es mehrfach -, doch Hainburgs Torwart Sebastian Bogusz parierte souverän. Die Gäste hingegen spielten das Ergebnis mit professioneller Kühle herunter. Swoboida wechselte in der 60. Minute doppelt: Lars Merkel kam für den starken Eri Lohmann, Lewis Devaney ersetzte Torschütze Bettencourt. "Gerard wollte weitermachen, aber ich sagte ihm: ’Du hast dein Tor, jetzt darfst du duschen gehen’", erzählte der Trainer augenzwinkernd. Altach kämpfte, keine Frage. Besonders Youngster Charles Leech rackerte im Mittelfeld unermüdlich, forderte den Ball, trieb an. Doch es fehlte die letzte Überzeugung, der Mut zum Risiko. Ein Schuss von Paulo Suarez in der 82. Minute rauschte knapp über die Latte - das hätte der Anschluss sein können, wenn nicht sogar müssen. Die Hainburger hingegen blieben gefährlich. Benjamin Thuringer prüfte den Altach-Keeper mehrfach, Gustav Peters tanzte auf dem rechten Flügel, als sei er auf einer Sommerbühne statt auf nassem Rasen. Und auch James Beglin mischte munter mit - seine Distanzschüsse in der 65. und 86. Minute sorgten für kollektives Raunen. Hainburgs Schlüssel zum Erfolg? Einfache Mittel, klarer Plan. "Wir wollten nicht schön aussehen, sondern Punkte holen", meinte Swoboida trocken. "Wenn’s nebenbei noch hübsch war - umso besser." Und Altach? Capablanca blieb trotz allem gefasst: "Wir sind jung, wir lernen. Manchmal ist eine Niederlage der bessere Lehrer." Vielleicht. Aber an diesem Abend wirkte es eher, als hätte der Lehrer gerade ein Nickerchen gemacht. Die Statistik unterstreicht das Bild: 54,8 Prozent Ballbesitz für Hainburg, mehr Zweikampfhärte (53,8 Prozent gewonnen) und - entscheidend - mehr Willen. Die Gäste spielten mit "starker Aggressivität" und "aktivem Pressing", wie die Analysten vermerkten. Altach dagegen: defensiv, zurückhaltend, fast höflich. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Leech, "aber irgendwann stand nur noch der Gegner kompakt - in unserem Strafraum." So endete der Abend mit einem klaren 0:2 aus Sicht der Altacher. Keine Aufholjagd, keine Wunderwende - nur die Erkenntnis, dass man ohne Risiko auch selten belohnt wird. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Die spielen Fußball wie ich Sudoku löse - ganz ordentlich, aber nie fertig." Und so bleibt der Trost für Capablanca und Co.: Das nächste Spiel ist schon bald. Vielleicht schickt er seine Elf vorher aufs Schachbrett - dort hat man wenigstens Zeit zum Nachdenken. Endstand: FC Altach - FK Hainburg 0:2 (0:2). Tore: Valentin (13.), Bettencourt (25.). Zuschauer: 29.550. 18.07.643993 19:32 |
Sprücheklopfer
Es war toll, es war klasse, es war wie ein Albtraum.
Torsten Legat nach einem hohen Heimsieg