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Ein 17-Jähriger hat am 13. Spieltag der 1. Liga Venezuela die rund 30.000 Zuschauer im Estadio José Encarnación Romero auf den Kopf gestellt. Deportivo Zulia und Guaro Larense trennten sich 2:2 (0:1) - ein Ergebnis, das so unspektakulär klingt, wie das Spiel phasenweise wild war. Doch mittendrin: Iván Granados, der blutjunge Linksaußen, der mit zwei Treffern zum Helden wider Willen wurde. Von Beginn an schien Guaro Larense entschlossener. Schon nach zwei Minuten prüfte Humberto Bertran den Zulia-Keeper Henri Sommer - ein Vorgeschmack auf das, was kommen sollte. Die Gäste wirkten konzentriert, im Ballbesitz leicht überlegen (51,5 Prozent), während Zulia zunächst wirkte, als hätte man den Pausenpfiff schon in den Beinen. Trainer Emil Freier stand mit verschränkten Armen an der Linie, rief gelegentlich "Mehr Bewegung!", doch seine Elf blieb brav in der eigenen Hälfte. In der 30. Minute war es dann soweit: Guillermo Assis, gerade einmal 18, überwand Sommer nach schönem Zuspiel von Bertran. 1:0 für Larense, und der Auswärtsblock tobte. "Ich hab’ einfach den Fuß hingehalten", grinste Assis später, "das war kein Kunstwerk, eher ein Reflex." Das Tor tat Zulia weh - und weckte sie gleichzeitig nicht auf. Nach der Pause legte Larense nach: Xavi Iñiguez, der Taktgeber im Mittelfeld, traf in Minute 49 aus rund 20 Metern. Rechtsverteidiger Agemar Ferron hatte zuvor klug aufgelegt. "Das war so ein Schuss, bei dem du schon beim Ausholen weißt: Der sitzt", sagte Iñiguez und grinste selbstzufrieden. 0:2, und die Heimfans schauten betreten auf ihre Plastikbecher. Doch dann kam jener Moment, an dem man merkte, warum Fußball kein Schach ist. Nur vier Minuten später der Anschlusstreffer: Iván Granados, 17, kaum alt genug für den Führerschein, drosch den Ball nach einem Abpraller kompromisslos unter die Latte. Torwart Thijmen Landseer streckte sich vergeblich. Das Stadion erwachte, Freier ballte die Faust, und plötzlich war Leben in Zulia. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich", erklärte Granados nach Abpfiff in jugendlicher Nonchalance. "Ich dachte, schlimmer als drüber geht’s nicht." Ging’s auch nicht. Ab da drehte Zulia auf. Maik Leclair zog im Mittelfeld die Fäden, Carl Benoi prüfte Landseer mehrfach, und Larense verlor etwas die Linie. Die Gäste bekamen Gelb - erst Iñiguez (68.), dann der 17-jährige Innenverteidiger Carlos Couto (86.) - und wirkten zunehmend nervös. In der 73. Minute dann die Erlösung für die Gastgeber: Wieder Granados. Diesmal nach einem feinen Pass von Leclair, der mit Übersicht in die Schnittstelle spielte. Der Teenager blieb eiskalt, schob ins lange Eck, 2:2. Das Stadion explodierte, Freier tanzte einen unbeholfenen Freudentanz an der Seitenlinie. "Ich hab’ Freier selten so springen sehen", lachte Keeper Sommer später. "Normalerweise hebt der höchstens beim Kaffeeholen ab." Doch der Jubel war berechtigt: Aus einem scheinbar verlorenen Spiel hatte Zulia ein Remis gemacht. Die letzten Minuten gehörten wieder Larense. Assis, der auffälligste Mann der Gäste, hatte noch zwei gute Gelegenheiten (63., 79.), doch Sommer hielt, was zu halten war. "Der Junge wächst über sich hinaus, wenn er unter Druck steht", meinte Freier anerkennend. Am Ende stand ein 2:2, das beiden Trainern zu wenig war und doch niemandem ganz unrecht tat. Zulia hatte acht Torschüsse, Larense dreizehn - ein leichtes Plus für die Gäste, aber eben kein Sieg. "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber nicht entschieden", murrte Gästecoach Jan Ost. "Das ist, als würdest du ein Steak perfekt braten - und dann fällt es dir vom Teller." Freier dagegen sah das Positive: "Unsere Jungs sind jung, wild und manchmal etwas naiv. Aber heute haben sie Charakter gezeigt." Die Zuschauer gingen nach 90 Minuten zufrieden nach Hause, viele mit einem neuen Lieblingsspieler im Kopf. Iván Granados, 17 Jahre alt, zwei Tore gegen einen erfahrenen Gegner - und das alles mit einem Gesichtsausdruck, als hätte er gerade Matheunterricht hinter sich. Das Fazit? Larense verschenkt den Sieg, Zulia findet das Herz, das man in der ersten Hälfte vermisste. Und irgendwo in Maracaibo dürfte heute ein Jugendtrainer ziemlich stolz sein. Denn manchmal reicht ein Teenager, um ein ganzes Stadion wieder an den Fußball glauben zu lassen. 06.06.643987 22:57 |
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