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Was nützen 56 Prozent Ballbesitz, 15 Torschüsse und ein tobendes Heimstadion, wenn am Ende die Gäste jubeln? CD Guayana musste am Freitagabend im eigenen Stadion eine bittere 1:2‑Niederlage gegen CD Halcones hinnehmen - ein Spiel, das an Dramatik kaum zu überbieten war und bei dem 31 827 Zuschauer alle Gefühlslagen durchlebten. Schon in der Anfangsphase machte Guayana klar, wer Herr im Haus ist. Trainer Ralf Minge hatte seine Elf offensiv eingestellt, und die beherzigte das: Pressing, Tempo, Mut. Bereits in der siebten Minute prüfte Tiago Vaz mit einem satten Linksschuss den Halcones‑Keeper Antonio Chalana. "Da dachte ich, heute wird’s ein Feuerwerk", grinste Minge später - wohlwissend, dass es am Ende eher ein Strohfeuer blieb. In der 15. Minute zahlte sich die Dominanz zunächst aus: Rechtsverteidiger Pietro Albanese setzte sich auf seiner Seite durch, flankte mustergültig in den Strafraum - und Wolfgang Mertens drosch den Ball mit der Präzision eines Uhrwerks zum 1:0 ins Netz. Das Stadion bebte, die Fans sangen, und Guayana wirkte, als könne es den Gegner überrollen. Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn alles so einfach ginge. Halcones‑Trainer Rudi Fischer stand an der Seitenlinie, die Arme verschränkt, und schien innerlich zu murmeln: "Abwarten, Jungs. Die laufen sich schon müde." Und genau so kam es. Während Guayana weiter anrannte, lauerte Halcones auf ihre Chance - und fand sie kurz vor der Pause. In der 43. Minute kombinierte sich das erfahrene Duo Filip Benko und Charlie Kirwan durch die übermütige Guayana‑Hintermannschaft. Benko, der 36‑jährige Spielmacher, steckte den Ball durch, und Kirwan schob eiskalt zum 1:1 ein. "Ich hab nur gedacht: Bitte kein Abseits - und dann war er drin", lachte Kirwan nach dem Spiel. Mit diesem Spielstand ging es in die Kabinen. Während Minge seine Jungs antrieb ("Wir lassen uns hier doch nicht von zwei Methusalems austricksen!"), blieb Fischer gelassen: "Wir haben Plan B - und der heißt Benko." Nach dem Seitenwechsel kam es, wie es kommen musste: Guayana rannte, Halcones punktete. In der 52. Minute war es wieder die Kombination Benko-Simao, die das Spiel entschied. Der junge Nevio Simao legte im Strafraum quer, Benko hielt den Fuß hin - 1:2. Drei Pässe, ein Treffer, eiskalte Effizienz. Von da an spielte Guayana weiter nach vorne, doch der Ball wollte einfach nicht mehr ins Tor. Mertens schoss, Hathaway köpfte, Vaz dribbelte - alles vergeblich. Chalana im Halcones‑Tor wuchs über sich hinaus. "Ich bin 35, aber heute hab ich mich gefühlt wie 25", meinte er lachend. Die Statistik erzählte eine Geschichte, die kaum zum Ergebnis passte: 15:9 Torschüsse, 56 Prozent Ballbesitz, bessere Zweikampfquote. Nur auf der Anzeigetafel stand eben das, was zählt. In der 75. Minute wechselte Minge noch Theo Almond und Leandro Pacos ein, um frischen Schwung zu bringen - doch auch die Joker blieben glücklos. Halcones verteidigte clever, manchmal mit der Gelassenheit alter Hasen, manchmal mit der Härte, die Schiedsrichter gern als "robust" bezeichnen. Bernardo Makukula sah in der 69. Minute Gelb, als er Vaz unsanft stoppte - ein Foul, das in der Wiederholung eher nach "Gelb‑plus" aussah. Fischer winkte ab: "Das war nix, der Junge hat halt Temperament." In der Schlussphase warf Guayana noch einmal alles nach vorn. Keeper Zsolt Fazekas stand zeitweise an der Mittellinie, Minge fuchtelte an der Seitenlinie wie ein Dirigent im letzten Satz einer Sinfonie. In der 89. Minute hatte Olafur Paulsson noch den Ausgleich auf dem Fuß - aber Chalana war erneut zur Stelle. Dann pfiff der Schiedsrichter ab, und über dem Stadion lag dieser typische Klang des Unglaubens: Wie konnte man das verlieren? "Wir haben alles gegeben, nur das Tor vergessen", seufzte Mertens. Trainer Minge versuchte es mit Galgenhumor: "Wir haben das Spiel kontrolliert - leider nicht das Ergebnis." Die Halcones dagegen feierten ausgelassen. Benko, der alte Strippenzieher, strahlte wie ein Jungspund: "Manchmal gewinnt Erfahrung gegen Euphorie." Fischer klopfte ihm auf die Schulter. "Heute warst du mein Plan A, B und C." So endete ein Spiel, das Guayana noch lange ärgern wird. Auf dem Papier war es ein Lehrbuchbeispiel für Ballbesitzfußball - nur das Kapitel "Tore schießen" hatten sie offenbar überblättert. Halcones dagegen machten aus wenig viel, und das ist eben manchmal die schönste Ironie dieses Sports. Und irgendwo in der Kabine von Guayana fiel vermutlich der Satz, den man in solchen Momenten immer hört: "Nächstes Mal machen wir sie rein." Vielleicht. Aber erst, wenn sie aufhören, das schönere Spiel zu spielen - und anfangen, das effektivere. 21.04.643987 17:47 |
Sprücheklopfer
Vor der Saison hat man mir mitgeteilt, dass wir vorne gut bestückt sind.
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