Sportwoche
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Hainburg ringt Oberwart nieder - mit Nerven, Rot und einem Schuss Glück

Ein kalter Februarabend, 27.478 Zuschauer im Hainburger Stadion, Flutlicht, Atemwolken - und ein Spiel, das erst Routine versprach und dann zum Nervenstück wurde. FK Hainburg schlägt den SV Oberwart mit 2:1 (2:0) und darf sich nach dem 14. Spieltag der 2. Liga Österreich als Sieger eines Abends fühlen, der von allem ein bisschen bot: frühe Tore, späte Karten und reichlich Diskussionsstoff für die Kantine danach.

Schon nach einer Viertelstunde machten die Gastgeber klar, wer hier die Heimmannschaft ist. James Beglin, der flinke Rechtsaußen, nahm sich aus 16 Metern ein Herz und drosch den Ball ins linke Eck. Kein Zögern, kein doppelter Boden - einfach drauf. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Beglin später, "aber manchmal hat der Ball eben eine eigene Meinung."

Oberwart wirkte in der Anfangsphase so defensiv, als wollten sie das Stadion nur durch den Notausgang verlassen. Trainer Martin Nunez hatte sein Team tief stehen lassen, doch das half wenig. In der 31. Minute setzte Gustav Peters nach einem perfekten Querpass von Rhys Warrington das 2:0 oben drauf. Peters, sonst eher der stille Arbeiter, feierte, als hätte er gerade die Lottozahlen gezogen. "Rhys hat’s mir auf den Fuß gelegt - ich musste nur noch Danke sagen", meinte er hinterher mit einem Lächeln, das vermutlich noch im Burgenland zu sehen war.

Bis zur Pause lief alles nach Plan für Hainburg. Mehr Torschüsse (19 insgesamt), mehr Zug zum Tor, mehr Stimmung auf den Rängen. Trainer Andreas Swoboida wirkte zufrieden, zumindest bis zur 54. Minute. Da sah Antoine Boon erst Gelb-Rot, nachdem er schon in der ersten Hälfte verwarnt worden war. "Er hat einfach den falschen Moment gewählt, um mutig zu sein", knurrte Swoboida.

Mit einem Mann weniger begann das große Zittern. Und Oberwart, anfangs brav und harmlos, witterte plötzlich Morgenluft. In der 57. Minute war es Swen Vollmer, 18 Jahre jung, der die Partie noch einmal öffnete. Nach Vorarbeit von Joseph Cunningham versenkte er den Ball ins rechte Eck - ein Treffer, so präzise wie frech. "Ich hab gar nicht nachgedacht", sagte der Teenager später. "Vielleicht war das genau der Trick."

Von da an wurde es wild. Hainburg stellte um, kämpfte, grätschte, rannte - und Oberwart drückte. Die Gäste hatten mit 52 Prozent Ballbesitz statistisch leicht die Nase vorn, doch zählbare Chancen blieben rar. Cunningham und Brückner scheiterten in der Schlussphase gleich mehrfach an Torhüter Sebastian Bogusz, der sich die Hände warm hielt wie ein Schmied vor Feierabend.

In der 80. Minute bekam Oberwarts Liam Baur Gelb, in der 92. dann Gelb-Rot - das passte ins Bild eines Spiels, das auf der Kante balancierte. "Ich hab nur versucht, den Ball zu spielen", verteidigte sich Baur, während er mit hängendem Kopf in die Kabine trottete. Die Fans der Gäste quittierten’s mit einem gequälten "Na bravo".

Am Ende stand ein 2:1, das Hainburg als Arbeitssieg in die Bücher schreiben wird. Swoboida sprach von "einem Lehrstück über Disziplin nach unten und Moral nach oben". Nunez dagegen sah’s pragmatisch: "In der ersten Hälfte hatten wir Angst, in der zweiten Hälfte Mut - dummerweise in der falschen Reihenfolge."

Statistisch betrachtet war es ein Spiel der kleinen Widersprüche: Oberwart mehr Ballbesitz, Hainburg mehr Zug, 19:8 Torschüsse, zwei Platzverweise, drei Tore und unzählige Herzklopfmomente.

Nach dem Abpfiff blieben einige Fans noch auf den Rängen, als müssten sie das Drama erst verdauen. Einer brummte: "So spannend war’s hier zuletzt, als der Kiosk ausverkauft war."

Man kann es drehen und wenden - Hainburg hat gewonnen, aber es war nichts für schwache Nerven. Vielleicht ist genau das der Stoff, aus dem Fußballnächte gemacht sind: ein bisschen Chaos, ein bisschen Glück und ein Torwart, der im richtigen Moment die Hände dazwischen bekommt.

Und als der Stadionsprecher die drei Punkte verkündete, grinste Trainer Swoboida in Richtung Pressebank: "Schreiben Sie ruhig, dass wir’s uns verdient haben. Aber bitte nicht, dass ich gezittert hab."

Keine Sorge, Herr Trainer - das Zittern war diesmal kollektiv.

27.10.643990 10:49
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