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Es gibt Fußballabende, da fragt man sich: Warum tun sie sich das an? Der FC Alfter erlebte beim 19. Spieltag der Landesliga 26 gegen Grebenstein einen jener Abende, die man unter "Lehrstunde in Echtzeit" verbucht. 0:7 lautete das bittere Endergebnis - und das war nicht einmal unverdient. Schon nach drei Minuten wurde klar, dass es für die Gastgeber kein gemütlicher Abendspaziergang werden würde. Linksverteidiger Vicente Dominguez sah früh Gelb, und Grebenstein roch förmlich Blut. "Wir wollten von der ersten Sekunde an zeigen, wer hier das Sagen hat", grinste Grebensteins Trainer Pipa Po nach dem Spiel. Und seine Jungs hielten Wort. Ein Offensivfeuerwerk, angeführt vom 18-jährigen Wunderknaben Ivan Camara, rollte immer wieder auf das Tor von Alfter-Keeper Gustav Frey zu. Schon in der 21. Minute zappelte der Ball zum ersten Mal im Netz: Camara traf nach Vorlage von Rechtsverteidiger Louis Zander - eiskalt, wie ein Routinier. "Ich glaub, der Ball hat nicht mal das Tornetz berührt, so schnell war der drin", murmelte ein Zuschauer mit einem Bier in der Hand und einem Ausdruck zwischen Bewunderung und Fassungslosigkeit. Grebenstein kombinierte, flankte, spielte wie im Rausch. In der 34. Minute erhöhte Herbert Thiele auf 0:2, nachdem Camara quergelegt hatte. Nur vier Minuten später schnürte der junge Stürmer selbst seinen Doppelpack - diesmal nach Vorlage von Rechtsaußen Jürgen Brunner. Zur Pause stand es 0:3, und Alfter-Coach Josef Köhn blickte in die kalte Februarnacht, als suche er dort oben einen Fluchtweg. "Ich hab den Jungs gesagt: Wir spielen weiter defensiv, aber bitte mit Herz", erklärte Köhn später mit gequältem Lächeln. Herz war da, Struktur weniger. Denn Grebenstein ließ auch im zweiten Durchgang nicht locker. Benjamin Bayer, gerade 19 und offenbar mit Raketenantrieb im rechten Fuß ausgestattet, machte in der 51. Minute das 0:4 - vorbereitet von, na klar, Thiele. Drei Minuten später durfte auch Alessandro Musso jubeln, der sein Tor dem zentralen Mittelfeldmann Olivier Albers widmete: "Er hat mir den Ball perfekt serviert, ich musste nur noch Danke sagen." Damit nicht genug: Camara, der an diesem Abend alles traf außer dem Bus zurück nach Grebenstein, erzielte in der 57. Minute seinen dritten Treffer. "Ich hab einfach Spaß gehabt", sagte er lachend, während Alfter-Keeper Frey hinter ihm in den Rasen trat. Das 0:7 in der 70. Minute setzte den Schlusspunkt - diesmal durfte sich Gustav Weber in die Torschützenliste eintragen, assistiert vom Innenverteidiger Lars Funk. Ein Innenverteidiger als Vorlagengeber beim siebten Tor: Symbolischer hätte man den Klassenunterschied kaum illustrieren können. Statistisch liest sich das Ganze wie ein Schussverhältnis aus einem Videospiel: 25 Abschlüsse für Grebenstein, eine einzige nennenswerte Chance für Alfter - in der 61. Minute, als der 17-jährige Hans Voigt tatsächlich einmal aufs Tor zielte. Der Ball flog allerdings in Richtung Parkplatz. Das Publikum - 1.283 tapfere Zeugen dieses Fußballmärchens mit umgekehrtem Happy End - nahm es mit Galgenhumor. "Na ja, wenigstens ist das Flutlicht schön hell", witzelte ein Dauerkartenbesitzer auf der Tribüne. Auch Grebensteins Coach Pipa Po fand Worte für das, was da passiert war: "Das war eine Teamleistung. Wir wollten Flügelspiel, wir haben Flügelspiel bekommen. Eher Adler als Flügel, ehrlich gesagt." Und während er lachte, nickte sein Gegenüber Köhn resigniert: "Wenn du sieben kriegst, brauchst du nicht über Ballbesitz reden." Dabei hatte Alfter mit 45 Prozent gar nicht so wenig vom Spiel - der Ball lief sogar einigermaßen, nur leider meist im eigenen Drittel. Die taktische Marschrichtung blieb defensiv, fast stoisch. Grebenstein dagegen spielte mit jugendlicher Frechheit, offensiv ausgerichtet, aggressiv in den Zweikämpfen, aber nie unfair. Nach dem Abpfiff klatschten die Gäste noch minutenlang mit ihren Fans, während die Alfter-Spieler schweigend den Rasen verließen. Einer soll gefragt haben: "Wie viele waren’s am Ende?" - "Sieben", kam die Antwort, "aber gefühlt waren’s zehn." Und so bleibt aus Sicht der Gastgeber nur die Hoffnung, dass man aus so einer Abreibung lernt. Oder wie Trainer Köhn es trocken formulierte: "Manchmal verlierst du, und manchmal lernst du eben richtig viel." Fazit: Grebenstein spielte wie ein Spitzenteam, Alfter wie ein Aufbaugegner. Ein 0:7, das in die Annalen der Landesliga eingehen dürfte - als Spiel, das so einseitig war, dass selbst der Linienrichter am Ende Mitleid mit seiner Fahne bekam. 05.01.643991 00:12 |
Sprücheklopfer
Als wir die Kampagne vor vier Jahren begonnen haben, standen wir bei Null Komma Null Point Null Prozent.
Franz Beckenbauer über die deutsche WM-Bewerbung 2006