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Es war ein Februarabend, der in Hainburg wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird - und das nicht nur wegen der frostigen Temperaturen im Stadion an der Donau. 20.397 Zuschauer erlebten beim Liga-Pokal-Halbfinale zwischen dem FK Hainburg und dem FC Höchst ein 1:1, das mehr Dramatik, Leidenschaft und Schweiß bot, als es das nüchterne Ergebnis vermuten lässt. Von Beginn an war klar: Beide Teams hatten sich vorgenommen, nicht zimperlich miteinander umzugehen. Schon nach zwei Minuten knallte Gustav Peters den Ball erstmals auf das Tor der Gäste. "Ich wollte gleich zeigen, dass wir da sind", grinste der 23-Jährige später. Doch während Hainburgs Schüsse noch harmlos wirkten, nutzte Höchst seine erste klare Chance eiskalt. In der 22. Minute zog Michael Kopp nach Vorlage von Adriano Ramallo aus rund 18 Metern ab - und der Ball zappelte im Netz. 0:1. Hainburgs Keeper Sebastian Bogusz streckte sich vergeblich, und Trainer Andreas Swoboida raufte sich die Haare: "Wir hatten vorher drei Möglichkeiten, und dann kommt so ein Sonntagsschuss - an einem Sonntagsspiel!" Fortan übernahm Höchst mehr und mehr die Kontrolle. 59 Prozent Ballbesitz sprechen eine klare Sprache. Die Gäste ließen den Ball laufen, als wäre er ihr bester Freund, während Hainburgs Spieler mitunter wie Zaungäste wirkten. Gelbe Karten für Gerard Bettencourt (25.) und Walter Bock (41.) zeigten, dass die Hausherren mit Härte gegen den drohenden Rückstand angingen. Doch die zweite Halbzeit gehört bekanntlich den Mutigen - und Hainburg fand seinen Mut wieder. Nach dem Seitenwechsel brachte Swoboida mehr Tempo über die Flügel, wechselte in der 60. Minute Iban Valentin für James Beglin ein. "Ich hab’ ihm nur gesagt: Lauf, Junge, lauf!", verriet der Coach. Kaum eine Minute später fiel der Ausgleich - und wie! Rhys Warrington flankte butterweich von links, Pau Antunes nahm den Ball direkt und drosch ihn ins rechte Eck. 1:1 in der 61. Minute, und das Stadion explodierte. Antunes, sonst eher der ruhige Typ, rannte jubelnd an der Ersatzbank vorbei und schrie Richtung Tribüne: "Jetzt glaubt ihr wieder an uns, oder?" - ein Satz, der später auf tausend Social-Media-Posts landen sollte. Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Lars Merkel und erneut Peters prüften Höchst-Keeper Alexandre Marchand mehrfach, während auf der Gegenseite Adam Malfoy gleich drei Mal (34., 55., 86.) gefährlich auftauchte. Doch Bogusz im Hainburger Tor wuchs über sich hinaus. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft der Ball auf mich zukam", lachte er nach Schlusspfiff. "Aber die Finger tun weh, also müssen’s viele gewesen sein." Die Schlussphase war nichts für schwache Nerven. Nach einer weiteren Hainburger Einwechslung - Thuringer kam für den müden Warrington (80.) - drängte das Heimteam auf den Sieg. Merkel traf in der 91. Minute beinahe noch das Netz, doch der Ball rauschte knapp über die Latte. "Wenn der reingeht, reden wir von einem Fußballmärchen", seufzte Swoboida, der sich nach Abpfiff dennoch mit einem breiten Grinsen feiern ließ. FC-Höchst-Coach Ronnie Ekström zeigte sich dagegen enttäuscht, aber fair: "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber nicht den Gegner. Hainburg wollte es mehr - und das hat man gespürt." Sein Kapitän Kopp nickte: "So ist Fußball. Mal schießt du das Tor des Monats, und am Ende reicht es trotzdem nicht." Am Ende standen elf Torschüsse für Hainburg, neun für Höchst - eine ausgeglichene Bilanz in einem Spiel, das alles andere als langweilig war. Hainburg verteidigte leidenschaftlich, gewann knapp über die Hälfte seiner Zweikämpfe (51,3 Prozent), während Höchst zwar die elegantere Spielanlage zeigte, aber im entscheidenden Moment zu wenig Biss hatte. Als die Spieler nach dem Schlusspfiff in die Kurve liefen, sangen die Fans, als hätte Hainburg gerade die Champions League gewonnen. In gewisser Weise hatten sie das auch - zumindest emotional. "Manchmal ist ein 1:1 schöner als ein 3:0", sagte Trainer Swoboida mit einem Augenzwinkern. "Vor allem, wenn’s ins Finale führt." Und während die Flutlichter langsam erloschen, blieb das Gefühl, dass dieser Abend ein kleines Stück Hainburger Fußballgeschichte geschrieben hat - mit Herz, Humor und einem Schuss Wahnsinn. 21.03.643990 09:20 |
Sprücheklopfer
Jetzt müssen wir gegen Stuttgart gewinnen. Ob wir wollen oder nicht.
Otto Rehhagel