// Startseite
| US Sports |
| +++ Sportzeitung für USA +++ |
|
|
|
An einem kühlen Januarabend in Atlanta haben 39.123 Zuschauer erlebt, wie die Gorillas das Stadion in einen Dschungel der guten Laune verwandelten. Mit 3:1 besiegte das Team von Trainerin Anja Meister die Cleveland Cavaliers, die sich zwar tapfer wehrten, am Ende aber an der Effizienz und Energie des Heimteams scheiterten. Schon in der elften Minute begann das Spektakel: Rechtsverteidiger Benyamin Maurer, sonst eher zuständig für rustikale Grätschen als für filigrane Torabschlüsse, donnerte den Ball nach einer butterweichen Flanke von Larry Comstock in die Maschen. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Maurer später in der Mixed Zone, "aber dann dachte ich: Warum nicht mal draufhalten?" Ein Gedanke, den die Fans mit lautstarkem Jubel goutierten. Die Gorillas, taktisch von Beginn an offensiv eingestellt und mit starkem Pressing ab der 45. Minute, spielten mutig nach vorn. Besonders die linke Seite mit Comstock und Alessio Sosti wirbelte die Cavaliers durcheinander. In der 33. Minute folgte die Belohnung: Der 18-jährige Joseph Winfield, ein Talent mit Engelsgesicht und Löwenherz, traf nach glänzender Vorarbeit von - natürlich - Comstock zum 2:0. Der Youngster rannte jubelnd in Richtung Fanblock, rutschte auf den Knien und brüllte: "Das ist mein Moment!" Doch Cleveland hatte noch nicht aufgegeben. Nur vier Minuten später sorgte Joris Buskirk für den Anschlusstreffer. Nach Pass von Mittelfeldstratege Sergio Couto traf er eiskalt aus 14 Metern. "Da war kurz Stille im Stadion", meinte Gorillas-Torhüter Alois Zemlik später. "Ich dachte, jetzt wird’s ein langer Abend." Tatsächlich drängten die Cavaliers auf den Ausgleich, hatten zur Pause sogar leicht mehr Ballbesitz (52 Prozent) und einen Torschuss mehr (13:12). Nach dem Seitenwechsel stellte Meister ihr Team etwas tiefer, aber weiterhin mit offensiver Grundhaltung auf den Platz. "Wir wollten die Räume enger machen, aber nicht das Spiel herschenken", erklärte sie. Eine Entscheidung mit Weitblick - denn während Cleveland anlief, warteten die Gorillas geduldig auf ihre Chance. In der 72. Minute schlug sie zu: Noah Stanton bediente mit einem präzisen Pass Diego Rielo, der den Ball mit links ins lange Eck setzte - 3:1. Ein Tor, das Stadion und Trainerbank gleichermaßen explodieren ließ. "Ich hab ihn einfach gespürt, diesen Moment", sagte Rielo später, "der Ball kam, ich sah das Netz - und dann war’s passiert." Danach wurde es ruppiger. Drei Gelbe Karten für Cleveland (Couto 73., Avci 78.) und eine für den frisch eingewechselten Dylan Hunt (89.) belegen, dass die Partie an Intensität gewann. Dazwischen die Szene, die für Gesprächsstoff sorgte: Clevelands Linksverteidiger Philip Kessler verletzte sich in der 74. Minute ohne Fremdeinwirkung, musste vom Platz und wurde durch Laurent Piccard ersetzt. Trainer Alex Rosin schimpfte am Spielfeldrand: "Das war kein Zufall, der Rasen ist eine Zumutung." Statistisch blieb das Spiel ausgeglichen: Ballbesitz fast pari (48 zu 52 Prozent), Zweikampfquote ebenfalls auf Augenhöhe (50 zu 49 Prozent). Doch die Gorillas waren schlicht zielstrebiger, mutiger - und vielleicht auch ein bisschen frecher. "Wir haben uns nicht versteckt", resümierte Kapitänin Meister nach dem Spiel. "Unsere Jungs haben gezeigt, dass Kampfgeist und Spielfreude zusammenpassen können." In der Schlussphase verteidigte Atlanta mit Leidenschaft. Selbst der erst 17-jährige Nelson Semedo, für Winfield eingewechselt, warf sich in jeden Zweikampf, als ginge es um sein Leben. Als der Schlusspfiff ertönte, fielen sich Spieler und Trainerin in die Arme - ein Bild, das die 39.000 Fans im Stadion nicht so schnell vergessen werden. Für Cleveland bleibt die Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt. "Wir waren oft dran, aber nie wirklich da", seufzte Rosin. "Atlanta hat uns gezeigt, was Effizienz bedeutet." Und die Gorillas? Sie feiern weiter oben mit. Drei Tore, drei verschiedene Schützen, ein Statement. Oder, wie Stadionsprecher Tom Becker es nach Abpfiff augenzwinkernd zusammenfasste: "Wenn Gorillas tanzen, sollten die Cavaliers besser einen Schritt zurücktreten." Ein bisschen übertrieben? Vielleicht. Aber an diesem Abend war in Atlanta alles möglich - außer Langeweile. 03.08.643987 14:22 |
Sprücheklopfer
Das Positive war, dass wir hinten zu Null gespielt haben. Das Negative war, dass wir auch vorne zu Null gespielt haben.
Felix Magath