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Es war einer dieser Abende, an denen Fußballromantiker auf ihre Kosten kommen. 28.941 Zuschauer im Hainburger Stadion sahen beim 28. Spieltag der 2. Liga Österreich ein Wechselbad der Gefühle: Der FK Hainburg lag zurück, kämpfte sich mit Geduld und Ausdauer zurück - und siegte am Ende verdient mit 2:1 gegen den SV Mödling. Dabei hatte es lange Zeit nicht danach ausgesehen, als würde die Mannschaft von Trainer Andreas Swoboida noch jubeln dürfen. Die erste Halbzeit war ein Lehrstück in Sachen "Wie man Ballbesitz ohne Wirkung hat" - 51,6 Prozent für Hainburg, aber kaum zwingende Aktionen. Die Gastgeber kombinierten gefällig, doch spätestens am Strafraum war Schluss. "Ich hab schon überlegt, ob wir das Tor vielleicht zwei Meter breiter machen müssen", frotzelte Swoboida später mit einem Augenzwinkern. Mödling stand tief, lauerte auf Konter und hatte mit dem jungen Jose Enrique Roi einen pfeilschnellen Stürmer, der in der 65. Minute genau das tat, was seine Mitspieler von ihm erwarten: Er entwischte der Hainburger Abwehr, nahm den Pass von Gustav Westphal mit und schob eiskalt zum 0:1 ein. Der Jubel der mitgereisten Fans war laut - und kurz. Denn Hainburg reagierte, wie man es von einer Mannschaft mit Nervenstärke erwartet. Swoboida brachte den 17-jährigen Torhüter Torvald Bak und frische Beine auf den Flügeln. Noch während der Stadionsprecher die Auswechslungen durchgab, schien ein Ruck durch das Team zu gehen. In der 74. Minute war es dann so weit: Alexander Carey setzte sich auf rechts gegen zwei Verteidiger durch, legte quer, und Iban Valentin drosch den Ball aus 14 Metern unter die Latte. 1:1, und das Stadion bebte. "Ich hab den Ball perfekt getroffen", grinste Valentin später, "aber ehrlich gesagt: Ich wollte eigentlich flanken." Nun war der Bann gebrochen. Hainburg drückte, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. 16 Torschüsse am Ende sprechen eine klare Sprache, während Mödling nur viermal ernsthaft auf das Tor kam. In der 82. Minute dann der Moment, über den man in Hainburg wohl noch eine Weile sprechen wird: Benjamin Thuringer, gerade erst eingewechselt, schickte Eri Lohmann steil. Der Stürmer blieb cool, schob flach ins lange Eck - 2:1. Die Fans sprangen von den Sitzen, Swoboida ballte die Faust, und selbst der Linienrichter soll kurz gelächelt haben. "Nach dem Rückstand hat jeder gespürt, dass wir das hier nicht verlieren dürfen", sagte Lohmann später, während er sich eine Eiskompresse aufs Knie hielt. Sein Trainer ergänzte: "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr schon 16 Mal schießt, sollte wenigstens einer reingehen. Es wurden zwei - das nenn ich Effizienz!" Mödling hingegen wirkte nach dem Ausgleich konsterniert. Trainer Mario Richter (der sich nach dem Spiel hinter einer großen Kaffeetasse versteckte) sprach von "einem unglücklichen Spielverlauf" und "fehlender Cleverness in den entscheidenden Momenten". Seine junge Truppe - mit fünf Spielern unter 20 Jahren - zeigte zwar Moral, ließ aber in der Schlussphase die Coolness vermissen. Zu allem Überfluss kassierten Uwe Hausmann (72.) und Vicente Zuloaga (84.) noch Gelbe Karten, während Hainburgs Antoine Boon in der Nachspielzeit ebenfalls verwarnt wurde - mehr aus Überschwang als aus Notwendigkeit. Die letzten Minuten wurden zum reinen Verteidigungskampf. Der junge Keeper Bak, kaum 17 Jahre alt, faustete in der 89. Minute eine scharfe Hereingabe von Fabian Rausch aus der Gefahrenzone - und rettete damit den Sieg. Nach dem Schlusspfiff fiel er seinem Trainer in die Arme. "Ich hab ihn reingeworfen, weil er im Training so frech war", grinste Swoboida. "Heute hat er mir gezeigt, dass sich Frechheit manchmal lohnt." Am Ende steht ein verdienter 2:1-Erfolg für den FK Hainburg, der nicht nur drei Punkte, sondern auch eine ordentliche Portion Selbstvertrauen einbringt. Die Fans sangen noch lange nach dem Abpfiff, während die Mödlinger enttäuscht in der Kabine verschwanden. Oder, wie es ein älterer Hainburg-Anhänger auf der Tribüne zusammenfasste: "Erst haben sie mich fast zum Einschlafen gebracht, dann fast vom Sitz gehauen - das ist Fußball, wie ich ihn mag." Und man möchte hinzufügen: besser hätte das Drehbuch an diesem Abend kaum geschrieben sein können. 30.07.643993 09:32 |
Sprücheklopfer
Als ich zuletzt Sergio in Eurosport gesehen habe, dachte ich mir auch nur: Das kann er nicht sein, da muss sich einer maskiert haben.
Rainer Calmund