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Ein Valentinstagsspiel ganz ohne Romantik, dafür mit jeder Menge Tempo, Emotionen und Gelben Karten: FK Hainburg besiegte am 8. Spieltag der 2. Liga Österreich den SC Gratkorn mit 4:2 und nahm die 12.500 Zuschauer in der Gratkorner Arena auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle mit. Schon in den ersten Minuten war klar, dass sich hier niemand mit einem gemütlichen Winterkick zufriedengeben wollte. Gratkorn legte los wie die Feuerwehr - Benjamin Warriner prüfte Hainburgs jungen Keeper Torvald Bak bereits nach 60 Sekunden. Trainer Andi Garagengold brüllte von der Seitenlinie: "So stell ich mir das vor - Druck, Jungs, Druck!" Doch kaum hatte der Heimcoach den Satz beendet, klingelte es auf der anderen Seite: In der 20. Minute setzte Hainburgs Eri Lohmann nach feinem Zuspiel von Maik Koch die Kugel trocken ins lange Eck - 0:1. Gratkorn ließ sich davon nicht entmutigen. Der 18-jährige Nicola Simone, der ohnehin spielte, als sei er auf einem Bewerbungsvideo für die Serie A, traf kurz vor der Pause nach Pass von Warriner zum Ausgleich (42.). Das Stadion bebte, und der Pausenpfiff kam gerade recht, um die erhitzten Gemüter beider Trainer ein wenig abzukühlen. "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen einfach weitermachen - aber vielleicht nicht ganz so offensiv", schmunzelte Hainburg-Coach Andreas Swoboida später. Seine Spieler nahmen den Rat offenbar ernst - oder auch nicht. Denn nach Wiederanpfiff legten sie los, als hätten sie den Espresso intravenös bekommen. Innerhalb von drei Minuten entschieden Alexander Carey (62.) und Rechtsverteidiger Sascha Grossmann (64.) das Spiel fast im Alleingang. Carey traf nach Vorarbeit von William Mills, und Grossmann, sonst eher fürs Verteidigen zuständig, drosch den Ball aus 20 Metern humorlos unter die Latte. Gratkorn taumelte, Hainburg tanzte. Und als Lohmann in der 75. Minute nach sehenswerter Kombination mit Grossmann sein zweites Tor erzielte, war die Messe gelesen. "Das war pure Freude", grinste Lohmann später. "Ich hab nur gedacht: Na gut, wenn er schon so schön querlegt, dann muss ich den auch reinmachen." Doch die Partie hatte noch ein paar schräge Kapitel übrig. Grossmann, Held des dritten Tores, holte sich in der 86. Minute erst Gelb, dann in der 89. die Ampelkarte - offenbar hatte er Lust, sein restliches Adrenalin unter der Dusche loszuwerden. "Er meinte, er wollte nur den Ball treffen", erklärte Swoboida trocken. "Aber der Ball war halt schon längst weiter." Gratkorn nutzte die Überzahl immerhin noch zum kosmetischen Feinschliff: Der eingewechselte Kacper Wojcicki traf in der Nachspielzeit (90.) nach Flanke von Marco Friedrich. Das 2:4 war mehr Ehrenrettung als Aufholjagd, aber immerhin ein Lebenszeichen. Statistisch war das Spiel erstaunlich ausgeglichen: Beide Teams kamen auf neun Torschüsse, der Ballbesitz lag mit 51 zu 48 Prozent fast pari. Doch Hainburg war gnadenlos effizient, Gratkorn dafür umso leidenschaftlicher - manchmal etwas zu leidenschaftlich, wie Marwin Bergmanns Gelbe Karte nach einem rustikalen Einsteigen in der 63. Minute zeigte. "Das war Ball und Gegner - also alles im Rahmen", verteidigte er sich nach Abpfiff mit einem Grinsen. Garagengold wirkte nachdenklich, aber nicht deprimiert. "Wir haben Pressing auf Sparflamme gespielt, und das rächt sich auf diesem Niveau. Aber die Jungs sind jung, das gehört dazu." Tatsächlich: Gratkorns Startelf hatte ein Durchschnittsalter knapp über 20 - die Zukunft könnte also rosiger aussehen als der Spielstand an diesem Abend. Hainburg hingegen zeigte, dass eine "balancierte" Taktik nicht langweilig sein muss. Wenn Flügelspieler Lohmann und Carey so loslegen, wird selbst ein defensiver Innenverteidiger wie Lewis Devaney plötzlich zum Spielmacher - assistierte er doch beim 3:1 mit einem sehenswerten Diagonalpass. Nach dem Spiel scherzte Swoboida mit den Reportern: "Wenn wir jetzt noch lernen, in Unterzahl keine Panik zu schieben, dann kann uns nur noch der Mannschaftsbus stoppen." Und so blieb den Gratkorner Fans am Ende nur der Trost, dass ihr Team trotz Niederlage nicht unterging, sondern phasenweise begeisterte. Der Applaus nach dem Abpfiff war ehrlich - und die Hoffnung, dass man beim nächsten Heimspiel nicht wieder zum dankbaren Sparringspartner wird, groß. Ein lauer Winterabend, vier Tore für die Gäste, zwei für die Moral des Heimteams - und eine Partie, die wieder einmal bewies: In der 2. Liga Österreich geht’s manchmal chaotisch, oft emotional, aber nie langweilig zu. 18.08.643990 23:59 |
Sprücheklopfer
Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden wie es wirklich war.
Olaf Thon