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Ein kalter Jännerabend, Flutlicht, 23.739 Zuschauer - und ein Spiel, das alles hatte, was die 2. Liga Österreich so liebenswert macht: Kampf, Krampf und ein spätes Happy End für die Heimmannschaft. FK Hainburg und der FC Floridsdorf trennten sich am 29. Spieltag 1:1 (0:0). Es war ein Ergebnis, das beiden irgendwie schmeichelte - und keinem so richtig half. Schon in den ersten Minuten zeigte sich, dass Hainburgs Coach Andreas Swoboida seine Männer auf Vollgas eingestellt hatte. "Wir wollten von Anfang an Druck machen", erklärte er später, "nur hat uns jemand vergessen zu sagen, dass Tore dazugehören." Ganze 16 Torschüsse feuerte sein Team ab, aber lange schien das Tor wie zugenagelt. Gästetorhüter Joshua Beckmann wurde zum ungebetenen Star des Abends: Immer dort, wo der Ball hinflog - manchmal sogar vorher. Floridsdorf dagegen agierte abgeklärt, fast stoisch. Nur sechs Schüsse aufs Tor, aber jeder davon mit Ansage. Nach einer zähen ersten Halbzeit - 51 Prozent Ballbesitz für Hainburg, 49 für die Gäste, also: gepflegte Langeweile im Mittelfeld - kam das Spiel nach der Pause endlich in Fahrt. Die 52. Minute: Floridsdorfs rechter Mittelfeldmann Hermann Erdmann, bislang eher unauffällig, fasste sich ein Herz. Nach Vorarbeit von Linksverteidiger Dirk Wolff zog er aus gut 20 Metern ab - und plötzlich war das Stadion mucksmäuschenstill. Der Ball zischte flach ins rechte Eck, Hainburgs junger Keeper Sebastian Bogusz streckte sich vergebens. 0:1. Erdmann jubelte mit einem Lächeln, das nachsagte: "Na also, geht doch." "Ein Sonntagsschuss am Freitagabend", grinste Floridsdorfs Trainer nach dem Spiel. "Aber wir trainieren sowas ja nicht umsonst." Tatsächlich schien das Tor Hainburg kurz zu lähmen. Die Pässe wurden hektischer, die Angriffe fahrig, und als in der 70. Minute Eri Lohmann - bis dahin bester Mann im Angriff - für Lars Merkel vom Platz ging, murrte sogar die Tribüne. "Ich war platt", gab Lohmann später zu, "aber so früh hätte ich auch nicht mit meiner Dusche gerechnet." Doch Swoboidas Wechsel sollten sich noch auszahlen. Mit Walter Bock kam ein frischer zentraler Mittelfeldmann, der sofort Struktur brachte. Und als in der 83. Minute wieder einmal Gustav Peters über rechts durchbrach, passte er scharf in den Strafraum - genau in den Lauf von Iban Valentin. Der 30-Jährige hielt den Fuß hin und traf trocken zum 1:1. Jubel, Erlösung, und irgendwo auf der Bank riss Swoboida die Arme hoch, als hätte Hainburg gerade die Champions League gewonnen. "Das war Teamgeist pur", meinte Torschütze Valentin später, noch leicht atemlos. "Gustav hat mir den Ball serviert wie im Training - nur diesmal war’s halt ein bisschen wichtiger." Peters nickte daneben bescheiden. "Ich wollte eigentlich flanken, aber wenn’s ein Assist wird, beschwer ich mich auch nicht." Die Schlussphase war dann Hainburger Dauerfeuer. Peters, Lohmanns Ersatz Merkel und sogar Innenverteidiger Bettencourt - der sich zuvor mit einer Gelben Karte in Szene gesetzt hatte - allesamt mit Schussversuchen. Doch es blieb beim Remis. Statistisch gesehen hätte Hainburg den Sieg verdient gehabt: 16:6 Torschüsse, bessere Zweikampfquote (55 zu 45 Prozent) und mehr Ballbesitz. Aber Floridsdorf verteidigte clever, lauerte auf Konter und hatte in Erdmann den effizientesten Mann auf dem Platz. Swoboida zeigte sich nach Abpfiff gespalten: "Wenn du in der 83. Minute den Ausgleich machst, ist das ein Punkt des Willens. Wenn du aber 16-mal aufs Tor schießt und nur einmal triffst, darfst du dich auch ärgern." Sein Kollege vom FC Floridsdorf, der namentlich ungenannt bleiben wollte, grinste nur: "Wir hatten unseren Plan - und fast hat er perfekt funktioniert." Man kann sagen: Es war kein Spiel für Feingeister, aber eines für Statistiker und Herzpatienten. Ein Abend, an dem das Ergebnis gerechter war als der Spielverlauf, und an dem beide Klubs zeigten, warum sie in dieser Liga genau da stehen, wo sie stehen: irgendwo zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Oder, wie ein Hainburger Fan beim Hinausgehen sagte, während er sich den Schal enger zog: "Wenn wir die Chancen nächstes Mal auch reinmachen, wird’s vielleicht sogar ein Sieg. Vielleicht." Augenzwinkernd lässt sich festhalten: Der FK Hainburg bleibt die Mannschaft der späten Antworten - und der FC Floridsdorf die des präzisen ersten Schusses. Auf dem Papier ein 1:1, in den Köpfen aber ein Spiel, das länger nachhallt, als mancher Abwehrspieler laufen konnte. 20.12.643987 18:55 |
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Gegen uns hätten wir auch gewonnen.
Klaus Allofs