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Holyhead - 43.500 Zuschauer im ausverkauften Seaside Park sahen an diesem kühlen Märzabend ein Halbfinale, das zwar kein fußballerisches Feuerwerk bot, dafür aber reichlich Gesprächsstoff. Am Ende jubelten die Gresford Reds, die mit einem 2:0-Sieg über die Holyhead Blues verdient ins Pokalfinale einzogen. Die Tore erzielten Ellis Kober (21.) und Cesc Borreguero (91.), während die Blues ihre Chancen reihenweise liegen ließen - und wohl auch ihren Mut in der Kabine vergessen hatten. Schon die ersten Minuten gaben die Marschrichtung vor: Die Reds kombinierten schnörkellos über die Flügel, während die Blues sich bemühten, den Ball in den eigenen Reihen zu halten - allerdings ohne viel daraus zu machen. In der 8. Minute prüfte der junge Bradley Allington den Holyhead-Keeper Rafael Arino mit einem gefährlichen Schuss, der die Fans der Gäste erstmals aufspringen ließ. Kurz darauf antworteten die Blues mit zwei beherzten Versuchen von Igor Skrtel und Noah Barbier, doch Gresfords Torhüter Lewis Ackland blieb unbeeindruckt. Dann die erste kalte Dusche für die Hausherren: In der 21. Minute fasste sich Ellis Kober, der unermüdliche Taktgeber im Mittelfeld, ein Herz und drosch den Ball nach einem Abpraller aus 18 Metern in die Maschen. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste Kober später, "und siehe da - manchmal hilft Beten." Trainer Christian Sonten nickte zufrieden: "Ellis könnte auch ein Telefonbuch treffen, wenn er es versucht." Die Blues reagierten wütend, aber kopflos. Ramon Vaz zog mehrfach aus der Distanz ab, Andrew Callahan versuchte es über links - doch immer wieder war ein rotes Bein dazwischen. Der Ballbesitz (49,8 Prozent) und die neun Torschüsse der Holyhead-Elf erzählten eine Geschichte von Mühe, aber nicht von Gefahr. "Wir hatten das Spiel eigentlich im Griff", seufzte Blues-Trainer Jürgen Steinmetz. "Leider nur bis zur Mittellinie." Kurz vor der Pause sah Reds-Verteidiger Billy Young Gelb nach einem rustikalen Einsteigen - der einzige Farbtupfer in einer ersten Hälfte, die mehr Kampf als Kunst bot. "Ich hab den Ball gespielt", verteidigte sich Young, "nur war der Ball halt sehr schnell weg." Nach dem Seitenwechsel bäumten sich die Blues kurz auf. Callahan prüfte Ackland zweimal binnen zwei Minuten (48. und 50.), und manch ein Fan glaubte kurz an den Ausgleich. Doch Gresford blieb cool, lauerte auf Konter und schlug zu, als Holyhead gegen Ende alles nach vorne warf. In der Nachspielzeit vollendete Cesc Borreguero nach einem präzisen Pass von Rechtsverteidiger Owen Lorring zum entscheidenden 2:0. Der Spanier breitete die Arme aus, grinste in Richtung der Fans und rief etwas, das wohl "Finale, Baby!" hieß - oder so ähnlich. "Das war der Moment, auf den wir gewartet haben", sagte Borreguero später. "Ich wusste, dass Owen mir den Ball perfekt legt - er hat’s sogar angekündigt." Die Holyhead Blues hingegen wirkten in diesen letzten Minuten wie eine Mannschaft, die sich schon innerlich verabschiedet hatte. Der sarkastische Applaus einiger Fans nach dem Schlusspfiff tat sein Übriges. Steinmetz nahm es mit Galgenhumor: "Wenn man vorne keine Tore macht, gewinnt man hinten keine Pokale." Statistisch lag das Duell auf Augenhöhe: 11:9 Torschüsse, fast ausgeglichener Ballbesitz, aber die Reds waren schlicht effektiver - und abgeklärter. Ihre taktische Linie blieb über 90 Minuten konstant: kompakt, diszipliniert, mit starkem Flügelspiel und kurzen Pässen. Holyhead versuchte sich an ähnlicher Balance, doch während die Gäste ihre Ideen zu Ende spielten, blieb bei den Blues vieles Stückwerk. Ein kleiner Trost: Wenigstens flogen keine Karten mehr, und niemand verletzte sich beim verzweifelten Anrennen. Dafür sorgte der eingewechselte Reece Lochiel in der Nachspielzeit mit einem robusten Zweikampf noch für ein Raunen - "Das war mein Beitrag zum Spektakel", witzelte er später. Am Ende stand ein verdienter Sieger. Die Gresford Reds ziehen ins Pokalfinale ein - und Holyhead muss sich fragen, warum man an einem Halbfinalabend vor heimischer Kulisse so wenig Mut zeigte. Oder wie ein enttäuschter Fan auf der Tribüne es formulierte: "Wir hatten alles - Ball, Platz, Publikum. Nur das Tor hat gefehlt." Vielleicht war’s am Ende einfach zu viel Blau und zu wenig Blut. 10.08.643993 23:59 |
Sprücheklopfer
Wie immer, wenn man Koffer packt, ist das alles nicht so spaßig, Hemden zusammen legen oder Hosen. Vor allem, wenn die eigene Frau nicht dabei ist.
Rudi Völler