// Startseite
| Sportwoche |
| +++ Sportzeitung für Österreich +++ |
|
|
|
Die 19.277 Zuschauer im Mödlinger Stadion sahen am Freitagabend einen jener Abende, an denen man sich fragt, ob die Heimelf versehentlich in der Kabine geblieben ist. FK Hainburg, im grauen Mittelmaß der 2. Liga Österreich beheimatet, verwandelte das Spielfeld in ihre persönliche Spielwiese und siegte mit 3:0 (1:0) über den SV Mödling - ein Ergebnis, das in seiner Deutlichkeit noch schmeichelhaft für die Hausherren war. Dabei fing alles gar nicht so schlecht an: Schon in der ersten Minute prüfte Mödling-Youngster Dylan MacKenzie den Hainburger Keeper Sebastian Bogusz mit einem kernigen Schuss. "Ich dachte, das wird unser Abend", seufzte MacKenzie später. Doch das war’s dann auch fast mit der Offensive der Gastgeber. Zwar wogte das Spiel zunächst hin und her, doch während Mödling den Ballbesitz (50,5 Prozent) eher zum Warmlaufen nutzte, hatte Hainburg ein klares Ziel: das Tor. In der 43. Minute war es dann soweit. Benjamin Thuringer, der Mann mit dem linken Zauberfuß, traf nach feiner Vorarbeit von Pau Antunes zum 0:1. Ein Treffer, der in seiner Eleganz fast an Slow Motion erinnerte - Mödling-Verteidiger Vicente Zuloaga war jedenfalls noch auf der Suche nach seinem Gleichgewicht, als der Ball schon im Netz zappelte. "Wir wollten ruhig bleiben", erklärte Hainburg-Trainer Andreas Swoboida später mit einem Grinsen. "Ruhig heißt bei uns: Wir schießen halt, wenn’s passt." Nach der Pause kam Mödling kurz aus der Kabine, um sich ein zweites Mal die Schuhe zu binden - viel mehr war es nicht. Zwar schoss Lars Kirsch in der 50. Minute noch einmal gefährlich aufs Tor, doch der Ball rauschte am Pfosten vorbei. Dann drehte Hainburg richtig auf. In der 58. Minute erhöhte Gustav Peters nach mustergültiger Vorarbeit von Thuringer auf 0:2. Ein Angriff wie aus dem Lehrbuch: Antunes über die Mitte, Thuringer mit dem Querpass, Peters eiskalt. Mödling-Keeper Knut Moeller blieb reglos - vielleicht aus Schock, vielleicht aus Mitleid. "Das war der Moment, in dem wir kapiert haben, dass es heute schwierig wird", gab Mödling-Coach Herbert Sax zu. "Ich hab den Jungs gesagt: Vielleicht wenigstens noch ein Ehrentor. Da haben sie mich ausgelacht." In der 77. Minute lachte dann nur noch einer: Eri Lohmann. Gerade erst eingewechselt, bekam er den Ball am Strafraum, tanzte zwei Mödlinger aus und schob überlegt ins lange Eck - 0:3. Swoboida klatschte an der Seitenlinie in aller Ruhe Beifall, Sax hingegen verschwand kurz in der Coaching-Zone und blieb dort so lange, bis der vierte Offizielle besorgt nachfragte, ob alles in Ordnung sei. Statistisch gesehen war es kein Klassenunterschied - 13:7 Torschüsse und fast ausgeglichenes Ballbesitzverhältnis sprechen eine moderate Sprache. Doch wer das Spiel gesehen hat, weiß: Hainburg war clever, zielstrebig, abgebrüht. Mödling dagegen wirkte wie ein Schüler, der das Lösungsblatt vergessen hat. Selbst die Gelbe Karte für Michael Lux in der 29. Minute schien mehr Ausdruck von Frust als von Kampfgeist. In der Schlussphase gönnte sich Hainburg noch ein paar Kunststücke: James Beglin traf fast aus 30 Metern, Moeller parierte stark, und Swoboida wechselte sogar seinen Torhüter aus - Florian Kirchner durfte ab der 60. Minute zwischen die Pfosten, vermutlich, um wenigstens einen Spieler mit blitzsauberer Weste zu garantieren. Nach dem Schlusspfiff jubelten die Gäste ausgelassen vor dem Gästeblock. "So ein Spiel macht einfach Spaß", rief Torschütze Peters in die Kameras. "Vor allem, wenn der Gegner so nett ist, einem so viel Platz zu lassen." Mödling-Kapitän Alexander Willoughby sah das naturgemäß anders: "Wir müssen uns an die eigene Nase fassen. Aber ehrlich - die waren heute einfach besser. Punkt." Trainer Sax fasste den Abend mit bitterem Humor zusammen: "Manchmal ist Fußball wie eine schlechte Hochzeit - man weiß, dass es schiefgeht, aber man zieht’s trotzdem durch." Und so endete ein Abend, der für Hainburg drei Punkte und für Mödling eine Menge Selbstzweifel brachte. Die Gäste dürfen nun von einem kleinen Lauf träumen, während Mödling sich fragt, ob Ballbesitz allein schon Fußball ist. Am Ausgang rief ein Mödling-Fan: "Na wenigstens war das Bier kalt!" - und vielleicht war das tatsächlich die beste Nachricht des Abends. 13.04.643990 16:35 |
Sprücheklopfer
Beim Football muß man nicht ins Tor schießen, sondern oben drüber. Das konnte ich schon immer ganz gut.
Axel Kruse nachdem ihn das Football-Team Berlin Thunder als Kicker eingestellt hat