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Es war ein kühler Januarabend in Herning, doch auf dem Rasen des MCH-Arena loderten die Emotionen: Greve Fodbold entführte beim 26. Spieltag der 1. Liga Dänemark mit einem verdienten 2:0-Sieg drei Punkte beim SC Midtjylland. Und das dank eines Mannes, der offenbar beschlossen hatte, die Defensive der Gastgeber im Alleingang zu ruinieren: Jozef Oklestek, 31 Jahre jung, Rechtsaußen mit der Eleganz eines Tänzers und der Kaltschnäuzigkeit eines Raubtiers. Vor 40.000 Zuschauern begann die Partie mit einem Paukenschlag - allerdings nur in Sachen Einsatz. Midtjylland, von Anfang an offensiv ausgerichtet, drückte, rannte, kämpfte - und stand dann doch meist einem blauen Bollwerk gegenüber. "Wir wollten sie hinten einschnüren", erklärte Heimtrainer (der Name blieb an diesem Abend so blass wie seine Mannschaft) nach Abpfiff, "aber irgendwie haben sie sich nicht einschnüren lassen." Greve hingegen spielte kühl wie ein Nordwind. 18 Torschüsse, 53 Prozent Ballbesitz - Zahlen, die für sich sprechen. Besonders Oklestek war kaum zu fassen. In der 43. Minute stand er goldrichtig, als Olivier Haas, der sonst für rustikale Grätschen bekannt ist, plötzlich einen Zuckerpass in den Strafraum spielte. Oklestek nahm den Ball mit der Brust an, ließ einen Verteidiger ins Leere rutschen und schob flach ins linke Eck ein. 0:1 - und Midtjylland wirkte von da an wie ein Boxer, der gerade den ersten Haken kassiert hat. "Ich dachte eigentlich, der Ball sei schon draußen", grinste Oklestek später. "Aber wenn man wartet, bis Midtjylland aufhört zu spielen, hat man viel Platz." Die Gastgeber hatten zwar ihre Momente - Ion Petre prüfte in der 17. Minute Keeper Fabian Baer mit einem satten Schuss, Luca Sellia versuchte es kurz nach der Pause noch einmal - doch all das blieb Stückwerk. Greve verteidigte kompromisslos, und wenn mal was durchkam, war Baer da, als hätte er magnetische Handschuhe. Die Szene des Spiels folgte in der 76. Minute: Luke Winfield, der bis dahin eher unauffällige linke Mittelfeldmann, zog elegant an zwei Verteidigern vorbei und legte quer auf - natürlich Oklestek. Der tschechische Flügelstürmer nahm Maß und versenkte den Ball kompromisslos im Netz. 0:2, der Deckel drauf. Der Jubel? Eher verhalten - Oklestek hob nur die Arme, als wolle er sagen: "Ich kann ja auch nichts dafür, dass ihr mich nicht deckt." Während Greves Trainer Jean Vignoble an der Seitenlinie genüsslich an seinem Kaugummi kaute, verfiel der Heimtrainer in eine Art stoischen Gleichmut. "Wir hatten die Chancen, aber das Tor war heute einfach zu klein", murmelte er nach dem Spiel. Tatsächlich hatte Midtjylland nur sechs Torschüsse, und von "zu klein" konnte da eigentlich keine Rede sein - eher von "zu ungenau". Als sich die letzten Fans in dicken Jacken aus dem Stadion verabschiedeten, hörte man noch einen älteren Midtjylland-Anhänger seufzen: "Früher hätten wir so ein Spiel noch gedreht." Sein Enkel daneben: "Früher gab’s auch noch Kassettenrekorder, Opa." Was bleibt vom Abend? Greve Fodbold zeigte, dass Effizienz und Disziplin manchmal mehr wert sind als reine Spielwut. Mit 18 Abschlüssen und einer aggressiven, offensiven Ausrichtung war das Team von Vignoble der klare Herr im Ring. Midtjylland dagegen wirkte, trotz offensiver Taktik und vollem Einsatz, ideenlos. Oklestek wurde folgerichtig zum Mann des Spiels gekürt. "Zwei Tore sind schön, aber drei wären besser", witzelte er im Kabinengang, während Mannschaftskollege Aron Petersen ihm eine Wasserflasche über den Kopf goss. Greve Fodbold klettert mit diesem Auswärtssieg weiter nach oben - und wenn man so weiterspielt, könnte man bald mehr als nur ein unangenehmer Gegner sein. Midtjylland hingegen muss sich fragen, wohin die einst so gefürchtete Heimstärke verschwunden ist. Vielleicht irgendwo zwischen der 43. und der 76. Minute, als Jozef Oklestek das Spiel praktisch im Alleingang entschied. Und so verließ Greve die Arena mit drei Punkten im Gepäck und einem Lächeln im Gesicht. Midtjylland blieb nur das Flutlicht - und die Erkenntnis, dass Fußball manchmal ungerecht, aber immer ehrlich ist. 16.11.643987 00:45 |
Sprücheklopfer
Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
Berti Vogts