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Manchmal reicht ein einziger Moment, um ein ganzes Spiel zu entscheiden. Am Donnerstagabend beim 4. Spieltag der 2. Liga USA war es genau so: Die Atlanta Gorillas entführten mit einem 1:0-Auswärtssieg drei Punkte aus Harrisburg, während die Isles-Fans sich wohl noch immer fragen, ob ihr Team überhaupt mitbekommen hat, dass das Spiel begonnen hatte. 16.000 Zuschauer fanden sich im Harrisburg-Stadion ein, viele davon mit der Hoffnung auf den ersten Heimsieg der Saison. Doch schon in den ersten Minuten wurde klar, dass die Gäste aus Atlanta nicht zum Sightseeing angereist waren. Allen voran der 21-jährige Enrico Montauro, der mit seiner jugendlichen Frechheit und seinen explosiven Antritten die Harrisburger Abwehr mehrfach wie Statisten aussehen ließ. "Ich hab einfach Spaß am Spiel. Und wenn der Ball dann im Netz zappelt, ist das nur ein Bonus", grinste Montauro nach Abpfiff - ein Bonus, der in der 42. Minute das Spiel entschied. Vorbereitet wurde der Treffer vom ballsicheren Wilhelm Krämer, der im Mittelfeld das Kommando führte. Ein kurzer Blick, ein präziser Pass in die Schnittstelle - Montauro startete, schüttelte Verteidiger Gayheart ab und schob den Ball mit der Selbstverständlichkeit eines Routiniers an Keeper Mason Fryer vorbei. 0:1, und die 16.000 Harrisburg-Fans verstummten so plötzlich, als wäre der Strom ausgefallen. Bis dahin hatten die Gorillas das Spiel längst in der Hand. 56 Prozent Ballbesitz, 14 Schüsse aufs Tor - die Statistik sprach Bände. Harrisburg kam auf fünf Abschlüsse, die meisten davon aus der Distanz und mit mehr Hoffnung als Überzeugung. Der 19-jährige Otto Steinsson hatte in der 36. Minute die beste Gelegenheit, doch Gorillas-Keeper Brandon Lithgow war hellwach und kratzte den Ball aus der Ecke. "Ich hab mich gefühlt wie eine Katze auf Koffein", lachte Lithgow später. Sein Trainerin Anja Meister dagegen blieb sachlich: "Wir haben kontrolliert gespielt. Ein Tor war genug, weil wir im richtigen Moment die Ruhe bewahrt haben." Harrisburgs Trainer - der Name wollte an diesem Abend niemandem so recht einfallen - stapfte nach dem Schlusspfiff mit gesenktem Kopf in die Kabine. "Wir haben zu brav gespielt", gab er kleinlaut zu. "Wenn du Gorillas einlädst, machen sie sich’s eben gemütlich in deinem Strafraum." Das tat Atlanta auch, und zwar mit einer bemerkenswert reifen Spielanlage. Selbst die jungen Wilden Garritt Knickerbacker und Tomas Baranek wirbelten, als hätten sie schon hundert Zweitligaspiele in den Beinen. Die zweite Halbzeit war dann ein Lehrstück in Geduld - und in verpassten Chancen. Harrisburg stellte auf noch offensiver um, riskierte mehr, blieb aber harmlos. Evan Malfoy, der 32-jährige Linksaußen der Isles, rannte, schimpfte und winkte, als könne er die Bälle damit ins Tor dirigieren. Doch seine Versuche in der 47. und 66. Minute fanden weder Ziel noch Wirkung. "Ich schwör, der Ball hat heute was gegen mich gehabt", murmelte er, während er seine Schuhe auszog. Auf der anderen Seite verpasste Montauro in der 89. und 92. Minute knapp den Doppelpack - einmal rettete Fryer, einmal das Außennetz. Die Gorillas fackelten nicht lange, wenn sie vors Tor kamen. Ihr Motto: Schießen, wann immer’s nach Ball aussieht. Kein Wunder, dass sie gleich 14 Abschlüsse verbuchten - fast dreimal so viele wie die Gastgeber. Harrisburg dagegen wirkte, als würde es lieber noch einen Pass spielen, bevor man überhaupt ans Schießen denkt. "SURE"-Schussverhalten nennt man das wohl in den Taktik-Tabellen - im Stadion hieß das eher: zu spät. Auch die Härte blieb nicht aus. Archie Cabell sah in der 61. Minute Gelb, kurz darauf erwischte es Atlantas Innenverteidiger Diego Manu. Später kam noch Miguel Manuel hinzu, der bei einem rustikalen Einsteigen wohl vergaß, dass er kein Linebacker ist. "Wir sind Gorillas, keine Gentlemen", witzelte er nach Schlusspfiff - zum Glück mit einem Augenzwinkern. Als der Schiedsrichter nach 94 Minuten abpfiff, war die Sache klar: Atlanta hatte das Spiel nicht nur gewonnen, sondern dominiert. Die Gorillas steigen in der Tabelle weiter, während die Isles nach vier Spieltagen weiter im Mittelfeld herumdümpeln - mit der klaren Erkenntnis, dass Offensivgeist allein keine Tore schießt. "Wir müssen lernen, das Tor auch mal zu treffen", meinte Harrisburgs Kapitän Samuel Lansbury trocken. "Oder wenigstens den Torwart." Eine Erkenntnis, der wohl niemand widersprach. Und so endete ein Abend, an dem die Gorillas ihre Stärke demonstrierten - und Harrisburg zeigte, dass man auch mit 43 Prozent Ballbesitz und viel gutem Willen ziemlich leer ausgehen kann. Vielleicht hilft ihnen beim nächsten Mal ein Bananenbündel als Glücksbringer. Heute jedenfalls lag die Banane klar bei Atlanta. 08.01.643994 15:40 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack