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Hainburg dreht das Spiel - Spätstarter mit drei Gängen mehr als Krems

Ein kalter Februarabend, Flutlicht, 23.566 Zuschauer und das, was man gemeinhin als "Fußball mit Verspätung” bezeichnet. FK Hainburg schlägt Krems mit 3:1 (0:1) - und das, obwohl die erste Halbzeit eher nach einem gemütlichen Spaziergang durchs Mittelfeld aussah. Doch dann kam die Schlussviertelstunde, und plötzlich erinnerte Hainburgs Offensivspiel an ein aufdrehendes Orchester - mit Rhys Warrington als Dirigent und Benjamin Thuringer als launischem Solisten.

Dabei begann alles denkbar unglücklich für die Hausherren. Krems, taktisch diszipliniert und mit einem Hauch von Abgeklärtheit, nutzte in der 43. Minute die erste echte Unachtsamkeit der Hainburger Hintermannschaft eiskalt: Friedrich Schulz flankte butterweich von links, Walther Adam nahm den Ball volley und versenkte ihn ins lange Eck - 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten, weil ich mir dachte: Schlimmer kann’s nicht werden", grinste Adam später. Und schlimmer wurde es für Hainburg tatsächlich - zumindest bis zur Pause.

Trainer Andreas Swoboida stapfte mit verschränkten Armen in die Kabine und murmelte lautstark etwas von "mehr Mut und weniger Querpässen". Sein Team schien ihn gehört zu haben, zunächst aber ohne Fortune. Hainburg schoss aus allen Lagen - 15 Torschüsse insgesamt, fast dreimal so viele wie Krems - doch der Ball wollte einfach nicht rein. Gustav Peters probierte es früh (6., 31., 33., 59.), Rhys Warrington tänzelte sich mehrfach durch die rechte Abwehrseite, doch Kremser Keeper Marcel Peltier hielt, was zu halten war.

In der 70. Minute wechselte Swoboida dann doppelt: Carey kam für Peters, Bock ersetzte später Antunes. Der Trainer sollte ein goldenes Händchen beweisen. "Ich hab Walter gesagt, geh rein und spiel, als wär’s dein Garten hinterm Haus", erzählte Swoboida nach dem Spiel schmunzelnd. Und Bock tat genau das.

83. Minute - endlich der Ausgleich. Rhys Warrington setzte sich links durch, passte flach in den Rückraum, und Walter Bock drosch den Ball unter die Latte. Das Stadion explodierte. "Ich dachte kurz, das Tornetz fliegt mit", lachte Bock. Nur zwei Minuten später drehte Hainburg das Spiel komplett: William Mills flankte von links, Warrington schlich sich in den Rücken der Abwehr und köpfte zum 2:1 ein (85.).

Krems wirkte geschockt, die Ordnung verloren, das Pressing blieb weiterhin auf "Nein" gestellt - und Hainburg roch Blut. In der 87. Minute machte Benjamin Thuringer den Deckel drauf, wieder nach Vorlage von Warrington. Der Engländer, der über weite Strecken des Spiels zu den Aktivsten gehörte, wurde von den Fans gefeiert, als hätte er das Champions-League-Finale entschieden. "Ich hab einfach Spaß gehabt", sagte er nach dem Abpfiff mit einem typisch britischen Understatement.

Statistisch gesehen war’s ein ausgeglichenes Spiel - 50,4 Prozent Ballbesitz für Hainburg, 49,6 für Krems -, aber wer die letzten zehn Minuten sah, konnte kaum glauben, dass hier zwei gleichwertige Teams auf dem Platz standen. Hainburg war plötzlich aggressiv, leidenschaftlich, ja fast schon übermotiviert. Die Taktikeinstellung wechselte von "ausgewogen" zu "Pressing: ja, bitte!" - mit vollem Erfolg.

Krems hingegen blieb brav bei seiner defensiven Balance, als würde ein innerer Algorithmus sagen: "Bloß keine Risiken." Das rächte sich. Nach dem Spiel stand Trainer Swoboida mit einem breiten Grinsen vor den Kameras: "Manchmal braucht’s halt 80 Minuten, bis der Motor warm ist." Sein Gegenüber, Kremser Coach (Name nicht überliefert), nickte nur und meinte trocken: "Wir hätten vielleicht das Pressing gefunden, wenn’s in der Kabine lag."

Ein kleines Kuriosum am Rande: Nach dem 3:1 versuchte Benjamin Thuringer laut eigener Aussage, den Ball als Souvenir mitzunehmen - nur um ihn Sekunden später von einem Balljungen zurückzufordern, der ihn "für den Verein" retten wollte. "Ich geb ihn wieder, wenn wir aufsteigen", versprach Thuringer lachend.

So endet ein Spiel, das lange nach einer Niederlage für Hainburg aussah, in einem späten, aber verdienten Triumph. Drei Tore in vier Minuten - das nennt man wohl einen Energieausbruch auf Kommando. Die Fans sangen, der Trainer grinste, und die Spieler klatschten sich ab, als hätten sie gerade einen Fluch gebrochen.

Vielleicht war’s kein perfektes Spiel, aber ein perfekter Abend für Hainburg. Und wenn man Andreas Swoboida nach dem Geheimnis dieses Comebacks fragt, antwortet er mit einem Augenzwinkern: "Ganz einfach: Wir spielen erst gut, wenn’s fast zu spät ist."

Ein Satz, der nach diesem 3:1 gegen Krems wohl in jedes Hainburger Phrasenschwein gehört.

15.07.643990 10:03
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