Anpfiff
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Guillen-Gala in Weiler: Teenager schießt Bösingen fast allein ab

Ein kalter Samstagabend im Allgäu, Flutlicht, 12.500 Zuschauer, und auf dem Rasen ein 18-jähriger, der offenbar beschlossen hatte, dass er heute einfach mal Geschichte schreibt. Weiler im Allgäu besiegt den VfB Bösingen mit 3:2 (2:0) - und das dank eines gewissen Ruben Guillen, der dreimal traf, als wäre er schon seit Jahren der Star der 3. Liga.

Trainer Mino Raiola grinste nach dem Abpfiff verschmitzt: "Ich hab ihm vor dem Spiel gesagt, er soll einfach Spaß haben. Offenbar hat er Spaß daran, Tore zu schießen." Spaß, das war tatsächlich das richtige Wort, zumindest für die erste Halbzeit. Bösingen wirkte in den ersten 45 Minuten, als hätten sie den Bus noch im Kreisverkehr geparkt, während Weiler bereits durchstartete.

In der 27. Minute war es dann soweit: Ronald Bertram, der rechte Flügelflitzer, setzte sich nach feinem Solo durch und legte quer auf Guillen - 1:0. Nur fünf Minuten später wiederholte sich das Schauspiel in anderer Besetzung. Daniel Philipp, eigentlich Innenverteidiger und nicht unbedingt für filigrane Flanken bekannt, drosch den Ball hoch in den Strafraum, wo Guillen zum 2:0 einköpfte.

Bösingen? Nun ja, sie waren da. Zumindest laut Statistik: 51,5 Prozent Ballbesitz, 13 Torschüsse - aber die Latte hatte beim Warmmachen offenbar mehr Ballkontakte als so mancher ihrer Offensivspieler. Einziger Lichtblick: Dimas Postiga, der sich vorne aufrieb, während seine Mitspieler lieber auf Sicherheit passten.

Kurz vor der Pause eine Schrecksekunde: Michel Hierro, Weilers rechter Verteidiger, verdrehte sich bei einem Zweikampf das Knie. Der 17-jährige Friedrich Jacobs kam für ihn - und spielte, als hätte er den Job schon ewig. "Ich war nervös, ja", gab Jacobs später zu. "Vor allem, weil meine Mutter im Publikum saß. Die hat mehr geschrien als Mino Raiola an der Seitenlinie."

Nach dem Seitenwechsel brauchte Guillen genau zwei Minuten, um den Hattrick zu vollenden. Robin Born schickte ihn steil, und der Youngster überwand Bösingens Keeper Kamil Chalaskiewicz trocken ins lange Eck. 3:0, und im Stadion sang man schon von Tabellenplätzen, von denen man sonst nur träumt.

Doch Bösingen gab sich nicht auf. Trainer Charlie Brown - der Name verpflichtet zu Pechsträhnen - stellte um, und plötzlich lief der Ball. Artur Afzelius zog in der 65. Minute einen Pass durch die Schnittstelle, Nelson Roy lief ein und traf zum 3:1. Kurz darauf humpelte derselbe Roy verletzt vom Platz. "Ich hab’s knacken gehört, aber dachte, das war der Ball", sagte er später halb lachend, halb fluchend.

In der Schlussphase wurde es richtig wild. Dimas Postiga, der unermüdliche Portugiese im Sturm der Gäste, traf in der 86. Minute nach Vorlage von John Townsend zum 3:2. Da hatte der Stadionsprecher schon über die "Vorentscheidung" philosophiert - tja, zu früh gefreut.

Die letzten Minuten glichen einem Belagerungszustand. Bösingen schoss aus allen Lagen, insgesamt 13 Mal, während Weiler verzweifelt verteidigte. In der 91. Minute hatte Innenverteidiger Daniel Philipp sogar noch die Chance, alles klarzumachen, doch sein Schuss aus 30 Metern landete … irgendwo in den Bergen. "Ich wollte den Ball einfach weg haben", grinste er später. Mission gelungen.

Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen, aber das interessierte nach Abpfiff niemanden mehr. Guillen bekam den Spielball, die Fans skandierten seinen Namen, und Trainer Raiola murmelte: "Wenn der so weitermacht, ruft morgen Real Madrid an - oder wenigstens Augsburg."

Charlie Brown hingegen stapfte in die Kabine und kommentierte trocken: "Wir haben die erste Halbzeit verschlafen und dann versucht, aus dem Koma zurückzukommen. Leider war der Wecker kaputt."

So gingen die drei Punkte verdient an Weiler im Allgäu, das mit jugendlicher Unbekümmertheit und einem eiskalten Stürmer den Favoriten ärgerte. Und während die Fans noch jubelten, stand Guillen mit breitem Grinsen am Spielfeldrand und sagte: "Ich wollte eigentlich nur ein Tor schießen. Aber dann hat’s halt Spaß gemacht."

Ein Abend, den man im Allgäu so schnell nicht vergisst - und an dem ein 18-jähriger gezeigt hat, dass Fußball manchmal ganz einfach ist: Ball, Tor, Jubel, Legende.

01.01.643988 07:38
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Man soll auch die anderen Mannschaften nicht unter dem Teppich kehren lassen.
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