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Ein Tor. 26 Torschüsse. 3664 Zuschauer, die sich fragten, ob sie vielleicht heimlich in einer Dauerwerbesendung für Torhüterhandschuhe gelandet sind. Am Ende aber stand es tatsächlich 0:1 - Empor Rostock gewann beim ASC Dudweiler und nahm drei Punkte mit, die sie sich mit Nachdruck und einer beinahe sportwissenschaftlichen Demonstration des Begriffs "Einbahnstraßenfußball" verdienten. Schon nach wenigen Minuten war klar, wer hier die Richtung vorgab: Rostock. Die Gäste kombinierten, drückten, schossen - und schossen - und schossen. Der Ballbesitz von 54,6 Prozent sagt wenig darüber aus, wie sehr Dudweiler in der eigenen Hälfte eingeschnürt war. Es war eher ein Überlebenstraining als ein Heimspiel. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", schnaufte ASC-Keeper Dieter Rieger nach dem Abpfiff. "Aber ich glaube, ich hab mehr Paraden als mein Counterpart Ballkontakte hatte." Und er übertrieb kaum: Rostocks Torwart Max Falk stand meist so weit vorne, dass er fast Eintritt hätte zahlen müssen, um überhaupt noch als Zuschauer zu gelten. In der 24. Minute fiel dann das, was man in Dudweiler wohl als unvermeidlich bezeichnen muss: Der 35-jährige Maik Haase, schon länger sowas wie die personifizierte Erfahrung im Rostocker Sturm, verwertete eine Hereingabe von Valter Holmqvist trocken zum 0:1. Ein klassischer Angriff über links, präzise gespielt, schnörkellos vollendet. "Valter hat den Ball so butterweich reingeflankt, ich musste nur noch den Fuß hinhalten", grinste Haase später. Die einzige echte Antwort der Hausherren folgte kurz nach der Pause: Klaus Lutz, 19 Jahre jung und offenbar unerschrocken, prüfte Rostocks Keeper Falk mit einem satten Abschluss - der erste und einzige Torschuss der Saarländer an diesem Abend. Falk hielt, wischte sich einmal ungläubig über die Handschuhe und hatte den Rest der Partie wieder Freizeit. Dudweiler kämpfte, das muss man ihnen lassen. Doch während Rostock weiter im Minutentakt aufs Tor zielte - Hauser, Hofmann, Hafner & Co. wechselten sich ab - blieb der ASC im Spielaufbau so zäh wie ein Montagmorgen. Hinzu kamen zwei Gelbe Karten für Benjamin Singer (41.) und Patrick Kuhn (81.), eine Verletzung von Taylor Eliot (75.) sowie der verzweifelte Versuch, mit Joker Benyamin Bayer noch einmal Schwung zu bringen. "Wir wollten mutiger werden", erklärte ein sichtlich gefasster Kuhn nach der Partie. "Aber das war heute wie gegen eine Wand laufen - nur dass die Wand auch noch Flügel hat." Rostocks Coach Johan Johansson blieb trotz des knappen Resultats gewohnt nordisch kühl. "Wir hätten früher alles klar machen müssen", meinte er. "Aber ich mag solche Spiele. Da sieht man, wer Geduld hat." Auf die Frage, ob 26 Torschüsse ihm genügten, schmunzelte er: "Nein, aber sie zeigen, dass wir wissen, wo das Tor steht. Jetzt müssen wir nur noch öfter rein treffen." Die Statistiken erzählten ihre eigene Geschichte: 26:1 Schüsse auf das Tor, 59,6 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Rostock, 45 zu 55 Prozent Ballbesitz - und trotzdem nur ein einziges Tor. Für Dudweiler immerhin ein Teilerfolg: Sie hielten die Niederlage in Grenzen und bewiesen, dass man auch mit beherztem Verteidigen das Publikum bei Laune halten kann. "Wir sind kein Kanonenfutter", knurrte ASC-Kapitän Singer in der Mixed Zone. "Wenn die da vorne den Ball nicht reinkriegen, ist das nicht unser Problem." Ob er das ernst meinte oder bloß Frust abließ, blieb offen - seine Gelbe Karte sprach jedenfalls für Letzteres. Und so blieb es beim 0:1, einem Ergebnis, das nüchtern aussieht, aber ein Spiel kaschiert, das alles andere als langweilig war. Empor Rostock spielte, Dudweiler kämpfte, und das Publikum bekam wenigstens genug zu sehen, um sich beim nächsten Heimspiel wieder Hoffnungen zu machen. "Beim Rückspiel machen wir’s besser", versprach Trainer Kuhn mit einem gequälten Lächeln (auch wenn er sich vermutlich dachte: Schlechter geht’s kaum). Ein Spiel, das in den Statistiken klar war, auf der Anzeigetafel aber knapp - und das zeigt, dass Fußball manchmal eine dieser Launen hat, die selbst 26 Torschüsse nicht vertreiben können. Oder, wie es Maik Haase nach seinem goldenen Treffer sagte: "Manchmal reicht eben einer." 16.12.643993 04:05 |
Sprücheklopfer
Wenn ich den Martin Schneider weiter aufstelle, glauben die Leute am Ende wirklich noch, ich sei schwul.
Friedel Rausch