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Ein Abend wie aus dem Lehrbuch der englischen Liga: Flutlicht, volle Ränge, kalter Wind - und ein Heimsieg, der nie kam. Vor 50.103 Zuschauern im St. Mary’s Stadium unterlagen die tapferen, aber spät erwachten "Saints" vom FC Southampton den London Gunners mit 1:2 (0:2). Wieder einmal war es Jose Suarez, der mit einem Doppelpack schon in der ersten halben Stunde den Unterschied machte - und die Gastgeber ins Grübeln stürzte. Die Partie begann mit einem Knall, allerdings nicht auf der Anzeigetafel, sondern auf dem Rasen: Schon in der 1. Minute prüfte Suarez den Heimkeeper Alberto Mancuso mit einem ersten Warnschuss. "Da wusste ich, heute wird’s sportlich", murmelte Mancuso später in der Kabine, der in der Halbzeit dann auch ausgetauscht wurde - ob verletzungsbedingt oder aus reiner Nervenökonomie, blieb offen. Die Gunners übernahmen von Beginn an das Kommando. Mit 56 Prozent Ballbesitz und 13 Torschüssen setzten sie früh ihre Marke, während Southampton in der ersten Hälfte kaum aus dem eigenen Drittel kam. In der 18. Minute war es dann soweit: Adam Ross legte von links quer, Suarez nahm den Ball direkt - 0:1. Ein Treffer wie aus dem Lehrfilm "Effizienz im Strafraum". Trainer Mario Roth grinste später süffisant: "Wir trainieren das nicht - Jose macht das einfach, weil er’s kann." Elf Minuten darauf wieder dasselbe Duo: Ross bedient Suarez, der diesmal mit einem Haken zwei Verteidiger alt aussehen ließ und erneut einschob. 0:2, und man hatte das Gefühl, Southampton könne noch Stunden spielen, ohne ein Tor zu erzielen. Von den Rängen hallte ein ironisches "Come on, Saints!", das mehr nach Galgenhumor klang als nach Aufbruch. Zur Pause dann ratlose Gesichter bei Trainer Michael Böning. Der stellte um, brachte mit Beginn der zweiten Hälfte frische Energie und Mut - und das merkte man. Southampton presste höher, kämpfte verbissener. "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen sich mal erinnern, dass sie Fußballprofis sind", erzählte Böning später mit einem trockenen Lächeln. Die Gunners blieben zwar gefährlich, verloren aber etwas an Biss. Maurice Blanchett sah nach einem übermotivierten Einsteigen in der 70. Minute Gelb, kurz darauf folgte Ellis Stokes mit derselben Farbe (82.). Der Londoner Verteidiger kommentierte es lapidar: "War halt ein bisschen spät dran." Dann die 69. Minute, die das Stadion endlich weckte: Albert Morais flankte scharf von rechts, und der junge Billy Benett, gerade einmal 20, traf per wuchtigem Schuss zum 1:2. Der Jubel war ohrenbetäubend, ein Funken Hoffnung glomm auf. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Benett, "und gehofft, dass keiner im Weg steht - nicht mal der Torwart." Southampton drückte nun, erspielte sich Chancen durch Gabriel Beecroft (81.) und Manuel Tiago (86.), doch Gunners-Keeper Dorian Verguts blieb standhaft. Einmal flog er spektakulär in die Ecke, als wolle er die Fotografen beeindrucken - was ihm zweifellos gelang. Die Nachspielzeit brachte noch ein wildes Durcheinander: Beecroft scheiterte in der 94. Minute knapp, dann handelte sich Gunners-Rechtsverteidiger Georges Jürgens noch eine Gelbe Karte ein, als er den Ball etwas zu leidenschaftlich ins Publikum drosch. "Ich wollte ihn nur meinem Cousin schenken", grinste er hinterher. Am Ende blieb es beim 1:2, ein Ergebnis, das den Spielverlauf treffend einfängt: London effizient, Southampton engagiert, aber zu spät erwacht. Statistisch war’s ein Duell auf Augenhöhe - fast. 9 Torschüsse und 44 Prozent Ballbesitz für die Saints, 13 Abschlüsse und 56 Prozent Kontrolle für die Gäste. Die Zweikampfquote von knapp 48 Prozent spricht für ein offenes, wenn auch nicht immer sauberes Spiel. Trainer Roth zeigte sich nach Abpfiff zufrieden: "Manchmal reicht’s, zwei Tore zu schießen und den Rest ordentlich zu verwalten - Kunst muss ja nicht immer schön sein." Kollege Böning dagegen suchte Trost im Humor: "Wir haben in der zweiten Halbzeit bewiesen, dass wir auch Fußball können. Leider zählt die erste Hälfte ja auch." Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus. Vielleicht, weil sie spürten, dass dieser Abend mehr Mut als Punkte gebracht hatte. Und irgendwo auf der Tribüne, so munkelt man, sagte ein älterer Fan mit trockenem Lächeln: "Wenn wir immer erst nach dem 0:2 anfangen zu spielen, sollten wir das nächste Mal einfach früher hinten liegen." Ein Satz, der nach diesem 32. Spieltag wohl als treffendste Analyse durchgehen dürfte. 02.04.643990 03:04 |
Sprücheklopfer
Ein Denkmal will ich nicht sein, darauf scheißen ja nur die Tauben.
Toni Polster auf die Frage, ob er in Köln schon ein Denkmal sei