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Es war einer jener Abende im Ullevi-Stadion, an denen 29.575 Zuschauer sich fragten, ob das Runde jemals ins Eckige wolle - zumindest aus Sicht von Göteborg BK. Trotz 53 Prozent Ballbesitz, zehn Torschüssen und einer unermüdlichen Offensivbemühung endete der 20. Spieltag der 1. Liga Schweden mit einem Ergebnis, das so nüchtern wie schmerzhaft klingt: 0:1 (0:0) gegen IF Brommapojkarna. Dabei begann alles so verheißungsvoll. Trainer Niels Fuhrmann hatte seine Mannschaft - taktisch wie immer "ausgewogen" - auf den Platz geschickt, die Fans stimmten euphorisch ihre Gesänge an, und schon in der 10. Minute prüfte Joseba Pauleta den gegnerischen Keeper Vicente Andrade mit einem satten Schuss aus der zweiten Reihe. "Wenn der reingeht, läuft das Spiel ganz anders", murmelte Fuhrmann später und sah dabei aus, als hätte er genau diesen Satz schon oft in seiner Karriere gesagt. Brommapojkarna dagegen wirkte anfangs nervös, doch ihre Offensive, angeführt von dem 33-jährigen Routinier Raul Galan, meldete sich früh zu Wort. In der 13. Minute tauchte der erst 18-jährige Innenverteidiger Gabriel Hanson überraschend vorne auf - sein Schuss wurde aber sicher von Göteborgs Torwart Jose Enrique Segura entschärft. "Ich dachte, er will den Ball zurückspielen", lachte Segura nach dem Spiel, "aber plötzlich war er da - fast hätte ich ihm applaudiert." Das Spiel wogte hin und her, ohne dass Zählbares heraussprang. Göteborg suchte geduldig den Weg über die Flügel, während Brommapojkarna mit kurzen Pässen und viel Einsatz agierte. Francisco Pinto und Dragan Mihajlovic sorgten über rechts und links immer wieder für Unruhe, und die Zuschauer merkten: Diese Gäste kamen nicht zum Mauerbauen. Nach der Pause erhöhte Göteborg den Druck. Stanislaw Christow prüfte den Keeper gleich zweimal (60. und 75. Minute), Daan Callaert zog aus der Distanz ab, und Lewis Gady versuchte es per Kopf. Doch entweder war Andrade zur Stelle oder der Ball segelte knapp vorbei. "Manchmal hat man das Gefühl, das Tor ist heute kleiner als sonst", klagte Christow mit einem gequälten Grinsen. Dann kam die 69. Minute - der Moment, der das Spiel entschied. Raul Galan, der alte Stratege im Mittelfeld, zog aus gut 20 Metern ab, nachdem Mihajlovic ihn mustergültig bedient hatte. Der Ball senkte sich über Segura hinweg ins Netz. 0:1. Galan rannte jubelnd zur Eckfahne, während Trainer Torsten Hoppe an der Seitenlinie die Faust ballte. "Wir wollten mutig bleiben - und Raul hat das umgesetzt, als wäre er 23, nicht 33", sagte Hoppe später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Erleichterung lag. Göteborg suchte danach verzweifelt den Ausgleich. Urban Carlsson holte sich in der 52. Minute Gelb ab, weil er die Geduld verloren hatte; Brommapojkarnas Jannis Hesse revanchierte sich mit einer eigenen Verwarnung in der 63. Minute. In der Schlussphase wurde es hitzig: In der 80. Minute sah Ricardo del Olmo nach einem rustikalen Einsteigen glatt Rot. "Ich traf den Ball - nur leider stand da auch jemand im Weg", erklärte er später charmant-zerknirscht. Mit einem Mann mehr drückte Göteborg, doch es blieb beim Verdruss. Eric Nilsson und Joao Barros feuerten kurz vor Schluss noch zwei Verzweiflungsschüsse ab (81. und 82. Minute), doch der Ball fand den Weg ins Glück nicht. "Wir haben alles versucht, aber Bromma hat clever verteidigt", resümierte Fuhrmann. "Vielleicht hätten wir einfach auch mal aus 30 Metern draufhalten sollen - so wie Galan." Statistisch betrachtet hätte das Spiel ein Remis verdient: 10 zu 8 Torschüsse, leichtes Ballbesitzplus für Göteborg, mehr gewonnene Zweikämpfe. Doch Fußball folgt bekanntlich keiner Statistik, sondern der Laune des Moments. Und der Moment gehörte Raul Galan. Trainer Hoppe fasste es trocken zusammen: "Wir waren offensiv eingestellt, aber ehrlich gesagt, haben wir auch ein bisschen Glück gebraucht. Ohne das wäre es wohl 0:0 ausgegangen." Als die Spieler von Göteborg sich nach Abpfiff in Richtung Fankurve verabschiedeten, brandete trotzdem Applaus auf. Vielleicht, weil die Fans ahnten, dass ihre Mannschaft alles gegeben hatte - nur eben kein Tor. Ein älterer Zuschauer auf der Tribüne brachte es auf den Punkt: "Schöner Fußball, aber ich hätte auch gern mal ein Tor gesehen. Nächstes Mal vielleicht." Und so endete ein Abendspektakel, das alles bot - Leidenschaft, Karten, Emotionen - außer dem, was die Heimfans wirklich wollten. Brommapojkarna nimmt drei Punkte mit, Göteborg bleibt ratlos zurück. Aber wer weiß: Vielleicht wird aus Frust die beste Motivation. Denn wie sagte Trainer Fuhrmann beim Hinausgehen in die kalte Göteborger Nacht? "Solange wir öfter aufs Tor schießen als der Gegner, wird es irgendwann wieder klingeln." Da bleibt nur zu hoffen, dass das Schicksal zuhört. 26.01.643991 07:33 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack