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Es war ein frostiger Samstagabend in Waidhofen, aber die knapp 19.000 Zuschauer im Stadion hatten kaum Zeit, sich warm zu klatschen, da war die Stimmung schon eingefroren: Nach nur vier Minuten zappelte der Ball im Netz der Hausherren. FK Hainburgs Linksaußen Eri Lohmann nutzte die erste Unachtsamkeit in der Abwehr des SV Waidhofen eiskalt aus. Nach feinem Zuspiel von Mittelfeldmotor Walter Bock schob der 26-Jährige lässig ein - 0:1. "Wir wollten früh Druck machen, und dass es gleich klappt, war natürlich Luxus", grinste Lohmann später in der Mixed Zone. Während Waidhofen noch sortierte, rollten die Gäste weiter unermüdlich an. 17 Torschüsse im gesamten Spiel sprechen eine deutliche Sprache - die Hainburger Offensive hatte Lust auf Ball und Raum. Waidhofen hielt zwar mit knapp 50 Prozent Ballbesitz tapfer dagegen, aber es fehlte an Durchschlagskraft. Trainer Andreas Swoboida von Hainburg kommentierte trocken: "Wenn du 17-mal aufs Tor schießt, darfst du dich nicht wundern, wenn zwei reingehen." Das zweite Tor fiel kurz vor der Pause - und zwar zu einem Zeitpunkt, als die Heimfans gerade begannen, sich wieder Hoffnung einzureden. In der 43. Minute kombinierte Hainburg sehenswert durchs Zentrum: Pau Antunes setzte Alexander Carey auf der rechten Seite in Szene, und der 25-Jährige schloss mit einem satten Schuss ins lange Eck ab. 0:2, Halbzeit, und auf den Rängen nur noch das Rascheln von Papiertüten mit heißem Tee. Waidhofen-Trainer - dessen Name im offiziellen Spielbericht merkwürdigerweise fehlt, was vielleicht symptomatisch für den Auftritt seiner Elf war - versuchte in der Kabine offenbar, die Lebensgeister seiner Mannschaft zu wecken. Nach Wiederanpfiff zeigten die Hausherren mehr Einsatz, kämpften sich über Flanken von Leon Breuer und den jungen Phillipp Rieger in die Partie. Doch richtig gefährlich wurde es selten. Sechs Torschüsse standen am Ende zu Buche, viele davon aus der Distanz, mehr aus Verzweiflung als aus Überzeugung. In der 63. Minute prüfte Celalettin Kisa den Hainburger Keeper Sebastian Bogusz mit einem satten Linksschuss - der erste Moment, in dem es im Gästeblock kurz unruhig wurde. Bogusz klärte spektakulär zur Ecke und klopfte sich danach selbst auf die Handschuhe. "Den hab ich einfach gespürt kommen", meinte er später schmunzelnd. Die Schlussphase verlief ohne größere Aufreger, sieht man von der Gelben Karte für Waidhofens Innenverteidiger Marcio Ronaldo (82.) ab, der nach einem rustikalen Einsteigen gegen den flinken Gustav Peters eher Glück hatte, nicht früher unter der Dusche zu stehen. Bitterer Schlusspunkt aus Sicht der Gastgeber: Der 18-jährige Rieger verletzte sich in der Nachspielzeit und musste ausgewechselt werden - für ihn kam Alexander Catrall, der wohl nicht mehr als die letzten Sekunden sah. Hainburg spielte die Partie routiniert herunter, brachte mit Sergi Herrera einen frischen Verteidiger und ließ den Ball laufen, als hätten sie schon die Uhr im Blick. Swoboida wirkte an der Seitenlinie entspannt, fast schon amüsiert über die Versuche der Hausherren, doch noch einmal gefährlich zu werden. "Wir haben nichts zugelassen, das war fast schon unheimlich diszipliniert", sagte er nach dem Spiel - und grinste dabei so, als wüsste er, dass seine Mannschaft an diesem Abend kaum zu schlagen war. In der Pressekonferenz suchte man bei Waidhofen vergeblich nach Ausreden. Kapitän Jürgen Rudolph fasste es resigniert zusammen: "Wir haben 90 Minuten lang versucht, ins Spiel zu finden, aber Hainburg hat uns einfach nicht gelassen. Die waren heute eine Nummer zu clever." So blieb am Ende ein ernüchterndes 0:2 (0:2) für Waidhofen, das in der Tabelle der 2. Liga Österreich weiter auf der Stelle tritt, während FK Hainburg mit dieser abgeklärten Leistung seine Ambitionen auf die obere Tabellenhälfte untermauerte. Schlussendlich war es ein Spiel, das schon in den ersten 45 Minuten entschieden wurde - und das den Fans zeigte, dass Fußball manchmal ganz einfach ist: Wer trifft, gewinnt. Und wer so effizient auftritt wie Hainburg, darf sich auf dem Heimweg ruhig ein wenig selbst feiern. Oder wie Eri Lohmann es so schön formulierte: "Zwei Tore, drei Punkte, ein Lächeln - was will man mehr?" 23.10.643987 22:11 |
Sprücheklopfer
Die Situation ist aussichtslos, aber nicht kritisch.
Stefan Effenberg