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| L’Equipe |
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Ein kühler Januarabend, Flutlicht über dem Stade de Roudourou, 29.076 Zuschauer mit rotem Schal und warmer Stimme - und ein Spiel, das zeigte, warum Fußball manchmal einfach das bessere Theater ist. AC Guingamp besiegte am 20. Spieltag der 1. Liga Frankreich den FC Nancy mit 2:1 (1:1). Es war kein glattes Stück Fußballkunst, eher ein dramatisches Kammerspiel voller Ecken, Kanten und einem Helden, der eigentlich keiner sein sollte: Linksverteidiger Gérard Robert. Die Partie begann mit einer Prise Chaos und viel Mut beider Seiten. Schon in der fünften Minute sorgte Guingamps Rechtsverteidiger Patrik Bloch mit einem strammen Schuss für erste Wärme im Stadion - leider nur für die Handschuhe von Nancys Keeper Jacques Devereux. Auf der Gegenseite hingegen legten die jungen Wilden aus Nancy los, als wollten sie die Liga wachrütteln: Der 18-jährige Henri Maxime prüfte den Torwart in Minute 19, kurz darauf durfte Christophe Fortin gleich zweimal abziehen. Fortin war es dann auch, der in der 29. Minute die Gäste jubeln ließ. Nach feinem Zuspiel von Bruno Cartier, der den Ball elegant durch zwei Beine hindurchsteckte, schob Fortin zum 0:1 ein. "Ich hab den nur noch weitergeleitet", grinste der 31-Jährige später. "Wenn ich ehrlich bin: Der Pass war schöner als das Tor." Doch Guingamp reagierte mit der Ruhe eines Teams, das weiß, dass Fußball 90 Minuten dauert. Und mit Claus Berndt, 23 Jahre jung und offenbar ohne Angst vor irgendwem. In der 41. Minute zog er nach einem feinen Pass von Alexandre Aimée von rechts in den Strafraum, täuschte kurz an - und schlenzte das Leder zum 1:1 ins lange Eck. Der Jubel war mehr Befreiung als Freude. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Trainer (dessen Name die Statistik uns verschweigt) nach der Partie, "aber Claus dachte wohl, das wäre ein Witz." Die zweite Halbzeit begann mit einem Schreckmoment: Nancy wechselte gleich doppelt - Torwart Devereux blieb draußen, der 18-jährige Joseph Carrier kam. Keine fünf Minuten später war klar, dass der Junge noch ein paar Spiele braucht, um die Nerven zu härten. In der 57. Minute flanke Simard von halbrechts in den Strafraum, Carrier zögerte, und Gérard Robert, eigentlich Linksverteidiger, stieg hoch wie ein Mittelstürmer. Kopfball, Tor, 2:1. "Ich wusste gar nicht, dass ich so springen kann", grinste Robert später in die Mikrofone. Sein Trainer klopfte ihm auf die Schulter: "Ab jetzt übt er wohl Freistöße." Danach wurde’s wild. Nancy drängte, hatte mehr Torschüsse (zehn zu neun) und schob die Partie phasenweise tief in Guingamps Hälfte. Maxime rannte, Fortin fluchte, und in der 77. Minute wurde es bitter: Der eingewechselte Christophe Bourgeois verletzte sich gleich nach seiner Einwechslung. Trainer Manuel Schaminet schüttelte nur den Kopf: "Das war sinnbildlich für unsere Saison. Wir wechseln, und das Schicksal wechselt zurück." Guingamp hielt dagegen - mit 55,7 Prozent Ballbesitz und einer Abwehr, die mal wackelte, aber nie fiel. In der Nachspielzeit hatte Joshua Graysmark noch eine Chance zum 3:1, scheiterte aber an Carrier, der sich mit einer Parade für den frühen Schreck rehabilitierte. Danach pfiff der Schiedsrichter ab, und das Stadion atmete hörbar aus. "Das war kein leichtes Spiel", fasste Torschütze Berndt zusammen. "Nancy hat gedrückt, aber wir haben gebissen." Trainer Schaminet hingegen sah das anders: "Guingamp hatte Glück. Und vielleicht einen besseren Friseur." Die Statistik untermauert das Drama: Guingamp mit mehr Ballbesitz, Nancy mit mehr Torschüssen - doch am Ende zählen Tore, nicht Tabellenkalkulation. Und so ging ein Abend zu Ende, an dem ein Verteidiger zum Matchwinner wurde, ein Torwart debütierte und ein Trainer mit Galgenhumor glänzte. Der AC Guingamp bleibt damit im oberen Mittelfeld, während Nancy weiter unten festhängt - mit mehr Fragezeichen als Punkte. Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne murmelte, als der Abpfiff ertönte: "Fußball ist wie das Leben. Manchmal trifft der, der eigentlich verteidigen soll." Ein Satz, der an diesem frostigen Abend in der Bretagne erstaunlich warm klang. 07.09.643987 18:20 |
Sprücheklopfer
He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
Lothar Matthäus im Pokalhalbfinale Bayern gegen Rostock zu Christian Brand: