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Gran Canaria geht baden - Atletic Barcelona siegt souverän 3:1

Es war ein lauer Abend auf den Kanaren, 20:30 Uhr, Flutlicht, 16.000 Zuschauer - und schon nach sieben Minuten war klar, dass das keine ruhige Schicht für die Abwehr von Gran Canaria FC werden würde. Rafael Vico, gerade einmal 20, aber mit der Selbstsicherheit eines gestandenen Torjägers, traf früh für Atletic Barcelona. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste der junge Stürmer nach dem Spiel, "aber der Ball hatte wohl andere Pläne."

Damit war der Ton des Abends gesetzt. Die Hausherren, taktisch ausgewogen und mit 53 Prozent Ballbesitz eigentlich Herr der Kugel, wirkten dennoch wie Gäste im eigenen Stadion. Barcelona-Coach Al Bundy - ja, der Name ist Programm - hatte seine Mannschaft von Beginn an offensiv eingestellt. Das sah man: 15 Torschüsse der Gäste gegen gerade einmal fünf von Gran Canaria. "Wir wollten Fußball spielen, nicht zählen", kommentierte Bundy trocken auf der Pressekonferenz.

In der 34. Minute legte Bartilomiej Sobolewski nach. Der polnische Flügelspieler, der kurz zuvor Gelb gesehen hatte ("Ich wollte nur Hallo sagen", erklärte er mit einem Zwinkern), verwertete eine präzise Flanke von Rechtsverteidiger Fehmi Topuz. 0:2 - und die Köpfe der Kanaren hingen tiefer als der Atlantik bei Ebbe.

Zur Halbzeit schien es, als würde Atletic Barcelona das Spiel locker austrudeln lassen. Doch Gran Canaria kam mit Wut im Bauch aus der Kabine. Antonio Moreno, der 35-jährige Dauerbrenner auf der rechten Seite, fasste sich in der 51. Minute ein Herz. Nach einer schönen Vorarbeit von Marc Escudero zog er einfach mal ab - und traf. Der Jubel war ohrenbetäubend, die Hoffnung zurück. "Ich dachte, jetzt drehen wir’s", sagte Moreno später. "Aber dann kam dieser Pinchas."

Gemeint war Pinchas Hasson, der israelische Linksaußen, der in der 77. Minute den Deckel draufmachte. Nach einem Zuckerpass des 18-jährigen Adrian Pascual schob Hasson lässig zum 1:3 ein. "Ich hab nur getan, was mir der Trainer gesagt hat: laufen, laufen, treffen", erklärte er mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Bescheidenheit und Selbstlob pendelte.

Gran Canaria mühte sich, hatte mehr Ballbesitz, aber zu wenig Durchschlagskraft. Nestor Nunez und Ivan Muno versuchten es immer wieder, doch Barcelonas Abwehr um Jake Donovan und Marcel Gaudin stand sicher - trotz zweier Gelber Karten, die Donovan (66.) und Topuz (69.) kassierten. "Ein bisschen Farbe im Spiel schadet nie", meinte Bundy süffisant.

Statistisch gesehen hätte Gran Canaria nicht verlieren müssen: mehr Ballbesitz, ordentliche Passquote, und ein Trainer, der vermutlich auch gerne gewusst hätte, wie man 53 Prozent Kontrolle in drei Tore ummünzt. Doch Fußball ist kein Prozentspiel. Atletic Barcelona war schlicht effizienter - "SURE"-Schussverhalten nennt das die Taktiktafel, in der Praxis heißt das: Schießen, wenn’s auch wirklich Sinn ergibt.

Die letzten Minuten plätscherten dahin wie ein Sommerregen über Las Palmas. Barcelona hielt den Ball, Gran Canaria lief hinterher, das Publikum applaudierte höflich. In der 90. Minute versuchte Linksverteidiger Vitorino Couto noch einen Distanzhammer, den Dino Mijatovic im Tor der Gastgeber spektakulär parierte - immerhin ein Moment für die Galerie.

Nach dem Schlusspfiff umarmte Bundy seinen jungen Torschützen Vico, während Gran-Canaria-Kapitän Moreno konsterniert in den Nachthimmel blickte. "Wir haben nicht schlecht gespielt", murmelte er, "aber sie waren einfach cleverer."

Clever war tatsächlich das Stichwort. Atletic Barcelona spielte die Partie mit einer bemerkenswerten Reife, als hätte man schon mehrere Saisons im Oberhaus hinter sich. Gran Canaria dagegen wirkte, als hätte man den eigenen Matchplan auf dem Weg zum Stadion verloren.

Ein Journalist fragte Bundy zum Schluss, ob dieser Sieg ein Statement sei. "Ein Statement? Nein", grinste der Coach, "nur drei Punkte - aber schöne."

Fazit: Gran Canaria FC verliert 1:3 (0:2) gegen ein effizientes, abgeklärtes Atletic Barcelona. Torschützen: Vico (7.), Sobolewski (34.), Hasson (77.) für die Gäste, Moreno (51.) für die Gastgeber. Ein verdienter Sieg, ein unterhaltsames Spiel - und ein weiteres Kapitel in der Geschichte jener Teams, die zwar den Ball, aber nicht das Spiel besitzen.

Gran Canaria FC darf sich trösten: Die Sonne scheint hier jeden Tag. Nur eben nicht an diesem Fußballabend.

15.12.643993 03:05
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